Jury für Jackson-Prozess ausgewählt

- Santa Maria/Washington - Damit hatte niemand gerechnet. Statt erwarteter vier Wochen dauerte es nur fünf Prozesstage, bis Richter Rodney Melville im Verfahren gegen den wegen Kindesmissbrauchs angeklagten Michael Jackson am Mittwoch (Ortszeit) verkünden konnte: "Wir haben eine Geschworenenjury." Acht Frauen und vier Männer sind es, ein 20-jähriger Mann ist der Jüngste, eine 79jährige Frau die Älteste im Bunde - und kein Schwarzer ist dabei.

<P>Mit der raschen Bestimmung der "Jackson Twelve", wie die Gruppe in Anlehnung an die frühere Pop-Band The Jackson Five getauft wurde, kann die "heiße Phase" des spektakulären Prozesses im kalifornischen Santa Maria schon in der kommenden Woche beginnen. Nach Abschluss der Auswahl von acht Ersatzjuroren und Anhörungen über noch ungelöste Prozedurfragen werden Anklage und Verteidigung ihre mit Spannung erwarteten Eröffnungsplädoyers halten.<BR><BR>Rechtsexperten meinen, dass mit der Auswahl der Geschworenen schon eine Vorentscheidung über Freiheit oder Gefängnis für Jackson gefallen ist. Der Popstar soll 2003 auf seiner Neverland Ranch einen damals 13-jährigen Jungen mehrfach sexuell missbraucht und durch Alkohol gefügig gemacht haben. Die Zusammensetzung der Jury sei die "halbe Miete", meint Rechtsprofessor Stan Goldman. Das gelte besonders in diesem Fall, von dem jeder der ausgewählten Geschworenen schon seit Monaten reichlich gehört habe. Das lege den Verdacht nahe, dass ein Teil der Juroren schon eine vorgefasste Meinung habe. Entsprechend ertappten Beobachter Jackson am Mittwoch im Gerichtssaal auch wiederholt dabei, wie er forschend die Geschworenen anblickte als wolle er an ihren Gesichtern ablesen, ob sie ihn für schuldig oder unschuldig halten.<BR><BR>Ein 63-jähriger Künstler ist in der Jury, eine langjährige Pferdetrainerin, ein Kassierer, eine Krankengymnastin, eine Computerprogrammiererin, ein Ingenieur mit dichtem weißen Schnurrbart und ein 21-jähriger Mann im Rollstuhl, der früher einmal in einer Behindertengruppe die Neverland Ranch besucht hat. Und dann ist da die 79-jährige Urgroßmutter, die nach Schilderungen von Beobachtern mit lauter selbstbewusster Stimme sprach, das Rampenlicht sichtlich genoss und mit der wahrscheinlich nicht gut Kirschen essen ist, wie es ein Augenzeuge beschrieb.<BR><BR>Aber es ist nicht nur die resolute ältere Dame, die der Verteidigung Sorgen bereitet. Viele Rechtsexperten meinen, dass die Ankläger mit den Geschworenen insgesamt mehr zufrieden sein können als die Verteidiger. Schwer wiegt vor allem, dass niemand in der Gruppe der Zwölf wie Jackson Afroamerikaner ist: Es gibt eine Asiatin, mutmaßlich vier Latinos und sieben Weiße. "Dass kein Schwarzer dabei ist, bedeutet einen Riesennachteil für den Angeklagten", sagt Jurist Jeffrey Toobin. "Erfahrungen zeigen, dass Afroamerikaner ein anderes Obrigkeitsdenken haben als etwa Weiße, das heißt, sie stehen den Behörden und damit auch der Anklage misstrauischer gegenüber."<BR><BR>Experten zufolge hatte sich die Verteidigung auch mehr Männer in der Jury gewünscht - am besten geschiedene oder solche, die in einer schwierigen Beziehung leben: Sie könnten nämlich eher der Aussage der Mutter des mutmaßlichen Opfers misstrauen, die neben dem Jungen selbst als Hauptzeugin der Anklage auftritt. Dazu sind auch noch acht der Juroren Mütter oder Väter - auch das gilt eher als Nachteil für Jackson. Und: Zwei der Geschworenen haben selbst indirekte Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch. Die Schwester einer Jurorin wurde vergewaltigt und in einem anderen Fall ein Verwandter wegen eines Sexualdelikts verurteilt.<BR><BR>Beide Seiten - Anklage und Verteidigung - durften ohne Angabe von Gründen jeweils zehn Kandidaten ablehnen. Die Staatsanwaltschaft zeigte unter anderem zwei schwarzen Frauen die rote Karte. Eine von ihnen hatte lautstark beklagt, dass Jackson keinen fairen Prozess erhalten werde, wenn kein Afroamerikaner unter den Zwölf sei. "Sie können gehen", wurde der Frau beschieden. Es war der einzige Moment, in dem Jackson deutliche Regung zeigte: tiefe Betroffenheit.</P>

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