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Erneuerer der Lyrik: US-Musiker Bob Dylan.

Literaturnobelpreis an Dylan?

Stockholm - Der US-Liedermacher Bob Dylan wird seit Jahren als “Geheimtipp“ für den Literaturnobelpreis gehandelt. Wenige Wochen vor dessen Verleihung werden die Forderungen immer lauter.

In diesem Jahr haben den 69-jährigen US- Komponisten und Sänger eine Literatur-Professorin aus Dänemark sowie “eine ganze Menge anderer“ nominiert, wie sie selbst am Sonntag in der Kopenhagener Zeitung Politiken enthüllte. Die sonst auf skandinavische Frauenliteratur spezialisierte Anne-Marie Mai meinte zu ihrem Vorschlag an die Schwedische Akademie, Dylan habe sich mit Liedertexten wie für “Desolation Row“ (1965) als “zeitgenössischer Dichter der Extraklasse“ erwiesen: “Seit 1962 hat Dylans Opus ganz einfach die Lyrik erneuert.“

Mai meinte in ihrem Beitrag, sie habe sich bisher an die ihr “auf seidigem Büttenpapier“ übersandte Aufforderung der Schwedischen Akademie gehalten, über Nominierungen Stillschweigen zu bewahren. Nach geringschätzigen Äußerungen des früheren Akademiechefs Horace Engdahl über die US-Literatur als “unwissend, provinziell und abwesend in der internationalen Debatte“ halte sie aber die Zeit für gekommen, auch öffentlich für Dylan zu argumentieren. Dieser habe mit seinem hochklassigen dichterischen Werk über mehr als vier Jahrzehnte “die experimentelle romantische und modernistische Traditionen der Weltliteratur weitergeführt und sie mit populären Ausdruckformen verschmolzen“.

Dylans Texte seien voller “Schönheit, Unruhe und Kraft“, meint die Dänin. Man könne sie mit denen von Autoren wie Alexander Puschkin, Charles Baudelaire und Walt Whitman, aber auch mit romantischen Gedichten von Johann Wolfgang von Goethe oder John Keats auf eine Stufe stellen.

Dylan wäre der erste für Musiktexte ausgezeichnete Träger des berühmtesten Literaturpreises der Welt.

Dass dem persönlich eigenwilligen US-Musiker möglicherweise der Preis gar nicht zusagen und er sich für die pompöse Verleihung durch Schwedens König Carl XVI. Gustaf nicht in den vorgeschriebenen Frack zwängen würde, hält Mai für nebensächlich: Dylan brauche nicht einmal, wie 1964 der Franzose Jean-Paul Sartre abzulehnen (der dann aber nachträglich die Dotierung einforderte). Stattdessen könne er wie 1969 der irische Dramatiker Samuel Beckett einfach schweigen und einen Vertreter nach Stockholm schicken.

Pro Jahr gehen nach inoffiziellen Angaben bis zu 300 Nominierungen in Stockholm ein. Vorschläge einreichen können neben Literatur- und Linguistikprofessoren auch frühere Preisträger, Mitglieder der Schwedischen Akademie und Vertreter von Schriftstellerverbänden.

Die Stockholmer Jury vergibt den diesjährigen Nobelpreis an einem der ersten Oktober-Donnerstage. Im letzten Jahr bekam der Franzose Jean-Marie Gustave Le Clézio den Literaturnobelpreis.

dpa

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