"Megamäßiges Seminar": Studenten erforschen Dieter Bohlens Sprache

- Würzburg - Dieter Bohlen (49), Musikproduzent und Superstar-Suchender ist nun auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen. Mit seiner Bestsellerautobiografie "Nichts als die Wahrheit" hält der Modern-Talking-Star nun auch Einzug in die Hörsäle. An der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg (Brandenburg) sorgte der schlagzeilenträchtige Lehrinhalt bereits für Zündstoff unter den Professoren - in Würzburg hingegen kam das "Bohlen-Seminar" bei den meisten Teilnehmern "megamäßig" gut an.

<P>Im Einführungsseminar in die deutsche Sprachwissenschaft nahm Germanisitik-Dozent Gunther Schunk gemeinsam mit rund 60 Studenten und Studentinnen Textpassagen aus Bohlens Buch als Vorbereitung auf eine Klausur unter die Lupe. Er sei nicht auf Effekthascherei aus, es gehe ihm um die linguistische Forschung, betont der Würzburger Sprachwissenschaftler.<BR><BR>Phonetisch-phonologische, also lautsprachliche Aspekte standen ebenso im Blickfeld des Interesses wie verwendete Vorsilben, Endungen und Wortneubildungen. Vor den Augen der Germanistik- Studenten taten sich alsbald Wortungebilde und Begriffe wie "Omma- und-Oppa-Kaffeetrink-Laden", "kuddelige Gummistiefel","eddelige Haarmatte" oder "geilomei" auf. Was die Verstärkung von Wörtern anging, hat sich Bohlen ebenfalls einiges einfallen lassen: Endungen mit "mäßig" wie "antennenmäßig", "kopfmäßig", "wackeldackelmäßig", "little-joe-mäßig" oder "teilnahmemäßig" sollten verstärken, ebenso wie "super-" oder "sau-" am Wortanfang.<BR><BR>Auch der Vorsilbe "mega-" bediente sich Bohlen mit Vorliebe. Allein 17 verschiedene Zusammensetzungen mit "mega-" hat Wissenschaftler Schunk gefunden. Die Palette reicht von "megamäßig" über "megaätzend" und "megahipp" bis "megaenttäuscht".</P><P><BR>"Das ist Umgangssprache, Jugendsprache der 80er Jahre", sagte Schunk. Mit dieser Sprechweise wolle sich Bohlen gemein machen mit dem Leser. "Er schreibt, wie man mit seinen Kumpels spricht." Bohlen wolle authentisch und glaubwürdig wirken, meint der Würzburger Germanistik-Dozent. Kein Wunder, schließlich verspricht Bohlen dem Leser ja auf 364 Seiten "Nichts als die Wahrheit".<BR><BR>Schunk vermutet, dass es dem Medienstar dabei aber viel weniger um die Wahrheit, als vielmehr um sich selbst geht. Allein 23 Mal auf einer Seite hat der Sprachwissenschaftler das Wort "ich" gezählt. Wesentlich abwechslungsreicher mutet da Bohlens Wortschatz bezüglich des weiblichen Geschlechts an. Von "Luder", "Mädchen", "Weiber", "Bewerberinnen", "Mädels", "Hühner" und "Hennen" ist die Rede.<BR><BR>Sprachwissenschaftler Schunk kommt zu dem Ergebnis: "Bohlen hat eine eigene Sprache entwickelt. Er spielt sich, seine Sprache ist Teil des Images." Zu Hause, ist sich Schunk sicher, spricht der Ex-Ehemann von Verona Feldbusch anders. Auch in einem Interview in einer Wirtschaftzeitschrift habe Bohlen eine komplett andere Sprache verwendet. "Da spricht er als Diplom-Kaufmann, wie ein Marketingchef", betont der Linguist. Den Anteil von Bild-Co-Autorin Katja Kessler schätzt Schunk indes eher gering ein. "90 Prozent Dieter Bohlen. Zehn Prozent Katja Kessler."</P><P><BR>Das Buch sei aber weit davon entfernt, große Literatur zu sein, stellt Schunk fest - nicht nur weil Zwischentöne und Differenzierungen fehlten. "Nichts als die Wahrheit" sei aus sprachwissenschaftlicher Sicht sehr interessant gewesen, meint der Würzburger Uni-Dozent. "Inhaltlich ist es aber sehr uninteressant."</P>

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