Koizumi rudert zurück

- Tokio - Die japanische Regierung will angeblich vorerst doch keine Frauen auf dem kaiserlichen Thron erlauben. Nach Bekanntwerden der Schwangerschaft von Prinzessin Kiko (39) deutete Ministerpräsident Junichiro Koizumi am Freitag laut Medienberichten an, dass er seinen Plan fallen gelassen hat, in der noch bis zum 18. Juni laufenden Parlamentsperiode ein Gesetz zur Einführung der weiblichen Thronfolge einzureichen. Es hatte zuletzt zunehmend Forderungen aus dem Koalitionslager gegeben, die Diskussion um eine Änderung des Thronfolgegesetzes zumindest einstweilen zu beenden.

Sollte Prinzessin Kiko, die Ehefrau von Kaiser Akihitos zweitem Sohn, Prinz Akishino, noch einen Jungen gebären, wäre die kaiserliche Linie auch ohne eine Gesetzesänderung gesichert. Seit 40 Jahren ist in die Familie des japanischen Kaisers kein Sohn mehr geboren worden. Bringt Prinzessin Kiko voraussichtlich gegen Ende September tatsächlich einen Jungen zur Welt, stünde er an dritter Stelle in der Thronfolge nach seinem Onkel, Kronprinz Naruhito, und seinem Vater. Prinzessin Kiko hat bereits zwei 14 und 11 Jahre alte Töchter.

Auf die Frage, ob er an seinem Plan festhalte, dem Parlament noch in dieser Sitzungsperiode einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Thronfolgegesetzes vorzulegen, sagte Koizumi laut Medienberichten: "Wir können eine Entscheidung treffen nach genauer Prüfung" der Überlegungen innerhalb seiner Regierungspartei LDP. Dies wurde als Hinweis gedeutet, dass mit einer Einführung der weiblichen Thronfolge in Koizumis Regierungszeit nicht mehr zu rechnen sein dürfte. Koizumi will in diesem September als LDP-Partei- und Regierungschef aufhören.

Dabei hatte ein Beratergremium der Regierung von Koizumi erst Ende vergangenen Jahres eine Änderung des Thronfolgegesetzes empfohlen, um eine Nachfolgekrise in der ältesten Monarchie der Welt zu verhindern. Denn Kronprinzessin Masakos einziges Kind, Prinzessin Aiko (4), darf nach dem jetzigen Gesetz wegen ihres Geschlechts nicht auf den Thron.

Koizumi schien eine Gesetzesänderung in dieser Parlamentsperiode in Kraft setzen zu wollen. Doch nach Bekanntwerden von Prinzessin Kikos Schwangerschaft soll er seine Meinung wieder geändert haben. Sein Regierungssprecher Shinzo Abe, der als ein möglicher Nachfolger von Koizumi gilt, erklärte, ein "anderer und äußerst wichtiger Faktor" sei nach Koizumis Parlamentsrede vom Januar aufgetreten.

In der Rede hatte Koizumi noch wissen lassen, die Regierung werde die Gesetzesänderung einbringen. Doch die neuen Hoffnungen, dass Japan nach vier Jahrzehnten nun doch endlich noch einen männlichen Thronfolger bekommt, ermutigten konservative Kreise in ihrem Widerstand gegen eine Gesetzesänderung. Ein Gegenargument war, dass Prinzessin Aiko einen Ausländer heiraten und ihr Nachwuchs auf den Thron gelangen könnte. Um das zu verhindern, kursierte sogar der Vorschlag, Konkubinen wieder einzuführen. Dabei hat Umfragen zufolge eine Mehrheit der Bevölkerung nichts gegen eine Frau auf dem kaiserlichen Thron einzuwenden. Abzuwarten bleibt für Beobachter, wie Prinzessin Kikos Schwangerschaft die Position ihrer Schwägerin, Kronprinzessin Masako, am kaiserlichen Hofe beeinflussen wird.

Würde ein Kind von Prinz Akishino eines Tages Thronfolger in Japan werden, könnte das nach Ansicht mancher Beobachter für die ohnehin nervlich angeschlagene Kronprinzessin ein harter Schlag sein. Der jahrelang auf ihr lastende Druck, einen Thronfolger zu gebären, soll maßgeblich zu Ihrer Erkrankung beigetragen haben. Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen ihrem Mann und Prinz Akishino als gespannt gilt. So war Kronprinz Naruhito von seinem jüngeren Bruder öffentlich für Bemerkungen zum Zustand von Kronprinzessin Masako kritisiert worden. Naruhito hatte 2004 erklärt, seine Frau sei "völlig erschöpft" vom jahrelangen Versuch, sich der Tennofamilie anzupassen.

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