Der letzte Vorhang fällt für Luciano Pavarotti

Rom/Modena - Letzte Ovationen für Big Luciano: Mit anhaltendem Applaus ist der italienische Startenor von der Bevölkerung seiner Heimatstadt Modena auf dem Weg zur Familiengruft begleitet worden.

Zehntausende bildeten bei strahlendem Sommerwetter nach der Trauerfeier im Dom ein Spalier für den weißen Sarg, um so Luciano Pavarotti die letzte Ehre zu erweisen. Bevor der Trauerzug die norditalienische Stadt durchquerte, malte die Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" die italienischen Nationalfarben in den Himmel.

"So wie einen König" habe Modena seinen berühmtesten Sohn gefeiert, hielten Kommentatoren fest. Unterdessen fragten sich viele, wo denn die ganz Großen der Opernwelt waren, um dem 71-jährig gestorbenen Belcanto-Weltstar in Modena "addio" zu sagen - besonders vermisst wurden die beiden Tenor-Kollegen José Carreras und Placido Domingo.

Pavarotti, der Jahrzehnte lang auf allen großen Bühnen der Welt gestanden hatte, war am Donnerstag an einem Krebsleiden gestorben. Mehr als 100 000 Menschen hatten ihm die letzte Ehre erwiesen und waren an dem offenen Sarg in der Kathedrale vorbei gezogen, in dem der Tote bekleidet mit einem schwarzen Smoking lag. In den Händen hielt er ein weißes Taschentuch, wie er es oft bei seinen Auftritten trug, und einen Rosenkranz. Die Trauerfeier selbst sei dann eher ein "Pop-Begräbnis" gewesen, ein letztes "Pavarotti & friends", meinte die römische "La Repubblica" am Sonntag, weil Bono und Zucchero herausstachen: "Die wahren Freunde waren da, und doch hätte der Maestro das so eigentlich nicht gewollt, Wehmut nervte ihn doch."

Während der Zeremonie, die vom Fernsehen in die ganze Welt übertragen wurde, war der Sarg geschlossen und mit Sonnenblumen und Rosen bedeckt. Neben Ministerpräsident Romano Prodi und mehreren Ministern waren vor allem Rockmusiker anwesend. Mit Bono von U2 war Pavarotti noch vor einigen Jahren zusammen aufgetreten. Auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan war anwesend. In der ersten Reihe saßen Pavarottis Ehefrau Nicoletta und seine Kinder, auch seine erste Ehefrau Adua Veroni war bei der Zeremonie dabei. Pavarottis Töchter brachen während der Messe in Tränen aus. Viele Menschen verfolgten das Geschehen über Videoschirme auf dem Domplatz. An der Außenwand des Kirchenschiffs türmten sich Rosen, japanische Orchideen, schlichte Margeriten sowie langstielige weiße Lilien.

Zu Beginn der Trauerfeier sang die aus Bulgarien stammende Sopranistin Raina Kabaiwanska ergreifend das "Ave Maria" aus der Oper "Otello" von Giuseppe Verdi. Bischof Benito Cocchi verlas ein Beileidsschreiben von Papst Benedikt XVI. Darin hieß es, der gestorbene Künstler habe "mit seinem außerordentlichen Sangestalent das göttliche Geschenk der Musik geehrt". Cocchi würdigte den großen Andrang als Zeichen "der Wertschätzung, Zuneigung und Dankbarkeit. Pavarotti wird immer für diese Stadt stehen." Schon  als Junge habe Pavarotti in der Kathedrale gesungen, während sein Vater Mitglied des Erwachsenen-Chores war. "Italien ist heute traurig und stolz auf Pavarotti", brachte Regierungschef Prodi auf den Punkt, was viele seiner Landsleute an diesem Samstag empfanden.

Mit einem eindringlichen "Reigen seliger Geister" aus der Gluck- Oper "Orpheus und Eurydike" nahm der italienische Flötensolist Andrea Griminelli während der Messe Abschied von Pavarotti. Der Tenor Andrea Bocelli verbreitete tief bewegt mit Mozarts "Ave Verum" eine herzergreifende Stimmung - ganz in Schwarz, mit grauem Seidenhemd und ohne Schlips, nahm er einen langen Applaus entgegen. Ein anhaltender Beifall erfüllte die Kathedrale von Modena vor allem aber nach dem Video von Cesar Francks "Panis Angelicus" in der Interpretation von Pavarotti und Pater Fernando. Chorgesang aus einem Requiem beendete die mit unterschiedlichster Musik umrahmte Ehrung jenes Mannes, der über Jahrzehnte hinweg Botschafter des italienischen Belcanto war.

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