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Der Wiener Opernball.

Von Loren zu Lohan - Wiener Opernball wird 75

Wien - Er ist eine Mischung aus Pomp, Prominenz und Prinzessinnentraum: der Wiener Opernball. In diesem Jahr geht er in seine 75. Auflage.

Als Höhepunkt der Ballsaison zieht das Walzerspektakel in der Staatsoper am Ring - diesmal am 11. Februar - mindestens genau so viele Menschen in seinen Bann wie es Kritiker abstößt. Vor 75 Jahren fand die glamouröse Veranstaltung erstmals unter dem heutigen Namen “Wiener Opernball“ statt - doch die Geschichte ist deutlich älter. “In Wien weiß man einfach, wie man tanzt und feiert“, sagt die heutige Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh.

Rauschende Nacht im größten Ballsaal der Welt

Dem Versprechen einer rauschenden Nacht im größten Ballsaal der Welt erlagen in den vergangenen siebeneinhalb Jahrzehnten zahlreiche Politiker, gekrönte Häupter und Stars: Der französische Ministerpräsident Jacques Chirac griff deshalb zum Frack, Startenor Placido Domingo sang für Ehrengäste wie Spaniens König Juan Carlos und Schauspielerin Sophia Loren lächelte milde aus ihrer Loge hinab.

Regelmäßig in die Klatschpresse bringt sich der österreichische Unternehmer Richard “Mörtel“ Lugner mit seinen bunten bezahlten Gästen wie Pamela Anderson, Paris Hilton oder in diesem Jahr Lindsay Lohan. Bei den Organisatoren löst der 77-jährige Playboy damit nicht immer Freude aus.

Der Künstlerball in der Oper hat eine lange Tradition: Schon im 18. Jahrhundert hielten in Wien verschiedene Kaiser ihre Untertanen mit zahlreichen Tanz- und Musikveranstaltungen bei Laune. Im 19. Jahrhundert brachte ein leicht-beschwingter Tanz im Dreivierteltakt Mann und Frau auf dem Parkett so eng zusammen wie nie zuvor: Eng drehend mit dem Arm des Herrn um die Taille der Dame gelegt, tanzten Wiener Paare den Walzer - und bald darauf Menschen in der ganzen Welt. “Heute ein etablierter Gesellschaftstanz, revolutionierte der Walzer einst den Tanz allgemein nicht nur durch die “frivole“ Körpernähe der Partner, sondern auch dadurch, dass er Genuss, Glück und Freude zum Ausdruck brachte“, schreibt der Autor Johannes Kunz in seinem Sachbuch “Der Wiener Opernball“.

Kaiserl bittet zum Tanz

1869 wurde auf Geheiß des Kaisers Franz Joseph I. an der Ringstraße ein neues Opernhaus erbaut und eröffnet, 1877 fanden in der heutigen Staatsoper die ersten Hofopern-Soireen für Adel und Bürgertum statt. Ab 1935 sollte dann die jährlich Ballveranstaltung unter dem neuen Titel “Opernball“ kurz vor dem Anschluss an Nazi- Deutschland österreichischen Patriotismus demonstrieren. 1939 wehten dann bei dem einzigen Opernball in der NS-Zeit die Hakenkreuzfahnen über dem Tanzparkett.

Als Renommierveranstaltung für die Regierung und die Reichen zog das Walzerspektakel nach dem Wiederaufbau der Staatsoper Proteste an. Besonders in den 1980er Jahren gab es Demonstrationen gegen die Prunkveranstaltung, die viele als dekadent ablehnten. Heute zählten einige Demonstranten von damals zu den treuesten Gästen, sagt Treichl-Stürgkh: “Die jungen Leute sind doch heute zum Demonstrieren viel zu faul, die treiben sich lieber in Sozialen Netzwerken im Internet herum.“

Der Opernball rege zudem nicht mehr auf, da das Publikum vielfältiger geworden sei: Vom Tischler aus Tirol, der sich und seiner Frau zur Silberhochzeit etwas gönnen will über Wirtschaftsbosse und Künstler bis zu hin zu Wien-Touristen. Alt und überholt wird die Veranstaltung für Treichl-Stürgkh nie werden: “Solange die Wiener Staatsoper steht, wird es denn Opernball geben.“

Miriam Bandar, dpa

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