+
Kurz und knackig: So könnte man viele Hosen an heißen Sommertagen beschreiben. Die freizügige Kleidung ist Ausdruck eines neuen Körpergefühls. Foto: Britta Pedersen

Kulturforscher: Knappe Sommermode zeigt neues Körpergefühl

Kommt bald das Hotpants-Verbot an Schulen? Über die aktuelle Sommermode ist zuletzt viel diskutiert worden. Ein Kulturwissenschaftler sagt: Natürlich kleiden wir uns heute anders. Freizügige Modeausreißer habe es aber schon immer gegeben.

Mainz (dpa) - Hotpants, Minirock, rücken- oder bauchfrei - die aktuelle Sommermode stößt manchen sauer auf. So auch kürzlich einer Schulleiterin in Baden-Württemberg, die freizügige Kleidung verboten hat. Die aktuelle Modeerscheinung ist Ausdruck eines neuen Körpergefühls.

Die in diesem Sommer schon oft gesichteten knappen Shorts und luftigen Oberteile sind nach Einschätzung eines Kulturwissenschaftlers auch Ausdruck eines historischen Wandels. "Dass wir heute viel mehr Haut sehen, hat mit einem neuen Körperbewusstsein zu tun. Es ist dadurch gekennzeichnet, dass wir unseren Körper gar nicht mehr so brauchen wie früher", sagte der Mainzer Kulturanthropologe Michael Simon der Deutschen Presse-Agentur.

Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten würden viele Menschen ihr Geld mittlerweile ohne körperliche Arbeit verdienen - und der Körper erhalte mehr Bedeutung für die Freizeit und die Repräsentation. "Ein fitter, durchtrainierter, gebräunter Körper symbolisiert den Erfolg in dieser Gesellschaft", sagte Simon.

Generell spiele der Wunsch, möglichst individuell aufzutreten, heute eine viel größere Rolle. In der früheren Ständegesellschaft habe es mitunter strikte Kleiderordnungen gegeben, die zum Teil sogar polizeilich überwacht wurden, sagte Simon. Die unterschiedlichen sozialen Gruppen waren damit auch an ihrer Kleidung deutlich zu erkennen.

Vertreter früherer Jahrhunderte würden sich beim Anblick heutiger Sommeroutfits vermutlich beschämt abwenden. "Der heutige Kleidungsstil im Sommer würde wohl die Schamgrenzen früherer Zeiten verletzen", sagte Simon. "Obwohl das auch früher Schwankungen unterworfen war."

Am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert sei etwa das sogenannte Chemisen-Kleid in Mode gekommen. "Damit könnte man heute auch auf einer Erotikmesse auftreten", sagte Simon über die recht luftige Art dieses Kleidungsstücks. Jede Generation handele neu aus, was als nackt empfunden werde und was nicht. "20 oder 30 Jahre später konnte man sich nicht mehr vorstellen, dass Frauen so rumlaufen."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kit Harington und Rose Leslie heiraten
Sie hatten sich beim Dreh von "Game of Thrones" kennengelernt. Dort verliebten sich Kit Harington und Rose Leslie ineinander. Jetzt wird geheiratet - im Familienschloss …
Kit Harington und Rose Leslie heiraten
Unterhalten mit Relevanz: Grimme Online Award verliehen
Beim Grimme Online Award - einer Art Internet-Oscar - zeigt sich, dass die ganz großen neuen Trends im Netz noch auf sich warten lassen. In diesem Jahr heimsen Angebote …
Unterhalten mit Relevanz: Grimme Online Award verliehen
Beckers Diplomatenpass: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft
Hat Boris Becker einen Diplomatenpass oder nicht? Nun ermittelt wohl die zentralafrikanische Staatsanwaltschaft.
Beckers Diplomatenpass: Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft
Schon wieder ein neues Elvis-Album - diesmal mit seiner Tochter
Elvis Presley bringt ein neues Album auf dem Markt – Duette mit seiner Tochter.
Schon wieder ein neues Elvis-Album - diesmal mit seiner Tochter

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.