Kate Middleton: "Prinzessin des Volkes" oder Shopping-Girl?

- London - Ihr Foto lächelt den Passanten von den Londoner Zeitungskiosken schon lange entgegen: Kate Middleton, Tochter aus bürgerlichem Hause, ziemlich hübsch und nächste Woche 25 Jahre alt.

Aber bislang war die Dauerfreundin von Prinz William vor allem ein Thema für die bunten Blätter. Jetzt hat sie es erstmals auf den Titel eines hochseriösen Nachrichtenmagazins geschafft. Der "Spectator", gegründet 1828, erklärte sie soeben zur kommenden "People's Princess" ("Prinzessin des Volkes") und erhob sie damit quasi zur Nachfolgerin von Diana. Dazu gab es ein Foto mit Hut.

Der "Spectator"-Titel ist nur der jüngste Beweis dafür, welch hohen Stellenwert die Langzeitfreundin des 24-jährigen Thronfolgers in der britischen Gesellschaft inzwischen hat. Nicht wenige erwarten, dass irgendwann in den kommenden Monaten die Verlobung bekannt gegeben wird. Wer heute bei den Buchmachern auf eine Hochzeit noch in diesem Jahr wettet, bekommt gerade noch den doppelten Einsatz zurück. Zum Vergleich: Bei einer Hochzeit von Prinz Harry mit seiner Freundin Chelsy Davy gibt es das Fünfundzwanzigfache.

Die "Times" machte sich in ihrem Ausblick auf 2007 sogar schon ein Vergnügen daraus vorherzusagen, wann und wo William um die Hand der studierten Kunstgeschichtlerin anhalten wird - am 1. Juli, beim Erinnerungskonzert für seine tödlich verunglückte Mutter im neuen Wembley-Stadion. Ernst gemeint war das natürlich nicht. Aber noch so ein Indiz dafür, wie groß das Interesse an Kate - oder Catherine, wie sie neuerdings lieber genannt werden will - Middleton inzwischen ist.

Dabei ist die mögliche Gattin ihres künftigen Königs trotz der vielen Schlagzeilen für die meisten Briten noch ein ziemlich unbekanntes Wesen. Die Zeitschrift "Tatler" trug soeben "25 Dinge, die sie über Kate Middleton noch nicht wussten" zusammen - beispielsweise, dass ihr zweiter Vorname Catherine lautet, dass sie am liebsten "Jack Daniel's" trinkt und die Eltern Michael und Caroline Middleton früher Flugbegleiter waren. Viel war das nicht.

Der ehemalige Privatsekretär von Prinzessin Diana, Patrick Jephson, meint, dass der sparsame Fluss an Informationen über Kate Middleton aus dem Königshaus gesteuert wird. "Wir wissen sehr wenig über sie und werden wahrscheinlich auch künftig sehr wenig über sie wissen. Historisch gesehen war für Königshäuser ein bestimmtes Maß an Geheimnissen von Vorteil." Offizielles gibt es über Miss Middleton nur häppchenweise - beispielsweise die Einladung, Weihnachten im Kreis der Königsfamilie im Palast von Sandringham zu verbringen.

Jedoch ist ungewiss, ob sich die Zurückhaltung angesichts des enorm steigenden Interesses durchhalten lässt. Längst haben die Blätter mit der Prüfung begonnen, ob die 24-Jährige für einen Top Job im Königshaus geeignet ist. Die "Daily Mail" zum Beispiel beschäftigte sich mit dem so genannten WAG-Faktor - der Frage, ob Kate Middleton nicht Gefahr laufe, zu einem professionellen Shopping-Girl wie die Frauen und Freundinnen (Wives and Girlfriends, WAG) der englischen Fußballstars zu verkommen.

In der Tat ist bislang nicht so recht klar, was Middleton - abgesehen vom komfortablen Dasein als Williams Freundin - im Leben so macht. Der Kunstgeschichte-Abschluss an der schottischen Universität St. Andrews, wo sich die beiden 2002 kennen gelernt hatten, liegt inzwischen schon anderthalb Jahre zurück. Immerhin ist sie seit kurzem vier Tage die Woche als Einkäuferin bei der großen britischen Textilhauskette Jigsaw tätig - zuständig für Socken, Strumpfhosen und Haarspangen.

Der neue Job hinderte sie aber nicht daran, über Weihnachten und Neujahr drei Wochen in Urlaub zu gehen. Kurz zuvor erlaubten sich die neuen Kollegen noch einen kleinen Scherz, indem sie auf ihrem Schreibtisch eine 20-Pfund-Note drapierten, auf der das Angesicht der Queen schon einmal mit einem Foto von Kate überklebt war. Die mögliche Bald-Prinzessin soll "very amused" gewesen sein.

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