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Die Figur des RTL-Ermittlers Sinan Toprak machte ihn bekannt: Erol Sander, der inzwischen als Kommissar der ARD-„Mordkommission Istanbul“ schwierige Fälle löst. Morgen um 20.15 Uhr ist er wieder im Einsatz.

Interview

Erol Sander: Meine Schule war das echte Leben

München - Erol Sander spricht im Interview über Krimis, seine Heimatstadt Istanbul und sein Selbstverständnis als Schauspieler.

Ob als smarter Kommissar oder als edler Indianerhäuptling Winnetou – Erol Sander macht immer eine gute Figur. Kein Wunder, schließlich war er als Model jahrelang auf den Laufstegen dieser Welt zuhause. Im Fernsehen spielte sich Sander in der Rolle des türkischstämmigen Kommissars Sinan Toprak im Jahr 1999 in die erste Reihe. Seit fünf Jahren verkörpert er in der ARD-Krimireihe „Mordkommission Istanbul“ den pflichtbewussten Ermittler Mehmet Özakin – morgen um 20.15 Uhr zeigt das Erste eine neue Folge mit dem Titel „Rettet Tarlabasi“. Für den 44-Jährigen sind die Dreharbeiten jedes Mal eine Reise zu den Wurzeln. Sander wurde in Istanbul geboren, kam aber schon als Kind nach Deutschland und wuchs in München auf. Inzwischen hat der Schauspieler nicht nur einen deutschen Pass, sondern auch eine Dauerkarte für den FC Bayern.

Herr Sander, mit der neuen Folge von „Mordkommission Istanbul“ können Sie ein kleines Jubiläum feiern... .

Wir haben Hammerquoten, und ich bin froh, dass die Reihe ankommt. Wir wollen mit „Mordkommission Istanbul“ einen „Tatort“ in Istanbul machen und mit der Figur des Kommissars Geschichten über diese tolle Stadt erzählen. Die Deutschen sind ja bekanntlich Krimifans.

Sind Sie selbst auch Krimifan?

Ich mag Qualitätskrimis. Auch meine eigenen gefallen mir sehr, das muss ja auch so sein, und ich schaue sie mir immer an, wenn sie im Fernsehen laufen.

Sie sagten, Istanbul sei eine tolle Stadt. Aber bestimmt ist es nicht immer leicht, in dieser riesigen Metropole zu drehen...

Es ist eine Stadt mit offiziell 14 Millionen Einwohnern, inoffiziell bis zu 18 Millionen, mit unglaublich viel Leben. Es gibt unheimlich viel zu entdecken, wenn man zum Beispiel als Tourist eine Städtereise nach Istanbul macht. Die vielen großartigen Monumente geben uns in den Krimis die Möglichkeit, Panoramabilder zu zeigen. Für uns als Filmteam ist es natürlich ab und zu auch nervenaufreibend. Wenn man in einer Millionenmetropole dreht und von A nach B kommen muss, aber lauter Staus auf den Hauptstraßen sind – das ist schon happig.

Wie gut kennen Sie sich in der Stadt aus? Sie kamen doch schon als Kind nach Deutschland.

Mein Zuhause ist München, mein Ursprungsland ist die Türkei. Ich konnte es in meiner Jugend nicht so wirklich entdecken, jetzt entdecke ich es im Film mit meiner Arbeit, quasi mit dem Zuschauer zusammen. Natürlich habe ich dort noch Verwandte, aber wenn ich runterfliege und meine Großeltern oder Freunde besuche, dann ist das etwas anderes. Als Kommissar erkunde ich die Stadt jetzt erst so richtig und beginne sie zu verstehen.

Was sprechen Sie eigentlich besser, Türkisch oder Bairisch?

Ich spreche besser Bairisch als Türkisch, muss ich gestehen. Ich bin einfach aus der Übung gekommen, weil ich mit fünf Jahren das Land verlassen habe. Ich bin bei meinem türkischen Vokabular im Grunde auf dem Stand eines Kindes stehen geblieben.

Heutzutage sind Schauspieler und Filmfiguren mit türkischem Hintergrund fast selbstverständlich. Sind Sie stolz darauf, dass Sie als erster türkischstämmiger Kommissar im deutschen Fernsehen den Weg für andere geebnet haben?

Sinan Toprak war ja deutscher als die Deutschen, weil er sich so stark angepasst hatte. Aber er war der erste Hauptkommissar türkischen Ursprungs. Damals hat sich die Fernsehwelt den realen Verhältnissen in der Gesellschaft angepasst – das war ein guter Weg, und dass ich ein Teil davon war, macht mich glücklich. Es gab 1999 ja schon Leute mit türkischen Wurzeln, die Chefredakteure, Polizisten oder Politiker waren. Es gab später drei namhafte türkischstämmige Schauspieler, die sich bei mir bedankt haben, dass ich den Vorreiter gespielt habe und dass ich ein Vorbild für sie sei. Das macht mich natürlich stolz.

Ihre ARD-Filmreihe „Alpenklinik“ wird nicht fortgesetzt, wie wird es mit „Mordkommission Istanbul“ weitergehen?

Es wird auf jeden Fall weitergehen, wir wollen mit den Geheimnissen und der Geschichte der Stadt spielen, weiterhin an Filme wie „Topkapi“ oder „Mord im Orientexpress“ anknüpfen. Von „Alpenklinik“ lief neulich die letzte Folge, sie wurde allerdings schon vor zwei Jahren gedreht. Es hat mir Spaß gemacht, den Dr. Guth zu spielen, aber es war zeitlich zuletzt sehr schwierig geworden.

Wollen Sie sich denn schauspielerisch weiterentwickeln?

Das hat mit Weiterentwicklung nichts zu tun. Mir ist es egal, ob ich einen Liebesfilm mache oder einen Hollywoodfilm, ich will die Leute unterhalten, es soll ihnen Spaß machen. Egal was ich drehe, ich will es mit Herzblut machen, schließlich lebe ich ja nur von meinen Quoten. Ich habe keine Schauspielschule absolviert, meine Schule war das echte Leben – vielleicht spüren die Zuschauer diese Authentizität. Die Zuschauer haben entschieden, dass sie Erol Sander sehen wollen, und das macht mich froh.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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