Madonna verteidigt Adoptionsverfahren

- London - Das "Sanderson" im Londoner Szene-Viertel Soho ist einfach nicht die Preisklasse von Yohane Banda. Um dort eine Übernachtung bezahlen zu können, müsste der Vater des Adoptivkindes von Madonna in Afrika viele Jahre lang arbeiten.

Rund 500 Euro kostet ein Zimmer in dem Edelhotel, wo die US-Popsängerin jetzt vor einer Kamera ihre umstrittene Adoption des kleinen David Banda aus dem Armutsland Malawi verteidigte - und dabei fast in Tränen ausbrach. Davids Vater verdient mit dem Verkauf von Gemüse knapp sieben Euro im Monat.

Diese soziale Dimensionen versuchte die sichtlich emotional aufgewühlte Madonna bei dem Interview mit der US-Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey einem Millionenpublikum in vielen Ländern der Welt deutlich zu machen. Ihre Kritiker forderte sie während der Videoaufzeichnung des Gesprächs per Satellit zwischen London und Oprahs Studio in Chicago auf, sie sollten sich die himmelschreiende Armut vieler Menschen in Afrika doch einmal selbst anschauen.

"Wenn sie sehen könnten, wie diese Kinder in Not leben, dann würden sie selbst eines adoptieren wollen", sagte Madonna nach Angaben von Zuschauern. Das aufgezeichnete Gespräch sollte im Rahmen der "Oprah Winfrey Show" nach mitteleuropäischer Zeit am späten Mittwochabend gesendet und später von zahlreichen TV-Stationen, darunter in Afrika, übernommen werden. Madonna erschien - von Leibwächtern begleitet - eingehüllt in einem langen schwarzen Mantel, die Augen hinter einer überdimensionalen Sonnenbrille versteckt.

Vor der Kamera, das Gesicht nun offen, machte die 48-Jährige ihre Position zunächst mit fester Stimme klar: "Ich habe nichts Falsches getan." Und wie um zu beweisen, dass die Adoption das Beste war, was dem 13 Monate alten David geschehen konnte, hatte sie Fotos aus ihrer Londoner Luxus-Wohnung mitgebracht: Der kleine Afrikaner, wie sie ihn liebevoll streichelt; wie er glücklich lächelnd umkost wird von Madonnas Tochter Lourdes (9) und ihrem Sohn Rocco (5).

"Doch dann konnte sie die Tränen kaum noch halten", berichtete ein Studiogast der Aufzeichnung in Chicago Reportern. "Das war als Oprah sie fragte, ob das Ganze nicht in Wirklichkeit eine Publicity-Aktion sei." Zuschauerin Sue Waldman sagte, die Sängerin habe insgesamt sympathisch und glaubwürdig gewirkt. "Ich bin eigentlich kein Fan von ihr, aber was sie getan hat, war eine gute Sache."

Zu jenen, die das ganz anders sehen, gehört Titus Mvalo. Der Anwalt der Gruppe Malawi Human Rights Consultative Committee sagte der Londoner Zeitung "Daily Mail", das Gesetz im Heimatland von David verbiete eindeutig die Adaption von Kindern durch ausländische Eltern, "wenn sie nicht 18 bis 24 Monate Monate in Malawi gelebt haben und dort als würdig eingeschätzt wurden".

Madonna verweist hingegen auf eine Sondergenehmigung, wonach sie für die Prüfzeit von 18 Monaten den kleinen David mit nach Großbritannien nehmen durfte. Zudem werde sie es dem leiblichen Vater jederzeit ermöglichen, den Sohn zu besuchen. Und sie werde mindestens einmal pro Jahr mit ihrem Adoptivsohn dessen Herkunftsland besuchen.

Absolut falsch sei, dass der 32-jährige Yohane Banda zur Unterschrift unter die Adoptionspapiere gedrängt worden sei, wie er wohl in den letzten Tagen TV-Reportern erzählt habe. Diese hätten ihn "manipuliert", sagte Madonna. "Er hat mir in die Augen gesehen", berichtete sie Oprah. "Und er hat gesagt, er sei glücklich."

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