Königlicher Nachwuchs in Spanien stellt Politiker vor Dilemma

- Madrid - Mit "großer Freude" hat das spanische Königshaus bekannt gegeben, dass Kronprinz Felipe (38) und Prinzessin Letizia (34) im Mai 2007 ihr zweites Kind erwarten. Die Frau des Thronfolgers dürfte ganz besonderen Grund zur Freude haben: Die Nachricht von ihrer Schwangerschaft wird die - in Blättern der Regenbogenpresse - zirkulierenden Gerüchte über eine angebliche Magersucht der Prinzessin zum Verstummen bringen.

So war es schon vor einem Jahr gewesen. Auch damals war darüber spekuliert worden, Doña Letizia leide an Ernährungsstörungen. Der Pressechef des Königshauses dementierte die Gerüchte in einem Leserbrief an eine Zeitung. Diesmal verzichtete der Palast auf ein Dementi, obwohl einzelne Blätter behauptet hatten, die Prinzessin befinde sich wegen Magersucht in Behandlung. Eine spanische Zeitung hatte ausgerechnet, die Frau des Thronfolgers hätte als Model nicht auf der Madrider Modeschau treten können, weil sie zu dünn sei.

"Die Bekanntgabe der Schwangerschaft wird der Flut von Gerüchten, die für die Prinzessin so unangenehm sind, ein Ende machen", schreibt die Zeitung "ABC" am Dienstag. Bei den Politikern dagegen löste die Nachricht vom Nachwuchs im Königshaus nicht nur Freude aus, denn sie fachte die Debatte über die Regelung der Thronfolge neu an. In Spanien haben - obwohl die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Verfassung festgeschrieben ist - männliche Thronerben Vorrang vor weiblichen.

Alle Parteien sind sich einig, dass dies geändert werden muss. Aber sie konnten sich bislang nicht zu einer Verfassungsänderung durchringen, weil die Prozedur sehr kompliziert ist. Es wagt sich auch niemand daran, das Verfahren in Gang zu bringen. Derzeit steht Felipes und Letizias Tochter Leonor nach ihrem Vater auf dem zweiten Rang der Thronfolge. Die vor knapp einem Jahr geborene Infantin müsste diesen Platz - zumindest vorerst - räumen, wenn das im Mai erwartete Kind ein Junge wird.

Bis zur Geburt des zweiten Kindes wird es nicht mehr gelingen, die Verfassung zu ändern. Rechtsexperten wiesen darauf hin, dass kein Grund zur Eile besteht, weil die Thronfolge auch später noch reformiert werden könne. Die Zeitung "El Mundo" beschwört dagegen die Gefahr eines neuen "Erbfolgekriegs": "Spanien könnte eines der finstersten Kapitel seiner Geschichte wiederholen und sich um den einen und den anderen Thronanwärter in zwei Lager spalten."

Ein Karikaturist lässt König Juan Carlos die bange Frage stellen: "Was geschieht nur, wenn das Kind ein Junge wird, wie in Japan?" Daneben sieht man auf einer zweiten Zeichnung wie Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero Harakiri begeht.

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