Manfred, der Eremit: Das erste Todesopfer der Ölpest in Spanien

- La Coruña/Madrid - Manfred, der deutsche Einsiedler an Spaniens ölverschmierter Atlantikküste, ist tot. Die Todesursache stand am Sonntag zwar offiziell noch nicht fest, doch kaum jemand in dem entlegenen galicischen Fischerdorf Camelle zweifelt daran, dass der 63-Jährige aus Dresden an Kummer gestorben ist: Die durch den Tanker "Prestige" verursachte Ölpest hatte sein Lebenswerk, ein Freilichtmuseum mit Skulpturen aus Stein, Holz und Walknochen, zerstört.

 Manfred starb genau so, wie er in den vergangenen 41 Jahren gelebt hatte: Einsam in seiner einfachen Hütte auf den Felsen, wo er halb nackt auf dem Boden gefunden wurde, wie die Zeitung "La Voz de Galicia" berichtete. Anwohnern war aufgefallen, dass er die Lebensmittel nicht angerührt hatte, die sie ihm vor die Tür gelegt hatten. <P>Der deutsche Eremit symbolisiert auf traurige Weise das Schicksal Tausender anderer von der Ölflut betroffenen Menschen an Galiciens "Todesküste". Das Meer bedeutete ihm alles. Es gab ihm nicht nur, was er zum Leben brauchte, sondern war auch die Quelle seiner künstlerischen Inspiration. So empfand er die Ölpest auch als Angriff auf ihn selbst. "So etwas kann man mir doch nicht antun", hatte der sonst wortkarge Deutsche gesagt, als die ersten Ölflecken seine bunt bemalten Steine schwarz färbten und er nicht mehr wie sonst stundenlang im Meer schwimmen konnte.</P><P>Er war seelisch so stark mitgenommen, dass er kürzlich erklärte: "Wenn ich nicht bald sterbe, bringe ich mich um." Dazu passt, dass Psychologen erst am Wochenende vor Folgeschäden für die von der Ölpest betroffenen Menschen, vor allem die Fischer, warnten. Sie seien einer enormen psychischen Dauerbelastung ausgesetzt, hieß es. Nicht anders scheint es Manfred gegangen zu sein. </P><P>"Er ist der Melancholie zum Opfer gefallen", meinte ein Anwohner. "Egal, was die Sterbeurkunde sagt: Die "Prestige" hat ihn mit in die Tiefe gerissen", schrieb die Presse. Dass der Eremit mit seinem Leben abgeschlossen hatte, zeigt sich auch daran, dass er in einem Brief die Regionalregierung bat, sein Museum weiter zu führen.</P><P>Der hagere, auch im Winter nur mit einem Lendenschurz bekleidete Deutsche war in Galicien ein Unikum. Als er 1961 nach Camelle kam, war er ein gut gekleideter, kultivierter Mann, der zur Sonntagsmesse ging, erzählen die Fischer. Doch als eine Dorfschülerin seine Liebe nicht erwiderte, ging er verbittert in die Wälder und kehrte später in Gestalt eines modernen Robinson Crusoe zurück: halb nackt, barfuß und mit einem langen Bart. Seitdem widmete er sich der Kunst und lebte von den Eintrittsgeldern seines gut besuchten Museums.</P><P>In dem Dorf hatte "Man", wie er genannt wurde, nicht nur Freunde. Manche hielten ihn für einen Verrückten, der kilometerweit die Küste entlang rannte, als werde er von jemand verfolgt. Andere sahen in ihm einen Alt-Hippie, Bohemien oder Exzentriker. Einig waren sich aber alle darin, dass der von Waldfrüchten und Fisch lebende Deutsche eine eiserne Gesundheit hatte. "Er war nur einmal beim Arzt", heißt es.</P><P>Als Erinnerung an ihn werden neben seinem Museum die tausenden Skizzenblöcke bleiben, die er von den Besuchern in all den Jahrzehnten bemalen ließ. Und eine Gruft, die der Dorfpfarrer aus Nächstenliebe zur Verfügung gestellt hat.</P>

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