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Justin Bieber muss sich bald wegen eines illegalen Autorennens in Miami (US-Bundesstaat Florida) im Januar 2014 vor Gericht verantworten. Kleines Bild: Der Psychologe und Buchautor Borwin Bandelow.

Borderline-Störung?

Justin Bieber: Experte erklärt seine Psyche

München - Justin Bieber, einst ein schnuckeliger Kinderstar, macht inzwischen mit Drogen und wilden Partys Schlagzeilen. Was ist nur los mit ihm? Warum verhält sich Bieber sich so? Ein Gespräch mit dem Psychologen und Buchautor Borwin Bandelow:

Justin Bieber ist ein Megastar. Mit seinen 19 Jahren hat er Millionen Platten verkauft, tourt weltweit und bringt Mädchenherzen zum Rasen. Seit einiger Zeit fällt er jedoch eher durch Ausfälle wie Drogenkonsum oder Partys in Stripclubs auf als durch seine Musik. Wie kommt es, dass junge Berühmtheiten oft so tief fallen? Borwin Bandelow, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, hat ein Buch über dieses Thema geschrieben: "Celebrities – vom schwierigen Glück, berühmt zu sein" (rororo, 288 Seiten; 9,99 Euro). Wir sprachen mit dem Professor über Justin Bieber und die Gründe seines ausschweifenden Lebensstils.

Anzeichen, dass Justin Bieber unter Borderline-Störung leidet

Bevor wir über Justin Biebers Eskapaden sprechen – können Sie erklären, weshalb dieser Bursche solch einen Erfolg hat?

Ich kann keine Ferndiagnose stellen, aber ich könnte mir vorstellen, dass Justin Bieber unter einer Borderline-Störung leidet, das heißt, dass er eine emotional instabile Persönlichkeit hat. Leute mit einer solchen Persönlichkeitsstruktur haben es leichter, berühmt zu werden. In unserem Hirn gibt es ein Belohnungssystem, das über Endorphine, also Wohlfühlhormone, funktioniert, und nach meiner Theorie sind bei Borderline-Erkrankten zu wenig Endorphine im Blut. Also suchen sie verzweifelt nach Aufmerksamkeit, weil Aufmerksamkeit die Ausschüttung von Endorphinen steigert. Seit sie Kinder sind, singen oder tanzen sie oder machen irgendetwas, um andere auf sich aufmerksam zu machen. Das führt dazu, dass sie die besten und kreativsten Musiker werden – und auf magische Weise das Objekt der Begierde vieler junger Menschen. Die Kehrseite ist, dass sie auch versuchen, auf andere Weise den Endorphin-Haushalt zu erhöhen, etwa durch Opiate.

Bandelow: Justin Bieber hat "problematische Gene"

Auch Justin Bieber soll Drogen nehmen...

Ja, das würde gut passen. Bieber scheint suchtartig Kodein einzunehmen – ein Opiat, das genau an die Endorphin-Rezeptoren andockt. Seine Mutter soll ihm Xanax geben, ein abhängig machendes Beruhigungsmittel. Dann trinkt er Alkohol, gemeinsam mit seinem Vater. Zusätzlich raucht er Marihuana.

Sind also die Eltern schuld an den Ausbrüchen des jungen Mannes?

Zunächst einmal ist es so, dass sich diese Persönlichkeitseigenschaften zu etwa 50 Prozent verereben. Nun scheint Biebers Mutter das zu haben, was man üblicherweise als Borderline-Störung bezeichnet. Sie wurde als Kind sexuell missbraucht, hat mit 14 Drogen genommen und Alkohol getrunken, häufig ihre Sexualpartner und ihre Jobs gewechselt, einen Selbstmordversuch begangen – das sind alles Anzeichen dafür. Und der Vater hat bei dem Autorennen, an dem Justin Bieber teilgenommen hat, den Verkehr umgeleitet und ist nach der Verhaftung mit ihm einen trinken gegangen. Er war angeblich mehrfach wegen Körperverletzung im Gefängnis. Das heißt, Bieber hat problematische Gene und eine problematische Erziehung erlebt, sodass man sich nicht wundern muss, dass er jetzt gefährdet ist. Und ich mache mir wirklich Sorgen, dass das, was wir jetzt sehen, erst der Anfang ist.

Instabile Persönlichkeit lässt Justin Bieber nach immer höheren Reizen jagen

Doch warum dreht er so durch? Wenn er sich immer nach Aufmerksamkeit gesehnt hat, müsste er jetzt doch glücklich sein?

Ja, man sollte meinen, dass ihn der Ruhm und das Geld glücklich machen. Aber das Belohnungssystem im Hirn richtet sich nicht nach absoluten, sondern nach relativen Werten. Stellen Sie sich das vor wie bei einem Börsenmakler. Wenn der Dax ein Jahr lang bei 9000 Punkten stünde – was supergut ist – würde der Makler nervös, weil der Kurs nicht weiter nach oben geht. Weil auch Börsenmakler so ein Belohnungssystem haben. Wenn es dann einen Crash gibt, der Dax auf 2000 runtergeht und sich danach wieder auf 5000 Punkte erholt, dann ist der Börsenmakler bei 5000 viel glücklicher als er bei 9000 war. Dieses System reagiert also auf relative Veränderungen.

Das heißt für Bieber?

Wenn die Anzahl der Liebesbekundungen auf seiner Internetseite nicht mehr steigt, lässt das Glücksgefühl nach. Oder wenn die Musikverkäufe zurückgehen. Und dann besteht die hohe Gefahr, dass Bieber versucht, sich das Glück auf andere Weise zu holen – durch Sex mit Prostituierten, Drogen oder sogenanntes „Sensation Seeking“, der Suche nach immer höhreren Reizen. Wenn man eine gefährliche Situation wie eine Autorennen unbeschadet übersteht, führt das zu einer Endorphin-Ausschüttung. Deswegen neigen Menschen mit emotional instabilen Persönlichkeiten dazu, gefährliche Spielchen zu treiben.

Bieber muss durchhalten: Borderline-Störung im Alter von 27 am schlimmsten

Wie erklären Sie es, dass es aber doch einige Kinderstars schaffen, keine Skandalnudeln zu werden?

Erst einmal ist es nicht so, dass Kinderstars statistisch mehr Probleme haben als erwachsene Stars. Bei beiden haben wir eine hohe Rate an psychischen Problemen. Aber es gibt Leute, die trotz dieser psychischen Schwierigkeiten ihr Leben bestreiten. Es ist so, dass die Borderline-Störung bis zum Alter von 27 – im Durchschnitt – zunimmt. Ab dann wird es besser. Leute, die das überstanden haben, wie etwa Robbie Williams, entwickeln sich immer positiver, weil die Symptome dann von selbst abklingen.

Das Phänomen des „Klub 27“ – Megastars, die alle mit 27 gestorben sind – ist also kein Zufall?

Genau. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen von Borderline-Patienten ist die Störung im Alter von 27 am schlimmsten – und da ist die Gefahr, durch eine Überdosis Drogen zu sterben, extrem hoch. Das ist kein mystisches Zeichen, sondern bestätigt nur meine Theorie. Es gibt leider harte Fälle wie Whitney Houston, die auch später noch an Drogen sterben.

Justin Bieber hätte ganz ähnliche Probleme - auch wenn er nicht berühmt wäre

Zurück zu den Kinderstars! Tami Stronach, die die kindliche Kaiserin im Film „Die unendliche Geschichte“ gespielt hat, erhielt danach etliche Anfragen für Filmrollen, die ihre Eltern alle abgeblockt haben, um ihr Kind zu schützen. Nun lebt sie als mittellose Tänzerin in New York und verflucht ihre Eltern für deren Entscheidung. Was hätten sie tun sollen?

Nun, es wird ja oft unterstellt, dass es die bösen Eltern sind, die ihre Kinder zu Castingshows zerren. Aber das würde nicht funktionieren, wenn ihre Kinder nicht auch narzisstische Eigenschaften hätten. Und so muss man sich fragen: Wäre das Leben von Bieber glücklicher, wenn die Eltern ihn nicht ins Rampenlicht gebracht hätten? Ich würde sagen: Nein. Dann hätte er genau die Probleme dieser Borderline-Störung, wäre aber nicht berühmt. Daher finde ich das mit der kindlichen Kaiserin ein gutes Beispiel: Die Eltern dachten, dass sie ihre Tochter schützen, wenn sie sie von der Öffentlichkeit fern halten. Dann bricht aber das künstlerische Gen in dem Kind trotzdem durch und sie wird Tänzerin. Der Narzissmus gibt einem diese wahnsinnige Energie, die man braucht, um berühmt zu werden, und daran lässt man sich durch die Eltern nicht einfach so hindern.

Das Gespräch führte Katja Kraft.

Justin Biebers Eskapaden

JANUAR 2014: Bieber liefert sich mit einem Bekannten ein illegales Autorennen unter Drogeneinfluss und ohne gültigen Führerschein. Außerdem wirft er Eier auf das Haus seines Nachbarn. Die Polizei entdeckt in Biebers Haus offen herumliegende Drogen. Erst heißt es, Kokain – später ist die Rede von Ecstasy. Die Drogen sollen jedoch nicht Bieber, sondern einem befreundeten Rapper gehört haben.

DEZEMBER 2013: Im Streit soll Justin Bieber den Fahrer einer Limousine geschlagen haben.

NOVEMBER 2013: Als ihm in Rio de Janeiro nicht erlaubt wird, Prostituierte mit auf sein Hotelzimmer zu nehmen, verwüstet er seine Suite und hinterlässt einen Schaden von rund 4400 Euro. Auch in Buenos Aires wird er wegen Vandalismus aus einem Hotel geworfen.

APRIL 2013: Ins Gästebuch im Anne-Frank-Haus in Amsterdam trägt er ein:„Wirklich inspirierend, hierherzukommen. Anne war ein tolles Mädchen. Hoffentlich wäre sie ein Bieber-Fan gewesen.“

MÄRZ 2013: Biebers „Haustier“, ein Kapuzineraffe namens „Mally“ bleibt im deutschen Zoll hängen. Bieber scheint das nicht zu stören – „Mally“ wurde nicht wieder abgeholt. Das Tier lebt jetzt in einem Wildpark in Niedersachsen.

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