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Justin Bieber brachte die Münchner Fans zum Kreischen wie es zuletzt nur die Beatles schafften

Kritik zum Konzert in München

Justin Bieber: Größter Kreisch seit den Beatles

München - Justin Bieber hat die Teenies in der Münchner Olympiahalle so zum Kreischen gebracht, wie zuletzt die Beatles 1966. Und doch war nicht alles gold, was glänzte. Die Kritik: 

Herzschmerz auf der Bühne: Justin Bieber singt in der Olympiahalle

Er kam vom Himmel. Und er brachte die Irdischen um den Verstand. Justin Bieber, der weltweit in Mädchenkinderzimmern das olle Pony als Postermotiv abgelöst hat, schwebte in München vor 11.000 „Beliebern“ als Engel mit silbernen Glitzerflügeln von der Hallendecke. Olympiahalleluja, es gibt ihn wirklich! Totumfall! Er ist wunderschön! Und so lieb! Das Mensch gewordene Pony sorgte mit seinem bombastischen Biebervision Song Contest für Münchens größten Kreisch seit den Beatles 1966. Nur: ER ist John, Paul, George und Ringo in einer Person! He loves you, yeah yeah yeah, oder er tut zumindest so! Girlies nicht am Rande des Nervenzusammenbruchs, sondern darüber hinaus. 104 Dezibel maß die Smartphone-Lärm-App, knapp unter Presslufthammer. Der Teenietus wirkte bis zum nächsten Morgen. Und der Zahnspangen-Zauber stand zu Recht unter dem Motto „Believe“. Wer nicht dabei war, der glaubt’s nicht.

Als handelsübliches Pop-Konzert, im Sinne von Musik, darf das Bieber-Fieber nicht betrachtet werden. Eher als Konzert 2.0, als live aufgeführter Hollywood-Blockbuster. Popcorn-Pop, YouTube in echt. Die ganze Bühne ein einziger Riesenbildschirm, der nette Bursch schmiegte sich in einer Unterwasser-Szenerie an den Titanic-Bug, jagte als James Bond Gangster – und hüpfte direkt aus dem Film als 00 Bieber wieder auf die Bühne. Irgendwas rummste, krachte, explodierte ständig. Konfettissimo! Und Justin, diesmal skandalfrei, aber mit der Hand ständig am Schritt (megakreisch!), zauberte wie David Popperfield. Zeitweise geriet das 90-minütige Augenfutter für die reizüberflutete Generation Bieber so opulent, dass man sich fragte: Sieht man auf der Bühne gerade eine Projektion – oder den echten Bieber? Und macht das überhaupt einen Unterschied?

Superstar Justin Bieber: Tourstart in München

Superstar Justin Bieber: Tourstart in München

Den Kiddies war’s einerlei. Aufgebrezelte 13-Jährige im Mini, zu jung für Heidi, aber alt genug für Justin, deckten sich vor der Sause mit Bieber-Lunchboxen für 20 Euro und Bieber-Collegejacken für 65 Euro ein. Der große Taschengeldraub, er funktioniert noch immer. Bis zu 177 Euro kostete die Karte für die Edel-Kaste von Fans, die direkt an der Bühne in den privilegierten „Golden Circle“ oder gar „Diamond Circle“ gepfercht wurden. Wobei: Von Pferchen war gar nicht so sehr die Rede. Das Management hatte überzogen, die Superteuer-Bereiche waren so leer, dass die Mädels von den billigen Arena-Plätzen vorgelassen wurden, um schmerzliche Lücken zu vermeiden.

Gesungen? Ja klar, hat der Kuschelkanadier auch. Das führte allerdings zum Phänomen, dass sich Augen und Ohren bei der Wahrnehmung des Rundumspektakels nicht restlos einig waren. Auge an Ohr: „Geil, oder?“ Ohr an Auge: „Bist du taub?“ Bis zu 11 Komponisten frickeln an so einem Bieber-Song herum, 22 Produzenten rührten das aktuelle Album „Believe“ an. Wahrhaftigkeit, großen Pop, kann da keiner erwarten. Die Biebermusik ist der Schmierstoff, der die Justin-Time-Produktion der Bieberindustrie am Laufen hält, mehr nicht. Immer wieder wird seine Stimme auch live durch die Autotune-Software zerhäckselt. Bei den donnernden Hiphop-Nummern geht er im Soundbrei unter. Und als sich Bieber bei „Believe“ an den weißen Flügel setzt und als Musiker inszeniert wird, passen seine Handbewegungen nicht zum Klaviersound, der zu hören ist. Aber egal. Der Zirkus war in der Stadt, und er unterhielt die „Belieber“ prächtig. Ein Pony wollen die Girlies zwar noch immer. Aber es soll Justin heißen.

Jörg Heinrich

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