Jörg Kachelmann und sein Anwalt Johann Schwenn.

Kachelmann-Prozess: Auf wen es jetzt ankommt

Mannheim - Der Kachelmann-Prozess geht in die Winterpause. Am 19. Januar soll es weitergehen. Einige Leute sind besonders wichtig im spektakulärsten Promi-Prozess des Jahres.

An 22 Tagen wurde vor dem Landgericht Mannheim gegen Jörg Kachelmann verhandelt. Wer spielt welche Rolle in Saal 1 des Gerichts und davor? Auf wen kommt es an? Ein Überblick. “Simone W.“: Ihr Anruf bei der Polizei setzte die Ermittlungsmaschine in Gang. Die ehemalige Geliebte Kachelmanns wird meist “Simone“ genannt. Am dritten Verhandlungstag wurde die Aufzeichnung des Notrufs vorgespielt: “Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll“, sagt sie dort. Der Polizeibeamte, der den Notruf entgegennimmt, fragt: “Von wem?“ Simone zögert. Dann sagt sie, vorsichtig: “Von meinem Freund.“

Da Kachelmann schweigt - was als Angeklagter sein gutes Recht ist - dreht sich der Prozess um die Aussage der 37-jährigen Radiomoderatorin. Vier Verhandlungstage lang wurde sie vor Gericht vernommen, insgesamt mehr als 20 Stunden. Die Öffentlichkeit war dabei ausgeschlossen. Über das, was im Gerichtssaal passierte, gibt es unterschiedliche Angaben. Kachelmanns damalige Verteidiger zeigten sich zufrieden, Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge nannte das “Wunschdenken“. Am dritten Tag ihrer Vernehmung hielt sie sich bei der Fahrt ins Gericht ein Buch vor den Kopf - als wollte sie der Welt den Titel zeigen. Er lautete: “Der Soziopath von nebenan“.

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Luise Greuel:
Die psychologische Sachverständige soll die Glaubhaftigkeit der Aussage beurteilen. In ihrem schriftlichen Gutachten kam sie zu einem offenen Ergebnis. Ein “etwaiger Erlebnisgehalt“ lasse sich nicht bestätigen. Kachelmanns früherer Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte das Gutachten stets als entlastend interpretiert. Der neue Verteidiger Johann Schwenn hingegen stellte einen Befangenheitsantrag gegen Greuel, weil sie auch zur Möglichkeit einer Traumatisierung der Frau Stellung nimmt. Es ist zu erwarten, dass die Einschätzungen der - insgesamt neun - medizinischen und psychologischen Gutachter eine wichtige Rolle für das Urteil spielen werden.

Lars-Torben Oltrogge: Der junge Staatsanwalt vertritt die Anklage - meist zusammen mit seinem Vorgesetzten Oskar Gattner, der ihm aber die Verhandlungsführung weitgehend überlässt. In kleineren Runden wirkt Oltrogge ruhig und reflektiert; im Gerichtssaal allerdings klingt er mitunter etwas schrill. Verteidiger Schwenn gelang es regelmäßig, Oltrogge zu provozieren. Am 20. Verhandlungstag wurde es dem beisitzenden Richter Joachim Bock zu viel. Er schrie den Staatsanwalt geradezu an: “Jetzt sind Sie mal still, Herr Oltrogge!“ Als Staatsanwalt ist Oltrogge gesetzlich verpflichtet, auch entlastende Indizien zu finden. Am 21. Verhandlungstag tat er genau das.

Bei der Vernehmung eines Sachverständigen ging es darum, inwieweit mögliche Spuren Kachelmanns am angeblichen Tatmesser beim Transport verloren gegangen sein könnten. Der Experte ging davon aus, dass das Messer in einer Plastiktüte verpackt wurde. Der entscheidende Hinweis kam nun von Oltrogge: Die Ermittler hatten das Messer in einer Spezialbox verpackt. Damit ist ein Spurenverlust unwahrscheinlich. Da am Messer keine eindeutigen Spuren von Kachelmann sind, entlastet das den Angeklagten.

Michael Seidling: Der Vorsitzende Richter der 5. Großen Strafkammer. Machte nicht immer den souveränsten Eindruck - etwa, als er sich zunächst kategorisch weigerte, “Simone W.“ über ein Zeugnisverweigerungsrecht zu belehren und es dann unter dem Eindruck eines Befangenheitsantrags doch tat.

Johann Schwenn: Der Hamburger Staranwalt löste den Kölner Reinhard Birkenstock überraschend als Verteidiger ab - und legte sich gleich mit allen Beteiligten an. Meist hanseatisch-ruhig im Ton, teilte Schwenn nach allen Seiten aus: Die Staatsanwälte bezeichnete er als “verdächtiger als Herr Kachelmann“. Die Richterin Daniela Bültmann ging er an, weil sie “geradezu schmerzverzerrt dreinblickt“. Und Pflichtverteidigerin Andrea Combé attestierte er, sie sei von seinem Vorgänger Birkenstock “faktisch entmündigt“ worden.

Schwenn versuchte, die zuvor oft ausgeschlossene Öffentlichkeit wieder mehr in das Verfahren zu holen. Gleichzeitig machte er die öffentliche Berichterstattung zum Thema des Verfahrens: Er warf den im Burda-Verlag erscheinenden Zeitschriften “Bunte“ und “Focus“ vor, sie würden Zeuginnen in ihren Aussagen beeinflussen und eine Kampagne gegen Kachelmann fahren. Vor Gericht beantragte er, die Redaktionsräume durchsuchen zu lassen. Die Strafkammer reagierte auf Schwenns Art eher hilflos. Am 19. Verhandlungstag protestierte der Vorsitzende Richter Seidling: “Ich möchte mir nicht die Prozessführung aus der Hand nehmen lassen!“

Jörg Kachelmann: Er sieht inzwischen wieder ein bisschen erholter aus, doch um seine Mundwinkel haben sich Falten eingegraben. Manchmal scherzt er ein wenig mit den Wachleuten. Doch in der Verhandlung sagte er bisher kein Wort zum Tatvorwurf.

dpa

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