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Karlheinz Böhm (84) leidet laut seinem Sohn Michael an Alzheimer.

Offene Worte von Sohn Michael

Karlheinz Böhm (84) hat Alzheimer

München: Diagnose Alzheimer: Der Schauspieler und Gründer der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", Karlheinz Böhm (84), leidet laut Sohn Michael an der Nervenkrankheit.

"Mein Vater hat schweren Alzheimer", sagte Karlheinz Böhms Sohn Michael (52) im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse.

Böhms Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" hatte zuletzt negative Schlagzeilen gemacht. Der deutsche Unternehmer und Spender Jürgen Wagentrotz (68) wirft der Organisation und vor allem der Vorsitzenden Almaz Böhm (48) Verschwendung und Bilanzfälschung vor. Um das Vertrauen der Spender nicht zu verlieren und den guten Ruf der Organisation zu schützen, trat der Sohn deshalb jetzt mit der Krankheit seines Vaters in die Öffentlichkeit.

Gerade in der momentanen Situation ist Michael Böhm Offenheit wichtig: "Mein Vater hätte das so nicht gewollt, weil es Auswirkungen auf die Arbeit der Stiftung und damit auf die Menschen in Äthiopien hat." sagte er der Passauer Neuen Presse.

Offenheit nach negativen Schlagzeilen

Er handelt mit dieser Erklärung entgegen dem Willen seiner Stiefmutter Almaz Böhm: "Er hat mich gebeten, wenn er nicht mehr so sein sollte, wie wir ihn in Erinnerung haben, dann solle ich ihn vor der Öffentlichkeit schützen", erklärte die vierte Frau des Schauspielers Ö24, dem online-Portal der Tageszeitung Österreich."Das habe ich ihm versprochen und daran halte ich mich."

Offiziell hatte es darum bis jetzt geheißen, Böhm machten mit zunehmendem Alter die Folgen eines schweren Autounfalls 2007immer mehr zu schaffen: Sein Chauffeur war damals frontal mit einem anderen Auto zusammengestoßen - der Schauspieler wurde dabei schwer verletzt.

Vertrauen und Transparenz an zentraler Stelle

Vertrauen und Transparenz stehen auch auf der Homepage der Hilfsorganisation an zentraler Stelle: Sie trägt seit 2001 das österreichische Spendengütesiegel.

Im November 1981 gründete Böhm in Deutschland "Menschen für Menschen", um die Armut in Äthiopien zu bekämpfen. Nach 30 Jahren übergab er im November 2011 den Vorstand seiner Frau, er selbst wurde Ehrenvorsitzender der Hilfsorganisation. 2011 stand er zum letzten Mal in der Öffentlichkeit.

Der Schauspieler spielte in knapp 50 Filmen mit - bekannt wurde er in den 50er-Jahren durch seine Rolle als Kaiser Franz neben Romy Schneider in der Sissi-Trilogie.

tp

„Ein Wundermittel ist leider nicht in Sicht“

Albtraum Alzheimer. Die Killer-Krankheit, die schleichend und schmerzlos das Gehirn zerstört – die Erwachsene früher oder später auf das geistige Niveau von Kleinkindern schrumpfen lässt. Allein in Deutschland leiden mehr als eine Million Menschen daran, jährlich kommen rund 200 000 neue Patienten dazu. Und das Bitterste an der Entwicklung: Nach wie vor steht die Medizin Alzheimer weitgehend machtlos gegenüber.

Die Ärzte können zwar die Symptome lindern, den Verlauf der Krankheit aber nicht stoppen und sie schon gar nicht heilen. „Ein Wundermittel ist leider nicht in Sicht“, sagt der Alzheimer-Experte Professor Stefan Teipel von der Uniklinik Rostock der tz.

Dabei pumpt die Pharmaindustrie immer mehr Geld in Studien, Testreihen und Laborexperimente: „Es hat noch nie so viel Aktivität auf dem Gebiet der Alzheimer-Forschung gegeben wie derzeit“, weiß Professor Alexander Kurz vom Klinikum rechts der Isar, „weil die großen Firmen ein Riesengeschäft wittern.“

Wann der Goldesel endlich geboren wird, sprich ein wirksames Medikament auf den Markt kommt, ist allerdings „wirklich nicht absehbar“, bestätigt der Biochemiker Professor Christian Haass von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Das große Problem: Bis die Patienten überhaupt merken, dass sie an Alzheimer erkrankt sein könnten, ist ein erheblicher Teil der Nervenzellen in ihrem Gehirn bereits unwiederbringlich zerstört. „Die Krankheit wird teilweise bereits 20 Jahre oder noch länger, bevor die ersten Symptome auftreten, im Gehirn angelegt“, erläutert Haass.

Ein vielbeachteter Forschungsansatz ist der Versuch, einen Impfstoff gegen Alzheimer zu entwickeln. Er basiert auf der These, dass Eiweißablagerungen im Gehirn einen erheblichen Anteil an der Entstehung der Krankheit haben. Die Annahme: Schädliche Eiweißteilchen verklumpen zu Plaques, tragen dadurch zur Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn bei. Diesen Prozess wollen die Wissenschaftler mit verschiedenen Substanzen unterbrechen. „Die Idee ist, einen erheblichen Teil dieser sogenannten Beta-Amyloide aus dem Gehirn zu entfernen. Wenn das gelingt, so glaubt man, dann kann man den Verlauf der Krankheit beeinflussen“, erklärt Professor Kurz.

Erste Studienergebnisse bestärken die Wissenschaftler in ihrer Annahme, dass sie mit dieser Immunisierungs-Strategie in die richtige Richtung forschen. Der Weg bis zur Zulassung eines wirksamen Medikaments scheint aber noch weit zu sein. Er führt über klinische Studien und über die Frage, mit welchen Nebenwirkungen die Patienten rechnen müssten. Doch die Zeit drängt. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Alzheimer-Patienten in Deutschland bereits 2030 verdoppelt haben wird. Wann kann man ihnen endlich helfen?

Andreas Beez

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