Der König des Massengeschmacks

- München - Er ist ein Star - und dabei doch immer ein "Antityp" geblieben, ein kalter Exekutor des mehrheitsfähigen Gags, ein vielsagend lächelnder Zyniker, der sich im Augenblick der größten Triumphe vor allem über das Talent zu freuen schien, sein Publikum ein wenig getäuscht zu haben. Keine Hexerei - angeblich.

<P>Erfolgreich Fernsehen zu machen sei vor allem harte Arbeit, hat Rudi Carrell immer betont, und hart gearbeitet hat der Showmaster sein Leben lang. Kein Wunder, dass er, so hat er angekündigt, auch seinen 70. Geburtstag an diesem Sonntag im Studio verbringen will.<BR><BR>Das Gefühl für Ideen und eine Lehre von der Pike auf</P><P>Zwar hat sich Carrell, der - inzwischen zum dritten Mal verheiratet - in Syke bei Bremen lebt, vor zwei Jahren vom Bildschirm verabschiedet, doch hinter den Kulissen bereitet er eine neue Show vor, "ein Wahnsinnskonzept", wie er in einem Interview schwärmte.<BR><BR>Ein Gefühl dafür, welche Idee im deutschen Fernsehen gerade besonders viel Quote verspricht, und eine Lehre "von der Pike auf" sind vielleicht das Geheimnis des hageren Mannes mit den weißen Haaren, der eigentlich Rudolf Wijbrand Kesselaar heißt und aus dem niederländischen Alkmaar stammt. Mit 18 Jahren und ohne Schulabschluss erklomm Carrell die Bühne - als Vertretung für seinen Vater. Der Beginn einer steilen Karriere, die den zunächst über die Dörfer tingelnden Entertainer, Zauberkünstler, Bauchredner und Puppenspieler schon nach wenigen Jahren ins Fernsehen führte.<BR><BR>Der Gewinn der "Goldenen Rose" beim Festival in Montreux ließ auch die Programmmacher in Deutschland auf ihn aufmerksam werden. Im Jahr 1965 debütierte Carrell mit der Show, die seinen Namen trug, im Ersten - seitdem gehört der Mann mit dem sorgsam kultivierten niederländischen Akzent zu den wenigen ganz Großen im Showbusiness. Mit sicherem Instinkt für den Massengeschmack lieferte Carrell seinem damaligen Haussender ein Erfolgsformat nach dem anderen. Mit "Am laufenden Band" (1974-1979) erzielte er Spitzenquoten, die über den Werten von zeitgenössischen Klassikern wie "Dalli Dalli" und "Der große Preis" lagen.<BR><BR>Mit "Rudis Tagesshow" (1981-1987), einer durch Sketche angereicherten Parodie der altehrwürdigen "Tagesschau", begründete er früh den Boom der Ulk-Nachrichten, von dem die Privatsender bis heute profitieren. Für diplomatische Verwicklungen sorgte allerdings im Jahr 1987 eine filmische Collage, die den damaligen iranischen Staatschef Ayatollah Khomeini mit Damenunterwäsche in Verbindung brachte. Nach scharfen Protesten entschuldigte sich Carrell "beim iranischen Volk".<BR><BR>Auch die Kuppelsendung "Herzblatt" (seit 1987), konzipiert nach britischem Vorbild, erwies sich als Dauerbrenner, der - inzwischen mit dem sechsten Moderator - bis heute im Programm ist. Zwischen 1988 und 1993 kehrte Carrell mit einer eigenen Show, in der er vermeintlich unerfüllbare Wünsche erfüllte, zur großen Samstagabendunterhaltung zurück. Die kalkulierte Emotion hielt Einzug im TV - nur der Erfinder des Konzeptes blieb stets kühl.<BR><BR>Zu großen Emotionen in eigener Sache hatte Carrell nach seinem Wechsel zu RTL im Jahr 1993 zunächst keinen Anlass. Reihen wie "Die Post geht ab" und "Rudis Urlaubsshow" floppten - und nahmen dem Showdino für einige Zeit die Aura des notorischen Siegers. Erst mit seinem Wochenrückblick "7 Tage, 7 Köpfe" (seit 1996), einer Mischung aus Satire und mehr oder weniger niveauvollen Witzen, eroberte sich Carrell die Gunst des Publikums zurück.<BR><BR>Nichts gegen Scherze auf eigene Kosten zu haben, gehört für Carrell - den Kollegin Gabi Köster zärtlich-frech "mein Silberpüdelchen" nennen darf - zum Image. Umso genüsslicher pflegt der Kettenraucher selbst das Ritual der Häme gegenüber Kollegen. So sorgte er zuletzt im Frühjahr mit seiner Prognose für Schlagzeilen, Anke Engelke werde als Nachfolgerin Harald Schmidts scheitern. Ganz grundsätzlich moniert der gefürchtete Perfektionist gern die mangelnde Professionalität vieler junger Kollegen: "Die meisten Moderatoren verdienen zehnmal mehr als ich früher, identifizieren sich aber nicht mit ihrem Job."<BR><BR>Doch auch solche Sätze scheinen mehr dem eigenen Ruf geschuldet als dass sie von Herzen kommen. Er wisse doch, was Journalisten von ihm hören wollen, sagt er dann.<BR><BR>Und lächelt vielsagend.</P>

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