"Liebe kann ich nicht kontrollieren"

- München - Der ältere Herr mit den guten Manieren hätte heute seinen 60. gefeiert - vermutlich in einem feinen Anzug. Und vermutlich wäre das Fest auch gediegener ausgefallen als die wilde Party, die vor 20 Jahren im Münchner "Henderson" stattfand. 1986, erinnern sich viele, die Freddie Mercury noch zu Lebzeiten kannten, hatte der Queen-Sänger eine Schar Londoner Freunde einfliegen lassen.

Die meisten schnitten ihre Hosenböden herzförmig aus, bemalten ihre blanken Hinterteile mit Lippenstift. Barbara Valentin, "die" Fassbinder-Schauspielerin und langjährige gute Freundin des exzentrischen Pop-Stars, konkurrierte "an der rückwärtigen Stelle mit einer Rose", heißt es. Servicekräfte vom "Feinkost Käfer" sollen unaufhörlich Kaviar serviert haben, und "Dom Pé´rignon rosé´ (Flaschenpreis: 600 Euro) sei in Strömen geflossen.

Heute feiern Fans weltweit den Geburtstag von Mercury - nur er feiert nicht mehr mit. Die Liebe habe ihn dahingerafft, schrieb die Londoner "Daily Mail" nach dem Tod des bisexuellen Superstars am 24. November 1991: Weil es für ihn stets ein Albtraum gewesen sei, in ein leeres Schlafzimmer zu kommen, schlug er alle Ratschläge in den Wind. Liebe - oder vielmehr der Sex - sei für ihn wie "Russisches Roulette", sagte Mercury oft: "Ich kann das nicht kontrollieren." Irgendwann hatte er sich mit dem HI-Virus angesteckt. Aids war damals ein Todesurteil.

Für alle, die Mercury auf der Bühne erlebt haben, bleibt der Queen-Frontmann lebendig. Sobald er spürte, dass seine Fans mitgingen, konnte ihn nichts mehr bremsen. Dann schoss der rechte Arm gen Himmel, die Hand zur Faust geballt. Den Mikroständer wirbelte er sich um den nackten Oberkörper. "We Will Rock You", "We Are The Champions" - die Stimmung in den Stadien kochte über.

Seine erste erfolgreiche Single aus dem Jahr 1973 hieß "Keep yourself alive" (Bleib am Leben); sein Leben dominierten Alkohol, Kokain, Partys, heftige Liebschaften. Richtig geliebt haben soll Mercury den Münchner Lokalbesitzer Winfried Kirchberger, der seinerzeit das "Sebastianseck" in der Nähe der heutigen Schrannenhalle betrieben hat. Mit "Winnie", schreiben Kenner, habe der Queen-Boss "eine der leidenschaftlichsten Zeiten seines Lebens durchlebt" - ihm soll er sogar ein Apartment an der Pestalozzistraße geschenkt haben.

Obwohl "Winnie" als spießig galt, sei "die Super-Diva Freddie Mercury ganz versessen auf die rustikale Männerfigur aus München" gewesen. So unterschiedlich die beiden sein mochten, gestorben sind sie an der gleichen Immunschwächekrankheit.

Doch selbst in seinen letzten Wochen, schwer gezeichnet vom tödlichen Virus, wollte Mercury noch einmal hoch hinaus. Er arbeitete mit unvorstellbarer Härte - gegen sich selbst.

Im Queen-Studio am Genfer See nahm Mercury Songs auf, die später zu den besten seines Schaffens erklärt wurden. Die Band vervollständigte die Aufnahmen und brachte sie zum fünften Jahrestag seines Todes als letztes originäres Queen-Album mit Mercurys Stimme heraus. Der Titel lautete: "Made in Heaven" - "Im Himmel gemacht".

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