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Der Münchner Kabarettist Christian Springer hat den Publizisten und ehemaligen CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer wegen dessen Interview mit dem syrischen Diktator Baschar al Assad scharf kritisiert.

Kabarett und Politik

"Da reiht sich Lüge an Lüge"

München - Der Münchner Kabarettist Christian Springer hat den Publizisten und ehemaligen CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer wegen dessen Interview mit dem syrischen Diktator Baschar al Assad scharf kritisiert.

In Todenhöfers Darstellung der Lage in dem arabischen Land reihe sich „Lüge an Lüge“, schrieb Springer in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung. Todenhöfer (71) hatte in der vergangenen Woche ein etwa zwanzigminütiges Interview mit Assad geführt, das am vergangenen Sonntag im ARD-„Weltspiegel“ ausgestrahlt wurde.

Springers Kritik bezieht sich vor allem auf einen Beitrag Todenhöfers in der „Bild“-Zeitung vom Montag. Darin hatte der Nahostexperte unter anderem geschrieben, aus den friedlichen Demonstrationen der ersten Monate gegen das Regime in Damaskus sei „längst ein Krieg staatlicher Sicherheitskräfte gegen schwer bewaffnete Rebellen geworden. Die friedlichen Demonstranten von einst sind an den Rand gedrängt.“ Dies sei falsch, so Springer. Tatsächlich habe das Land am vergangenen Freitag „die größte Demonstrationswelle seiner gesamten Geschichte“ erlebt – ohne Waffen.

Auch Todenhöfers Äußerung, für das Massaker von Hula seien Rebellen verantwortlich, entspreche nicht den Tatsachen. Dies sei die Version der syrischen Regierung. „Die Version der Opposition lautete genau anders herum“, so Springer. Falsch sei schließlich die Aussage, bei den von Assad eingesetzten Truppen handele es sich um „staatliche Sicherheitskräfte“. Tatsächlich kaufe Assad „aus Angst vor einheimischen Deserteuren Krieger im Iran und im Libanon und holt mordbereite Kriminelle aus den syrischen Gefängnissen“. Für einen Kopfschuss gebe es 50 Dollar.

Deutsche Buben wünschten sich, gegen Real Madrid zu spielen, Hobbyköche einen Kurs bei Johann Lafer, „und manche Journalisten wünschen sich eben ein Interview mit einem Diktator“, spottete der Kabarettist, der als „Fonsi“, fiktiver Kassenwart von Schloss Neuschwanstein, auf der Bühne steht. Seit einigen Monaten engagiert sich der gebürtige Münchner mit dem von ihm gegründeten Verein „Orienthilfe“ für syrische Flüchtlinge im Libanon und reist regelmäßig selbst in die Region.

Das Interview war auch ARD-intern auf Kritik gestoßen. So meinte Nahostkorrespondent Jörg Armbruster, es sei „ein Stück Zynismus“, dass man den syrischen Diktator so daherreden lasse. Demgegenüber verteidigte „Weltspiegel“-Moderatorin Ute Brucker die Initiative Todenhöfers. Es sei unrealistisch zu glauben, man könne Assad „in die Enge treiben oder ihm Geständnisse entlocken“. Trotzdem sei das Gespräch „interessant, weil wir uns ein besseres Bild von dem Menschen und seiner Persönlichkeit erhoffen“. Der verantwortliche Südwestrundfunk (SWR) ist mit der Sendung zufrieden. Da es für Journalisten derzeit keine Möglichkeiten gebe, ein Gespräch mit Assad zu führen, sei man auf Todenhöfers Angebot eingegangen, sagte Sprecher Wolfgang Utz der „taz“: „Die Alternative wäre gewesen, dass wir gar nichts haben."

Von Rudolf Ogiermann

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