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Udo Lindenberg bei seinem Tour-Auftakt in Düsseldorf.

Konzert-Auftakt mit Hürden

Udo Lindenberg: Entnervte Fans zerreißen Tickets

Düsseldorf - Rocklegende Udo Lindenberg  wollte sich mit seiner ersten Stadion-Tour einen Traum erfüllen. Statt dessen hat er viele Fans schon beim Auftakt-Konzert gegen sich aufgebracht.

„Es ist ein panikhistorisches Wochenende“, sagte Lindenberg zum Start seines ersten von zwei Shows am Samstag und Sonntagabend in Düsseldorf. Mit der Stadiontour ist für den 1946 in Gronau geborenen Musiker ein „westfälisch-amerikanischer Traum“ in Erfüllung gegangen, der die seit seinem Comeback mit dem Album „Stark wie Zwei“ anhaltende Erfolgswelle krönen wollte.

Panik drohte unter den entnervten Fans am Samstag tatsächlich auszubrechen: So aufgebracht waren viele über den verspäteten Anfang des Konzerts, dass ein Twitter-Shitstorm losbrach.

Ganze drei Stunden hatte Udo die Konzertgäste in der prallen Sonne warten lassen - vor allem für das betagte Publikum nicht einfach zu verkraften. Denn nach dem Einlass am Nachmittag und der Vorgruppe ab 18.00 Uhr hatten die meisten schon um 19.45 Uhr mit Udos Auftritt gerechnet.

Nach einiger Zeit wurden die ersten Fragen laut:

Manchen Fan veranlasste die Warterei auch zu launigen Empfehlungen:

Doch schließlich wurde es den Fans zu bunt: Einige Twitter-User vermuteten, dass die lange Pause den Verkauf von Getränken ankurbeln sollte - doch dem machte laut RP online ein Stromausfall an den Buden einen Strich durch die Rechnung. Als sich die negativen Kommentare häuften, wurde zu alledem das über die Bühne laufende Spruchband #panikparty abgeschaltet. Grund genug für die Fans, deutlicher zu werden:

Als der Panikrocker kurz vor 21.00 Uhr die Bühne betrat, war einigen die Lust auf eine "Panikparty" längst vergangen:

Andere hatten bereits genug und warfen hin:

Doch es gibt auch versöhnliche Stimmen.

Denn was Udo nach Stunden des Wartens den ausgehungerten Konzertgästen präsentierte, war gelungen: Während sich ein riesiger Schiffsdampfer aus einem tosenden Meer heraus auf die Bühne schob, schwebte der 68-jährige Deutschrockstar zum Song „Odyssee“ in einer Stahlgondel über die Fans hinweg auf die Bühne der mit rund 45 000 Zuschauern ausverkauften Düsseldorfer Esprit Arena. Der „Rockliner“ hatte angelegt - und mit ihm das legendäre Panikorchester sowie eine riesige Crew aus Tänzern und Musikern, um bei hochsommerlichen Temperaturen ein rund dreistündiges Rockspektakel zu feiern.

Das Konzert an sich: "Betreutes Rocken" mit fettem Sound

Das Konzert gestaltete sich als eine Reise durch die lange Musikkarriere Lindenbergs, der mit dem Konzert an die Wurzeln seines beruflichen Weges zurückkehrte. Als Page, Tellerwäscher und Liftboy hatte er 1962 im Hotel Breidenbacher Hof seine berufliche Laufbahn gestartet, um von dort aus - zunächst als Schlagzeuger und später als Sänger - die deutschsprachige Rockszene zu erobern. Seine ersten großen Erfolge aus den 1970er sind auch heute noch präsent - begeistert sangen die Fans unter anderem bei „Alles klar auf der Andrea Doria“ oder „Cello“ mit, das Udo Lindenberg gemeinsam mit Popsänger Clueso vortrug.

Wie schon bei seinem MTV-Unplugged-Auftritt 2011 im Hamburger Hotel Atlantic, deren Aufzeichnung sich zu einem großen Verkaufserfolg entwickelte, hatte Lindenberg auch am Samstagabend wieder zahlreiche Gäste mitgebracht. Neben Clueso waren unter anderem Peter Maffay, Max Herre, Helge Schneider und Otto Waalkes mit von der Partie.

Im Gegensatz zum eher ruhigen Unplugged-Auftritt ließ es Lindenberg bei seiner ersten Stadion-Tour richtig krachen. Musikalisch bestimmt war der Auftritt vom vollen Rocksound seines Panikorchesters - und natürlich dem gewohnt schnoddrigen Gesang Lindenbergs. Der Panikrocker zeigte, dass trotz gehobenem Rockeralters noch jede Menge Energie in ihm steckt. Nahezu unermüdlich tanzte und rannte er schwitzend mit schwarzer Sonnenbrille und Hut über die Bühne. Zwischenzeitlich ölte er sich dann mit Eierlikör seine Stimmbänder, gönnte sich eine Zigarre oder holte sich von seinen knapp bekleideten Tänzerinnen Küsse ein.

Wiederholt nahm er aber auch sein Alter auf die Schippe, unter anderem als er sich zu seinem Song „Der Greis ist heiß“ mit Otto Waalkes und einer Truppe Senioren im Rollstuhl über die Bühne schieben ließ.

„Betreutes Rocken“ betitelte Lindenberg in einer Ansprache sein Konzertkonzept, das mit vielen spektakulären Einlagen aufwartete. Zum Song „Gerhard Gösebrecht“ ließ er etwa ein Ufo mit Aliens von Stadiondecke auf die Bühne herunterschweben, zur „Klavierlehrerin“ spielte ein Matrose an einem aufblasbaren Riesenklavier - und am Ende der Show durften natürlich auch Feuerfontänen nicht fehlen.

Zudem zeigte sich Lindenberg jedoch auch als politischer Künstler. Gemeinsam mit Max Herre propagierte er eine „Bunte Republik Deutschland“, mit Gast Peter Maffay rockte er gegen Rechtsextremismus und mit einem Kinderchor stimmte der das Friedenslied „Wozu sind Kriege da?“ an. Für Pfingstmontag kündigte er zudem einen Auftritt bei einem Gedenkkonzert zum 10. Jahrestag des Nagelbombenanschlags in der Köln-Mülheimer Keupstraße an.

Udos zur Verspätung - auf der Bühne kein Wort

Und zu der Verspätung? Fiel Udo auch noch was ein: Auf Facebook postete er am Sonntagmorgen eine Erklärung. Die Stellungnahme im Wortlaut:

"liebe leude, ich hab ja hinter der bühne von diesem ganzen debakel gar nix mitgekriegt, erfahre erst jetzt, was da los war.. tut mir ja echt leid, ich würde meine fans nie warten lassen- hatte die ansage, um 21 uhr startet die panik-show, woody wodka hebt ab und feiert mit euch- ich dank euch seeehr für eure geduld...mille grazie für den geilen abend, my big panic family,,,alle infos zum showstart morgen auf meiner homepage, großes ahoiiii euer udo Ufo"

dpa

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