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Lady Gaga bei ihrem frühmorgendlichen Konzert (27. Mai) im New Yorker Central Park.

Lady Gagas zweites Album: Auf jeden Fall Autoscooter-tauglich

New York - Mit seinem zweiten Album "Born this way" liefert der Megastar zwar keine Superhit-verdächtigen Songs. Aber die 17 neuen Titel von Lady Gaga haben alle das Zeug dazu, die Stimmung nicht nur im Autoscooter anzuheizen.

Im Rockmuseum auf dem Münchner Olympiaturm hängt eine Zeitungskritik aus dem Jahr 1967, die das frisch gepresste Beatles-Album „Sgt. Pepper“ als reichlich maues Machwerk zerpflückt. Was zeigt: Große Kunst wird bisweilen schmählich verkannt. Wer zu früh schreibt, den bestraft das Leben. Bei „Born This Way“, dem zweiten Album von Lady Gaga, das vergangene Woche über die Welt kam, ersehnt wie die Auferstehung von Elvis, erscheint diese Gefahr aber überschaubar.

Lady Gaga: sexy und verrucht

Lady Gaga: sexy und verrucht

Denn neue atemberaubend funkelnde Pop-Preziosen wie „Paparazzi“ oder „Poker Face“, seit 2008 völlig zu Recht die heilige Zweifaltigkeit der Tanzflächen, sind der 25-Jährigen nicht eingefallen. Punkt. Und das, obwohl sie es (viel zu üppige) 17 Songs lang versucht. Am Aufwand fehlt’s nicht. Es zischt und kracht und dampft und faucht und macht kraftvoll Uffta-Uffta. Auf der Wiesn 2011 wird kein Fahrgeschäft ohne Gaga-Mucke auskommen, denn fürs Autoscooterfahren durch die Nacht sind diese Stücke gezüchtet. Red Bull Wodka verleiht Flügel, und Lady Gaga liefert den Soundtrack zum Abheben und Elektropoppen. Niemand kann das besser als sie. Doch am Morgen danach droht Schädelweh.

Denn: Wo ist die Inspiration? Wo sind die wirklich hypnotischen Refrains? Wo die magischen Momente wie die Basslinie von „Billie Jean“, das Gitarrensolo von „Beat It“? Nicht auf dieser Platte, die nicht wirklich schlecht ist, aber mit zu vielen Selbstplagiaten zu oft nach schlimmen Fingern wie dem gefürchteten Mallorca-Beschaller David Guetta klingt. Wobei: Manche Songs, jawoll, sind auch großartig, wie die beschwipst torkelnde Mexiko-Operette „Americano“, die Gaga mit einem Sonnenstich vor einem Saloon in El Paso geschrieben haben muss. Oder wie das entspannte „Electric Chapel“ mit seinem Rock-Riff, in dem sie endlich nicht versucht, den nächsten Sangria-Refrain in die Welt zu setzen. Oder wie „Yoü And I“ (mit Motörhead-Umlaut), das mit Queen-Gitarrist Brian May an ein aufgebrezeltes Disco-Remake von „We Will Rock You“ erinnert. We will Gaga you!

Sie kann’s doch, die Lady. Doch es scheint beinahe, als hätte Rundum-Entertainerin Gaga beschlossen: Es braucht 2011 gar keine Mega-Songs mehr, um als Mega-Star die Popwelt zu regieren. Es reichen auch Radio Gaga, Radio Blabla. Wir hören uns in 44 Jahren - eher nicht.

Jörg Heinrich

Lady Gaga: „Born This Way“

(Interscope/Universal).

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