Udo Lindenberg fährt den "Sonderzug aus Pankow"

- Hamburg/Berlin - Rockstar Udo Lindenberg (57) hat in seiner mehr als 30-jährigen Karriere Höhen und Tiefen hautnah erlebt, doch auf seinen nächsten Auftritt kann er sich noch freuen wie ein Kind. Denn ausgerechnet am 3. Oktober, dem "Tag der Einheit", erfüllt sich der 57-Jährige einen Wunsch, an dessen Wirklichkeit er vor 20 Jahren nicht im Traum geglaubt hätte:

<P>Damals landete der Musiker mit seinem "Sonderzug nach Pankow" einen Mega-Hit, mit dem er die SED-Oberen in der DDR provozierte - nun startet der Zug tatsächlich. </P><P>"Lokführer" Udo steuert ihn von Berlin-Pankow nach Magdeburg zu den zentralen Einheitsfeiern, mit 450 Freunden und Prominenten an Bord. Auf seinem Weg soll der Zug eine symbolische "Mauer des lähmenden Pessimismus" aus Styropor durchbrechen.</P><P>"Dass das wirklich mal so ein gigantisches Ding wird, hätte ich nie gedacht. Ich freue mich total darauf", gesteht der "Panikrocker", der das Projekt seit einem halben Jahr vorbereitet. Allerdings hätte gerade Udo, der sich schon immer seiner Fans im Westen wie im Osten sicher sein konnte, die Mauer am liebsten nur zur Erinnerung noch einmal durchbrochen. "Doch im Moment herrscht überall Frust, wenig Optimismus. Statt Gejammer und Miesmacherei wollen wir zeigen, dass man es anpacken muss", meint der Künstler, der sich in seinen Liedern auch immer wieder mit politischen Themen auseinander setzt. "Vor allem aber muss die Mauer in den Köpfen vieler Deutscher endlich weg. Die Leute reisen ständig nach Mallorca, aber nie nach Ost und West."</P><P>Der Deutschrocker, der 1973 mit der "Andrea Doria" seinen Durchbruch schaffte und am Freitag in Magdeburg auch das 30-jährige Jubiläum mit seinem "Panik-Orchester" feiert, hat sich schon im geteilten Deutschland für eine Verständigung zwischen Ost und West eingesetzt. Natürlich auf die lässige Art des prominenten Hutträgers, wie etwa einst im "Sonderzug"-Song: "Ich muss da was klären, mit eurem Oberindianer. Ich bin ein Jodeltalent, und will da spielen mit 'ner Band", sang er zur Melodie des "Chatanooga-Choo-Choo" und forderte Erich Honecker auf, kein "sturer Schrat" zu sein und ihn in der DDR auftreten zu lassen: "Ich sing' für wenig Money im Republik- Palast, wenn ihr mich lasst."</P><P>Und sie ließen Lindenberg tatsächlich kommen. Zwar nicht mit dem Sonderzug nach Pankow, aber immerhin in den "Palast". Vor einem ausgesuchten Publikum durfte der Musiker aus dem Westen im Oktober vor zwanzig Jahren ein kurzes Konzert geben, eine für 1984 geplante Tour fiel allerdings aus. Das Thema Honecker war für Udo aber nicht etwa beendet: Der Musiker schickte "Honni" eine Lederjacke, und dieser bedankte sich mit einer Schalmei. Die Konzerte bei seinen Anhängern im Osten hat der Sänger unterdessen seit der Wende ausgiebig nachgeholt - und genossen. "Die Fans feiern unsere Songs sehr zärtlich und enthusiastisch, wie eine richtig schöne Liebesbeziehung", erzählt der Musiker, der am Tag des Mauerfalls in München sofort in ein Flugzeug nach Berlin stieg, um mit Freunden bei "Eierlikör, Rotkäppchen und Trabi-Touren" zu feiern.</P><P>In Magdeburg will Udo mit Freunden und Musiker-Kollegen wie Nena, Peter Maffay, den Prinzen, Eric Burdon, Yvonne Catterfeld und Schauspieler Ben Becker bei einem Open-Air-Konzert feiern. Wenige Tage später kommen die Jubiläums-CD "Panikpräsident" sowie im Februar 2004 die ebenso betitelte Autobiografie auf den Markt, im nächsten Frühjahr folgt eine neue Tour. An seinem "Sonderzug"-Projekt wirkt das Multitalent unterdessen nicht nur als Sänger mit. Der in der Vergangenheit auch als Maler bekannt gewordene Künstler hat die Motive der zwölf kunterbunten Waggons selbst gestaltet. Von "Goethes Faust" über die "Zehn Gebote" und "Rock gegen Rechts" bis hin zum Tierschutz brachte er verschiedene Themen zum Ausdruck. "So wie ich mir eine bunte Republik Deutschland eben vorstelle."</P>

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