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Leonard Cohen (80).

"Hallelujah"

Meister-Melancholiker Leonard Cohen wird 80

New York - Leonard Cohen ist einer der ganz Großen. Songs wie „Suzanne“ oder „Hallelujah“ gelten längst als Klassiker. Jetzt wird Cohen 80 Jahre alt - und schenkt den Fans ein neues Album.

Rauchige Stimme, den schwarzen Hut tief in die Stirn gezogen und umgeben stets von einer Aura tiefster Melancholie: Leonard Cohen gilt als Phänomen, als Legende und als einer der herausragenden Songschreiber aller Zeiten. Für Millionen Fans auf der ganzen Welt ist der kanadische Altmeister ein heiß verehrter Superstar - der doch stets bescheiden bleibt. Erfolg, so sagte er einmal, sei für ihn schlicht das Überleben. Am kommenden Sonntag (21. September) wird Cohen 80 Jahre alt und schenkt sich und seinen Fans zwei Tage vorher ein komplett neues Album: „Popular Problems“.

Und das nächste Album sei auch schon in Arbeit, verriet Cohen jüngst bei einer Pressekonferenz in London und scherzte: „Wahrscheinlich wird es „Unpopular Solutions“ heißen.“ Die Haare des Musikers sind längst grau geworden, sein Körper wirkt zerbrechlicher, aber Charisma und Stimme sind präsent wie eh und je. Er habe „keinen Sinn und keine Lust auf Ruhestand“, sagte Cohen dem britischen „Telegraph“. Und auf die Rückseite eines seiner vielen Notizbücher, in denen der Sänger die Texte seiner an kleine Kunstwerke erinnernden Songs komponiert, schrieb er: „Ich komme so langsam ans Ende des Buches, aber noch nicht ganz.“

Im Alter ist der Liedermacher noch einmal so richtig zurückgekehrt, nachdem er zwischenzeitlich gegen Depressionen gekämpft hatte und jahrelang in einem Zen-Kloster verschwunden war. „Wenn ich von Depressionen spreche, spreche ich von klinischen Depressionen, die der Hintergrund meines ganzen Lebens sind, ein Hintergrund voller Angst und Beklemmung, einem Gefühl, dass nichts richtig läuft, dass Zufriedenheit nicht möglich ist und alle Strategien in sich zusammenfallen“, sagte er jüngst dem britischen „Guardian“. „Ich bin froh sagen zu können, dass diese Depression sich langsam aufgelöst hat und nie wieder mit derselben Kraft in mein Leben zurückgekommen ist.“

Auch aus finanzieller Notwendigkeit, nachdem ihn seine frühere Managerin um millionenschwere Rentenrücklagen betrogen hatte, steht Cohen seit rund sechs Jahren wieder auf den Bühnen der Welt. 2012 brachte er mit „Old Ideas“ sogar das erfolgreichste Album seiner jahrzehntelangen Karriere heraus.

Geboren wurde Leonard Norman Cohen 1934 in eine jüdische Familie in der ostkanadischen Stadt Montreal hinein. Schon als Kind lernte er Gitarre spielen und hatte bald Auftritte in Cafés und Clubs, aber die Musik sollte für ihn lange Zeit Nebensache bleiben. Cohen wollte schreiben, Gedichte und später auch Romane. In den frühen 60er Jahren zog er sich dafür zeitweise völlig auf die griechische Insel Hydra zurück. Viele seiner Veröffentlichungen wurden von Kritikern gefeiert. 2011 bekam er sogar den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis für Literatur.

Aber in den 60er Jahren reichten ihm die Einnahmen aus dem Schreiben nicht zum Leben. „Ich wollte nicht schreiben, um bezahlt zu werden. Ich wollte für das bezahlt werden, was ich schreibe.“ Also zog Cohen Ende der 60er Jahre nach New York und nahm die Musik wieder auf - bald mit großem Erfolg. Alben wie „Songs of Leonard Cohen“ (1967), „Songs of Love and Hate“ (1971) und „Death of a Ladies' Man“ (1977) beeinflussten ganze Generationen von Musikern, Songs wie „Suzanne“, „So Long, Marianne“, „First We Take Manhattan (Then we take Berlin)“, „Hallelujah“ und „Chelsea Hotel #2“ gelten längst als Klassiker. Cohens melancholische Songs handeln von verlorener Liebe und Leid, von Todessehnsucht und Gottessuche, sprachlich erinnern sie an polierte Kleinode. „Leute, die ihre Songs im Café oder im Taxi schreiben, kann ich nur bewundern - ich habe das nie geschafft.“

Sein Privatleben hat Cohen immer möglichst unter Verschluss gehalten. Bekannt ist lediglich, dass er mit der schwedischen Malerin Suzanne Elrod zwei Kinder hat und vorübergehend mit der Schauspielerin Rebecca De Mornay liiert war. In Los Angeles lebt er inzwischen mit Tochter und Enkelin zusammen. „Mein Ruf als Frauenheld ist ein Witz“, sagte er einmal in einem Interview. „Er hat mich dazu gebracht, mich bitter durch die zehntausend Nächte zu lachen, in denen ich alleine war.“

Besondere Pläne für seinen 80. Geburtstag hat Cohen nicht. „In meiner Familie begehen wir Feiertage, Jahrestage oder Geburtstage so gut wie gar nicht. Es wird also einfach ein Tag wie jeder andere sein.“ Einen ganz besonderen Wunsch hat der Altmeister aber dann doch für diesen speziellen Tag: Wieder mit dem Rauchen anfangen. „Ich freue mich richtig auf diesen Moment“, sagte er jüngst bei einem Konzert im US-Bundesstaat Kentucky. „Eine junge Krankenschwester in einer weißen Uniform mit Baumwollstrümpfen, die ein Tablett mit einer Packung Zigaretten auf einem silbernen Tablett trägt, wird über die Bühne kommen. Die Packung wird geöffnet und sie wird mir Feuer geben. Das wird so gut.“

dpa

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