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Mel Gibson und seine Lebensgefährtin Rosalind Ross.

Interview mit dem Regisseur

Mel Gibson: Hollywood hat ihn wieder lieb

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München - Ein Jahrzehnt lang galt Mel Gibson nach seinen antisemitischen Hetztiraden in Hollywood als Persona non grata. Jetzt ist der 61-Jährige als Regisseur von „Hacksaw Ridge“ wieder da. Das Interview!

Actionheld (Lethal Weapon), Frauenliebling (Was Frauen wollen) und Oscarpreisträger (Braveheart) – in den 90er Jahren lag Mel Gibson die Filmwelt zu Füßen. Dann der Absturz: Mehrfache Festnahmen wegen Trunkenheit am Steuer. Schließlich gab er zu, an Alkoholsucht zu leiden. 2009 ließ sich Robyn Moore nach 29 Ehejahren scheiden – das Paar hat sieben Kinder. Grund war die Sängerin Oksana Grigorieva. Gibson zeugte mit ihr ein weiteres Kind. Die Beziehung zerbrach – ein Rosenkrieg folgte, der Schauspieler soll Oksana auch geschlagen haben. Und: Der konservative Katholik (Passion Christi) pöbelte wiederholt gegen Homosexuelle und Juden. Hollywood ließ ihn fallen...

Doch jetzt die Kehrtwende. Gibsons Film „Hacksaw Ridge“ (startet Donnerstag in den deutschen Kinos) ist für sechs Oscars nominiert, darunter einer in der Kategorie „Beste Regie“. Die Branche hat ihm offenbar verziehen. 

Wie befriedigend ist dieses glanzvolle Comeback?

Mel Gibson: Es fühlt sich gar nicht wie ein Comeback an. Wenn man einmal Regie geführt hat, dann ist es so wie Fahrradfahren. Man schwingt sich wieder in den Sattel und weiß, was man tut. Natürlich haben sich ein paar Dinge für mich geändert. Meine Budgets sind nicht mehr so groß, das schränkt schon ein.

Sie haben vor dem Eklat Filme wie am Fließband gedreht. Was haben Sie danach mit all der freien Zeit gemacht?

Gibson: Ich habe weiterhin meine kreative Seite ausgetobt, habe Drehbücher geschrieben und ein wenig geschauspielert. Nebenher konnte ich mein Angel-Talent perfektionieren. Und ich hatte endlich Zeit, mich mehr um meine Kinder zu kümmern.

Haben Sie sich verändert?

Gibson: Ich habe an mir gearbeitet. Man muss sich immer weiterentwickeln, denn wer stillsteht, fällt zurück.

Ihr Liebesleben schreibt nach wie vor Schlagzeilen. Ihre Lebensgefährtin Rosalind Ross ist 34 Jahre jünger …

Gibson: Na und? Alter ist nur eine Zahl. Sie ist erwachsen und wir mögen und schätzen uns sehr. Ich habe die richtige Person gefunden. Herz, was willst du mehr?

Rosalind hat gerade einen Sohn zur Welt gebracht – ihr neuntes Kind. Ihre älteste Tochter Hannah ist 36. Wenn Sie zurückblicken, was machen Sie heute als Vater anders?

Gibson: Leider gibt es für Eltern kein Handbuch und man macht Fehler. Am Anfang öfter, aber mit jedem Kind weniger. Es ist ein Lernprozess und es wird immer leichter, wenn man gewillt ist, von seinen Kindern zu lernen.

Was haben Sie gelernt?

Gibson: Ich bin viel geduldiger geworden. Und glauben Sie mir, ich bin nicht mit Geduld gesegnet (lacht). Ich reagiere gelassener, wenn etwas danebengeht.

„Hacksaw Ridge“ ist ein Kriegsfilm mit der christlichen Botschaft, dass Glaube Berge versetzen kann. Haben Sie deshalb das Projekt angenommen?

Gibson: Ich fand die Story toll, weil der Held jemand ist, der gegen den Strom schwimmt. Er lässt sich durch nichts von seinem Glauben abbringen. Ich sehe das Projekt übrigens eher als eine Liebesgeschichte. Sie handelt von der reinsten Form der Liebe, die voraussetzt, dass man sein Leben für andere aufs Spiel setzt.

Was haben Sie in Ihrem Leben über Liebe gelernt?

Gibson: Ich habe gelernt, dass man nicht jeden gut leiden mag, aber so viele Menschen wie möglich lieben sollte. Für mich selber bedeutet das, ihnen nicht wehzutun, aber ihnen auch nicht zu erlauben, dass sie auf dir herumtrampeln.

Ist das ein Seitenhieb auf Ihre geschiedene Ehe?

Gibson: Es ist das Rezept für eine erfolgreiche Ehe. Dafür muss man dem anderen zuhören und ihm seine eigenen Bedürfnisse opfern. Das ist dann wahre Liebe.

Im Film spielt ein junger Doppelgänger von Ihnen mit.

Gibson: Sie meinen Milo, meinen Sohn. Ja, unsere Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Er durfte zum ersten Mal unter der Regie seines Alten vor der Kamera stehen (grinst). Aber er bekam keine Extrawürste gebraten und wurde nicht besonders ins Bild gerückt. Er war nur einer der Burschen und hat seine Sache fantastisch gemacht.

Man hört Ihren Stolz.

Gibson: Und ob. Und auf meinen Sohn Christian bin ich ebenfalls stolz. Er war einer meiner Kameramänner. In einer der dramatischsten Kampfszenen im Film steht einer der feindlichen Soldaten lichterloh in Flammen und kommt auf die Kamera zugestürmt. Diese Szene hat Christian gefilmt. Cool.

Vermissen Sie die Zeiten, als Sie noch den Herzensbrecher vor der Kamera mimen durften?

Gibson: Was, bin ich denn keiner mehr (lacht)? Ich kann auf den Druck verzichten, den dieses Etikett mit sich bringt. Ansonsten mache ich mir nichts mehr aus dem Promi-Ruhm – er war nie das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Mein Leben mit Kindern, Romantik und all dem ist in perfektem Zustand und ich bin total happy.

Wenn Sie Ihr Leben Revue passieren lassen – worauf sind Sie am meisten stolz?

Gibson: Ich glaube, ich bin in meinem Beruf gar nicht so schlecht. Und ich bin stolz auf meine Kinder. Sie haben sich alle zu tollen Menschen entwickelt. Ich hoffe, dass es mein neuester Zuwachs ihnen gleichtut.

Darum geht‘s im Film: Ein Pazisfst wird zum Kriegshelden

Hacksaw Ridge - die Entscheidung spielt während des Zweiten Welkrieges. Im Mittelpunkt steht der christlich geprägte US-Soldat Desmond T. Doss (Andrew Garfield), das sechste Gebot „Du sollst nicht töten“ ist für ihn Gesetz. Konsequent verweigert er den Dienst an der Waffe und wird später trotzdem mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Der überzeugte Pazifist rettet als Sanitäter  bei der Schlacht um Okinawa im April 1945 das Leben von 75 seiner Kameraden - indem er sie unter schwerstem Beschuss eigenhändig vom Schlachtfeldrand in Sicherheit schleppt. Regie führte Mel Gibson.

Interview: Dierk Sindermann

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