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Sabin Tambrea

Ludwig-Darsteller Tambrea: Hörsturz aus Angst 

München - Sabin Tambrea spielt im neuen Kinofilm über den “Märchenkönig“ Ludwig II. die Hauptrolle. Eine Aufgabe, die ihm anfangs so viel Angst machte, dass er einen Hörsturz bekam.

Sie haben gerade eine Szene gedreht über Ludwigs Faszination für Wagner. Sind Sie selbst auch Wagner-Fan?

Sabin Tambrea: “Ich war es lange Zeit vor dem Dreh schon. Dadurch, dass ich eigentlich klassisch ausgebildeter Musiker bin und Dirigier-Unterricht bekommen habe. Ich habe schon Wagner dirigiert und ihn schon sehr früh lieben gelernt, ja.“

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Sabin Tambrea: “Ich habe wirklich alles gelesen, was es da zu lesen und zu sehen gibt. Jetzt, beziehungsweise kurz vor dem Dreh, war ich an dem Punkt, wo ich zwar alles in meinem Bewusstsein hatte, aber es dann auch Zeit war, alles zu vergessen. Man darf nicht vergessen, dass es hier nicht um einen Gott geht, um eine steife historische Figur, sondern dass es um einen Jungen geht, der kurz nach der Pubertät in eine Situation kommt, die ihn völlig überfordert. Und mir ist es im Moment wirklich wichtiger, wirklich nach diesen Ängsten zu suchen, die ein junger Mensch hat in ausweglosen Situationen.“

Haben Sie sich auch alte Ludwig-Filme angeschaut?

Sabin Tambrea: “Ich kann nicht als Schauspieler diese Jahrhundert-Rolle bekommen und dann sagen, ich hatte keine Lust mir die alten Filme anzuschauen. Da ist eine enorme Verantwortung, wenn man diese Rolle spielt. Ich habe mir alles angeschaut und genau analysiert, wo da die Akzente gesetzt wurden. Der Ludwig-Strand ist groß genug, um nicht in alten Fußstapfen gehen zu müssen. Deshalb kann man da neue Wege gehen.“

Welche sind die in ihrem Fall?

Sabin Tambrea: “Obwohl ich schon so alt bin, gehe ich noch als Jugendlicher durch und wir kriegen hier eine sehr starke Jugendlichkeit und eine Naivität hin. Den Glauben an den Himmel auf Erden durch Kunst, den können wir erschaffen.“ Sie teilen sich die Rolle mit Sebastian Schipper.

Haben Sie sich abgestimmt und die Rolle gemeinsam erarbeitet?

Sabin Tambrea: “Über Monate hinweg haben wir uns immer wieder getroffen und haben uns überlegt, welche Gesten können Ludwig definieren, welche Körperlichkeiten, welche Art zu sprechen, welche Sprachmelodien. Aber von Natur aus sind wir uns so ähnlich, dass wir eigentlich ohne schlechtes Gewissen einfach drauf los spielen können und es ist glaubwürdig, dass es eine Figur ist.“

Gerade in Bayern ist Ludwig eine Ikone, der man sich nicht unbedingt ungestraft nähert. Irgendjemand hat ja immer etwas gegen eine Interpretation. Macht Sie das nervös?

Sabin Tambrea: “Ich hatte vor dem ersten Drehtag so eine fürchterliche Angst, dass ich gleich einen Hörsturz bekommen habe und das war der Punkt wo ich mir dachte: Nee, das kann es nicht sein. Ich wurde besetzt für diese Rolle - ich hoffe mit Recht - und dazu stehe ich jetzt. Und ich werde jetzt mit einer gewissen Frechheit diese Rolle so spielen, wie sie aus mir herauskommt. Diese Emotionen, die ein junger Mensch hat, die liegen bei mir zwar schon ein paar Jährchen zurück, aber sie sind doch noch sehr eingebrannt in meine Knochen. Jetzt bin ich nicht mehr aufgeregt. Ich habe ein Grundvertrauen in diese Rolle, ich habe - glaube ich - ein sehr tiefes Grundverständnis für Ludwig und ich muss jetzt das einfach rauslassen. Natürlich muss man bedenken, ich bin quasi frischer Schauspiel-Absolvent, habe drei Jahre im Theater gespielt und jetzt komme ich quasi als Anfänger in eine Situation, einen Kinofilm zu tragen. Natürlich spielt da eine Aufregung mit, aber ich kann das gut kombinieren. Ludwig wurde in die gleiche Situation geschubst und die Angst, die ich privat habe, kommt der Rolle zu Gute.“

Erkennen Sie eigene Charakterzüge in Ludwig?

Sabin Tambrea: “Die Liebe zur Kunst. Seitdem ich vier Jahre alt bin, bin ich künstlerisch tätig und das ist für mich die treibende Kraft, etwas zu erschaffen - und vielleicht auch etwas Bleibendes. Das ist der Keim einer gewissen Naivität, die man hat im Leben, weil man gegen ganz viele Widerstände ankämpfen muss. Das ist auch meine Leidenschaft.“

Sprechen Sie im Film Bairisch?

Sabin Tambrea: “Nein! Da kommt mir zugute, dass Ludwig eine Abneigung hatte gegen Dialekte. Ich gehe da knallhart hochdeutsch durch.“

dpa

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