Der Mensch und Musiker "Herbie" ist zurück

- Stuttgart - Herbert Grönemeyer ist nach jahrelanger Pause in die Konzerthallen zurückgekehrt. Zum offiziellen Auftakt seiner neuen Tournee begeisterte Deutschlands derzeit erfolgreichster Rockmusiker am Sonntagabend in Stuttgart 12 000 Fans mit aktuellen Hits und alten Erfolgen. Schon zwei Tage zuvor hatte er bei einer Generalprobe in Friedrichshafen 10 000 Zuschauer angelockt.

In den kommenden Wochen wird es den 46-jährigen Wahl-Londoner in mindestens zehn weitere Hallen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Frankreich ziehen. Im kommenden Sommer stehen rund 20 Open-Air- Konzerte auf dem Programm. Unter dem Titel "Das Beste von Gestern bis Mensch" werden insgesamt etwa eine halbe Million Menschen erwartet. <P>Schon mit den ersten beiden Songs setzt Grönemeyer die Zeichen für den Abend: "Kein Blick zurück" grölt der gebürtige Göttinger in die ausverkaufte Halle, bevor er seine Fans im zweiten Lied "Komm in die Gänge" zum Applaus-Stakkato anspornt. Fast drei Stunden zeigt sich Grönemeyer dann von seiner besten Seite. Gut gelaunt, typisch tänzelnd und leicht nuschelnd kramt er in der Hitkiste der vergangenen 20 Jahre, erzählt eher ungehobelt von den "Moccaaugen" und heimatverliebt von "Bochum", skizziert die "Männer" und stimmt an zu neuen Erfolgen wie "Mensch".</P><P>Am stärksten menschelt und rührt es freilich bei seiner schwermütigen Ballade "Weg", in der Grönemeyer - im Lichtkegel, begleitet von Feuerzeuggeflacker und einem Dutzend Streicher - unzweideutig, emotionsgeladen und frei von Kitsch an seine 1998 gestorbene Frau Anne erinnert. "Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet, hast jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt", fasst der Witwer seinen Abschiedsschmerz in Worte und legt seine Seele vor Tausenden offen. Nur kurz, versteht sich, dann ist wieder die rebellische Aufbruchstimmung angesagt, die Grönemeyer ebenso ausmacht: "Zum Weinen bleibt noch so viel Zeit. Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht", postuliert er.</P><P>Wie stets zählen bei Grönemeyer weniger Tonqualität und Textsicherheit, sondern vor allem das gemeinsame Feiern und energische Singen der enthusiastisch eingestimmten Masse. Wenn das kehlige "Tief im Westen" erklingt und die Liebesdiagnose "Flugzeuge im Bauch" gestellt wird, wenn Grönemeyer über den halbrunden Bühnensteg hüpft und die Fans anfeuert, das Luftpiano spielt und die Hand hinters Ohr klemmt, dann pocht "Herbie" auf sein größtes Kapital: seine Glaubwürdigkeit. "Das neue Album ist ein Schnappschuss, so sehe ich heute innerlich aus", hatte Grönemeyer vor kurzem bekannt. "Momentan ist wichtig, momentan ist gut", schmettert der blonde Mensch nun, und man nimmt es ihm zweifellos ab.</P><P>Wen stört es bei so viel Offenheit, dass Grönemeyer atemlos klingt, wiederholt seinen Text vergisst oder den Chor der tausend Kehlen immer wieder anstimmt? Grönemeyer zieht es kreuz und quer über die Pop-Bühne, er badet genüsslich im frenetischen Applaus seiner Fangemeinde, einem bunt gemischten Völkchen aus Jung und Alt. In Schwarz gekleidet, presst er sich das typische fast vokalfreie und nasale "Ndangeschön" heraus, ansonsten gibt sich Grönemeyer eher wortkarg. Der zynische und politische Wortakrobat früherer Tage taucht nur selten auf, meist wird in der Welt der tiefen Gefühle gefischt. "Bleibt alles anders", singt Grönemeyer - stimmt: Texte und Melodien mögen sich ändern bei ihm, der "Mensch Herbert" bleibt so alltäglich wie sein Vorname es andeutet.</P><P>Weitere Konzerttermine: 11.11. Nürnberg, 12.11. Leipzig, 14.11. Hannover, 15. und 16.11. Köln, 18. und 19.11. München, 20.11. Zürich, 22. und 23.11. Wien, 25.11. Berlin, 26.11. Amsterdam, 27.11. Paris, ab 11.5.2003 Open-Air-Tournee.</P><P>www.groenemeyer.de</P><BR>

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