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Leonardo DiCaprio gibt den "Wolf of Wall Street".

Interview mit dem Filmstar

Impulsiv-Käufer DiCaprio: "Gier macht armselig"

Los Angeles - Von Jacken und Kunstwerken kriegt er nicht genug. In Leonardo DiCaprios neuem Film geht es um Gier. Wie der Hollywood-Millionär selbst mit diesem Thema umgeht, erzählt er im Interview. 

Wir sind New Yorker Hotel “London” zum Interview verabredet. Girls drängen sich freudig erregt vor dem Eingang. Ein typisches Empfangs-Komittee für Leonardo DiCaprio. “Ist er schon da?” Eine Teenie-Schönheit in schenkelhohen Stiefeln fragt verwirrt zurück: “Welcher er?” Na, Leo eben. “Leo wer?” Jetzt ist die Verwirrung gegenseitig. Es stellt sich heraus: Nicht DiCaprio gilt die Begeisterung, sondern den Boys von “One Dimension”, die in der Nobelherberge abgestiegen sind.

Dass er nicht mehr wie zu “Titanic”-Zeiten idolisiert wird, macht Leonardo nichts aus: “Ich war 14, als ich in den Teenie-Magazinen gestanden habe. Das habe ich sehr genossen. Heute reicht es mir, wenn die Fans meine Filme schätzen.”

Ihr 40. Geburtstag steht vor der Tür. Da fängt das an, was man Midlife nennt.

Leonardo DiCaprio: Hoffentlich ohne Midlife-Crisis. (lacht). Mal im Ernst, natürlich frage ich mich manchmal “Was ist aus diesem rotznäsigen 16-Jährigen geworden, der die Welt erobern wollte?” Die Antwort ist, dass ich mich nicht grundsatzlich verändert habe. Aber heutzutage weiß ich, dass es auch andere Dinge gibt, die einem am Herzen liegen können.

Zum Beispiel?

Leonardo DiCaprio : Meine Stiftung für die Erhaltung der Tiger. Nur noch 3000 leben in freier Wildbahn. Die werden von Wilderern wegen ihres Fells und ihrer Knochen gejagt. Die zermahlenen Knochen bringen in Asien als Potenzmittel ein Vermögen. Dabei sind Tigerknochen nichts anderes als Hundeknochen.

Zu einem anderen Wildtier: Ihr neuester Film heisst “The Wolf of Wallstreet” und gilt schon als Favorit für den Golden Globe und den Oscar. Sind Sie heiß auf einen Filmpreis oder lässt Sie das eher kalt?

Leonardo DiCaprio: Jeder der sagt, dass er auf diese Art Anerkennung keinen Wert legt, ist ein Lügner. Aber man hat keine Kontrolle darüber. Ich habe Filme gemacht, von denen ich glaubte, dass die Leute mit mehr Begeisterung reagieren würden. Und das genaue Gegenteil gab es auch schon.

“The Wolf of Wall Street” ist die wahre Geschichte eines Finanz-Gauners, der tagsüber Millionen machte und sie nachts mit Drogen und Sex verpulverte. Das war Anfang der 90er-Jahre, als Gier für geil gehalten wurde…

Leonardo DiCaprio: Das ist aber nicht an eine Zeitperiode gebunden. Gier ist Bestandteil des Lebens. Die Frage ist: Können wir Menschen uns über Gier hinwegsetzen und harmonisch nebeneinander existieren, ohne jemand anderen über den Tisch zu ziehen?

Gier ist, nie genug bekommen zu können. Noch ‘ne Million, mehr Autos, eine größere Yacht. Haben Sie schon mal über Ihr eigenes Verhältnis zum Reichtum nachgedacht?

Leonardo DiCaprio: Bis zu einem gewissen Grad will auch ich mehr Geld machen, aber am Ende des Tages darf man nicht zulassen, dass man davon besessen wird. Sonst kann das Leben ganz schön armselig werden.

Was ist das Teuerste, was Sie sich bisher von Ihrem Geld gekauft haben?

Leonardo DiCaprio: Ein Haus für meine Mutter. Und einen Warhol. Ich bin leidenschaftlicher Kunstsammler.

Sonst noch eine Versuchung, der Sie nicht widerstehen konnen?

Leonardo DiCaprio: Jacken. Heiße Autos turnen mich nicht an. Ein Privatflugzeug brauche ich auch nicht. Aber wenn ich eine Jacke sehe, die mir gefällt, muss ich sie haben. Selbst wenn schon etwas ähnliches bei mir im Schrank hängt. Was Frauen die Schuhe, sind für mich die Jacken.

Gehören Sie zu den Impulsiv-Käufern?

Leonardo DiCaprio: Und wie. Wenn nachts Werbung für Rückenkratzer oder Sonnenbrillen, mit denen man in der Dunkelheit sehen kann, im Fernsehen läuft, dann bestell ich mir solche verrückten Sachen.

Hat Ihre Rolle Ihnen die Augen über Wallstreet-Manipulation geoeffnet? 

Leonardo DiCaprio: Ja, aber ich gehöre ohnehin nicht zu den Leuten, die auf Aktien setzten. Alle 70, 80 Jahre bricht die Wirtschaft zusammen. Wenn ich investiere, dann in Kunst. (grinst) Das ist ein anderer Markt, auf dem manipuliert wird. Aber bisher bin ich damit gut gefahren.

Als Star ist man von vielen Ja-Sagern umgeben. Auf wen hört man?

Leonardo DiCaprio: In jüngeren Jahren gab es eine Zeit, wo ich glaubte, alles zu wissen. Gott sei Dank waren da ein paar Leute, die mich in Schach gehalten haben. Mir wurde klar, dass wir Schauspieler in einer imaginären Welt leben. Wir stellen etwas dar, aber die Gesellschaft verändern wir damit nicht.

In “Wolf of Wallstreet” wird am laufenden Band Kokain geschnupft. War das echt?

Leonardo DiCaprio: Nein, es war ein Vitamin-Pulver für Babys. Aber der B12-Strom in meinem Blut hat mich echt high gemacht.

Und dann waren da noch die Sex-Orgien.

Leonardo DiCaprio (grinst): Die zu drehen, war für mich das Schwerste im ganzen Film.

In Deutschland soll der Film am 16. Januar in die Kinos kommen.

D. Sindermann

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