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Königin Silvia hat Ärger wegen der angeblichen Nazi-Vergangenheit ihres Vaters.

Königin Silvia wehrt sich gegen Nazi-Vergleich

Stockholm - Die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters macht Königin Silvia schon länger zu schaffen. Nun wird ihre Verteidigung des Vaters sogar mit der Argumentation des berüchtigten SS-Offiziers Eichmann verglichen.

Das neue Jahr begann für Königin Silvia genauso hart, wie das letzte endete. Dass Aussagen zur Verteidigung ihres deutschen Vaters mit denen des SS-Offiziers Adolf Eichmann verglichen wurden, hat die gebürtige Heidelbergerin ins Mark getroffen. “Die Königin reagiert sehr stark darauf, dass sie in einem Atemzug mit einem der schlimmsten Schlächter beim Holocaust genannt wird“, sagte Hofsprecher Bertil Ternert der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag in Stockholm. Ternert bestätigte, dass die Königin dies auch selbst in einem privaten Weihnachtsgruß an den Chef des Senders TV4, Jan Scherman, zum Ausdruck gebracht hatte: “Es ist nicht leicht zu schlucken, wenn man auf eine Stufe mit Adolf Eichmann gestellt wird“, schrieb sie.

Der angebliche Vergleich Silvias mit dem 1962 hingerichteten Eichmann war Ende des Jahres begleitend zu einem TV4-Film gefallen. Darin wurde über die Nazi-Vergangenheit von Silvias Vater Walther Sommerlath berichtet. Redakteure der Serie “Kalla fakta“ (“Kalte Fakten“) berichteten, dass Sommerlath 1939 den “arisierten“ Berliner Metall-Betrieb des verfolgten Juden Efim Wechsler übernommen und im Krieg für die deutsche Wehrmacht produziert habe. Mehrere Monate vor der Ausstrahlung der Dokumentation hatte die 67-jährige Silvia in einem Interview den Beitritt ihres Vaters zur Nazi-Partei 1934 - als Auslandsdeutscher in Brasilien - sowie seine späteren Geschäftsaktivitäten im Krieg verteidigt: “Es war doch eine Maschinerie, oder wie? Er war ja nicht politisch aktiv oder Soldat. (...) Wenn man sich dagegen stellte, war man ja gegen die ganze Maschinerie.“ Diese Äußerung brachte der Königin viel Kritik in Schweden ein. TV4 ließ dazu Ende November den deutschen Publizisten Rafael Seligmann zu Wort kommen: “Wenn eine schwedische Königin im Jahr 2010 ein Argument benutzt, wie das auch Adolf Eichmann vor 49 Jahren im Gerichtssaal in Israel getan hat, ist das jämmerlich.“ Ausdrücklich erklärte Seligmann: “Ich vergleiche sie um Gottes Willen nicht mit Eichmann, auch nicht ihren Vater.“ Aber als Ehefrau eines Staatsoberhauptes und damit öffentliche Person müsse Silvia schon ein “historisches Verständnis“ haben und sich überlegen, wie sie argumentiere.

Traumhochzeit im schwedischen Königshaus

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Kritisch reagierte auch der von Silvia mit einem privaten Weihnachtsgruß bedachte TV-Chef Scherman: “Wir wissen nicht, ob die Königin absichtlich (über ihren Vater) Irreführendes gesagt und dabei bewusst gelogen hat. Oder ob sie selbst ahnungslos war und diese Version von ihrem Vater vorgespiegelt bekommen hat.“ Als Scherman dies am Silvestertag in “Aftonbladet“ schrieb und dabei von dem ohne Absender privat an ihn geschickten Brief der Königin berichtete, hielten sich die Reaktionen in Grenzen. Ein paar kritische Zeitungskommentare hat es seitdem gegeben, aber bei weitem nicht dieselbe Aufregung wie im Spätherbst um Silvias Ehemann Carl Gustaf (64). Er war wegen angeblicher “Herrenabende“ in zwielichtigen Nachtclubs sowie einer angeblichen Affäre mit einer Popsängerin in die Schlagzeilen geraten. “Wir haben am Hof einige hundert Mails bekommen, die alle positiv für die Königin waren. Die Leute schrieben, dass man doch die Kinder nicht für ihre Eltern verantwortlich machen kann“, berichtete Hofsprecher Ternert jetzt.

dpa

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