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Keine Parodien: Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller Herbig setzt in seinem neuen Streifen „Buddy“ auf weniger Klamauk. Seinen Erfolgsfilm „Der Schuh des Manitu“ betrachtet er heute „wie ein altes Passbild“.

Interview zu "Buddy"-Kinostart

Bully Herbig: "Ich mache heute andere Filme"

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München - Im Interview mit dem "Münchner Merkur" spricht Michael „Bully“ Herbig über Buddy“, das Erwachsenwerden und warum er bei „Mamma Mia“ weinen musste.

Michael „Bully“ Herbig sitzt im „Upside East“, einem Glasbau hoch über der Rosenheimer Straße in München. Traumhafter Blick, der Föhn bläst, und man sieht bis zu den Alpen. Hier ist ein Teil von Herbigs neuem Film „Buddy“ entstanden, der am 25. Dezember in die Kinos kommt. Herbig, der mit „Der Schuh des Manitu“ bekannt wurde, macht wieder mal alles selbst: Er ist Drehbuchautor, Regisseur, Hauptdarsteller und irgendwie auch Marketingchef. Mit der Sitcom „Bully macht Buddy“ wirbt er auf Pro Sieben für den neuen Film. Das München-Panorama musste für „Buddy“ per Spezialeffekt weichen – schließlich spielt der Film in Hamburg. „Hallo, ich bin der Bully“, stellt sich Herbig vor.

In Ihrer Sitcom „Bully macht Buddy“ fragen Investoren, ob im neuen Film auch Indianer mitspielen. Wie viel echtes Leben steckt in der Szene?

Da steckt natürlich ein bisschen Wahrheit drin. Diese Erwartungshaltung mir gegenüber gibt es seit „Manitu“. Das kann Vorteile haben, kann aber auch ein Riesenklotz am Bein sein. Ich habe die Marke Bullyfilm ja nicht erfunden, aber irgendwann konnte sich jeder etwas drunter vorstellen – ob er sie mochte oder nicht. Aber man muss dann auch mit einem enormen Erwartungsdruck umgehen.

Haben Sie die Sorge, dass die Zuschauer auch fragen könnten: Wo waren jetzt die Indianer?

Nein, die Sorge habe ich nicht. Denn ich werde nicht müde, jedem zu sagen, dass es in „Buddy“ keine gibt.

„Buddy“ ist zum ersten Mal kein Bullyfilm, keine Parodie. Haben Sie keine Lust mehr auf Klamauk?

Wenn ich strategisch nach den Regeln des Filmgeschäfts vorgegangen wäre, hätte ich sofort „Manitu 2“ machen müssen. Das hat sich aber nicht richtig angefühlt. Für mich ist ein Film etwas unheimlich Persönliches, meine Filme sind für mich wie Babys. Insofern ist „Buddy“ natürlich ein Bullyfilm, weil ich ihn ja gemacht habe.

Sie sind also wie Ihre Filme erwachsen geworden?

Es wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre. Ich mache natürlich heute mit 45 Jahren nicht mehr dieselben Gags wie mit 20 im Radio. Ich hör’ zwar heute streckenweise immer noch dieselben Gags und denke mir: Okay, der kann’s machen, der ist 20, dem verzeih’ ich  das. Aber wenn ich heute so einen Spruch loslassen würde, wäre das nicht mehr authentisch.

Was hat sich verändert?

Am Drehort: Regisseur Michael „Bully“ Herbig beim Gespräch mit Redakteur Philipp Vetter (li.).

Bei mir hat sich in den vergangenen drei Jahren enorm viel getan. „Wickie“ war ja schon ein zaghafter Versuch, sich von der Parodie wegzubewegen. Dann bin ich selbst Vater geworden, habe es ruhig angehen lassen und war sozusagen auf Fortbildung. Ich habe für Helmut Dietl, Joseph Vilsmaier und Leander Haußmann gespielt, das war eine unfassbar wertvolle Zeit, die mich extrem inspiriert hat. Ohne diese ganzen Erlebnisse würde es „Buddy“ heute gar nicht geben.

Finden  Sie Ihre früheren Filme überhaupt noch lustig?

Absolut! Es ist wie mit alten Passbildern. Man amüsiert sich darüber und sagt: Na ja, so war das halt, mit der Matte auf dem Kopf würde man heute nicht mehr rumlaufen, aber es hat Charme.

Zu welchem Genre gehört „Buddy“?

Das ist schwierig. Ich glaube, er ist eine Liebeskomödie mit etwas Anarchie, Action und viel Musik, deshalb auch keine klassische „romantische Komödie“.

Mögen Sie keine „romantischen Komödien“?

Das würde ich nicht verallgemeinern. Es gibt gute und schlechte.

Ich musste als Genre auch sofort an Til-Schweiger-Komödien denken.

Das wusste ich, dass das kommt. Aber dem würde ich widersprechen. Til hat für sich einen Stil gefunden, der durchaus Nachahmer gefunden hat. Aber ich würde niemals sagen – und ich glaube der Til auch nicht: So ein Film wie „Buddy“ könnte auch ein Til-Schweiger-Film sein. Schon inhaltlich nicht.

Na ja, eine Liebesgeschichte mit Happy End. . .

. . . das hat ja nun nicht Til Schweiger erfunden.

Ein altkluges Kind. . .

Das gab es auch schon bei „Schlaflos in Seattle“.

War der Film das Vorbild?

Nein, es gibt keine Vorbilder, es gibt Inspiration. Alles inspiriert ja irgendwie – vom ersten Hitchcock-Film, den ich gesehen habe, bis zu „Schlaflos in Seattle“. Natürlich schaut man sich vor dem Dreh Filme an, die in eine ähnliche Richtung gehen, zum Beispiel „Crazy Stupid Love“ oder auch „Good Will Hunting“. Ich habe mir aber bewusst keine Filme mit Schutzengeln angeschaut.

Warum nicht?

Da hatte ich Angst, dass mich das zu stark beeinflusst.

Was unterscheidet denn Ihren Buddy von anderen Schutzengeln?

Ich kenne ja nicht so viele Schutzengel. (Lacht.) Der Grundgedanke bei „Buddy“ war: Dieser Schutzengel kann’s nicht, er ist ein Amateur. Das treibt natürlich denjenigen in den Wahnsinn, auf den er aufpassen soll – erst recht, wenn der Schutzengel auch noch so ungeschickt ist, dass er sichtbar wird.

Buddy nennt sich so, weil er im entscheidenden Moment ein Bud-Spencer-Plakat sieht. Warum gerade Bud Spencer?

Natürlich könnte da in der Situation auch eine Heinz-Ketchup-Flasche stehen – aber „Heinz“ ist nicht so der optimale Name für einen Film. Bei der Recherche bin ich darauf gestoßen, dass das „Y“ ein Symbol für Engel ist und aus Buddy lassen sich so hübsche Wortspiele machen wie „Buddy-Guard“.

Er erinnert auch ein bisschen an Bully.

Das war ein angenehmer Nebeneffekt, aber nicht ausschlaggebend.

Ihr Buddy setzt keine Fäuste, sondern Musik als Waffe ein. Warum?

So ein Schutzengel kann ja nicht ins Leben eingreifen, keine Dinge anfassen. Wenn sein Schützling aber nicht so will wie der Schutzengel, muss der irgendwie den Druck erhöhen. Da bleibt nur die Stimme. Jetzt könnte er die ganze Nacht auf ihn einlabern, aber das fand ich langweilig, deshalb bin ich auf die Musik gekommen. In dem Moment war mir auch klar, dass ich ihn selber spielen würde. Ich dachte: Das kann ich einem anderen Darsteller nicht zumuten, das mach’ ich selber.

Aber Sie haben nicht selbst gesungen, oder?

Nein.

Wie bekommt man Musiker dazu, Lieder herzugeben, damit sie als Waffe eingesetzt werden können?

Über die Inhalte. Die Songs im Film kommen von Top-Stars. Die Fantastischen Vier haben noch nie einen Titel-Song für einen Film produziert – diesmal schon. Das empfinde ich als Kompliment. Stevie Wonder ist einer der ganz wenigen Künstler, die noch selbst ihr Einverständnis geben. Wir haben dem Management die Inhaltsangabe zu der Szene geschickt und er hat selbst sein „Go“ gegeben.

Auf dem Soundtrack singt  auch  Howard  Carpendale.

Ja, „Close To You“ wird im Carpenters-Original von einer Frau gesungen. Das konnten wir für „Buddy“ natürlich nicht nehmen. Irgendwann war da die Idee: Lass uns den Song selber produzieren und mir ist dann spontan Howard Carpendale eingefallen.

Hat er nicht gedacht, dass  Sie  ihn veralbern wollen?

Er war am Anfang vielleicht ein bisschen skeptisch, weil er dachte, er wird auf den Arm genommen. Das konnte ich natürlich nachvollziehen, weil ich mit Parodien bekannt geworden bin. Aber man konnte am Telefon schon raushören, dass er ein wahnsinnig humorvoller Typ ist.

Der Film zielt durchaus auch auf die Tränendrüse. Kann Sie ein Film zum Weinen bringen?

Wenn ein Film mich zum Weinen bringt, finde ich das großartig. Ich gehe ja gern ins Kino – und zwar nicht, weil mir langweilig ist, sondern weil ich mich berühren lassen will.

Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

Im Kino zuletzt bei „Extrem laut und unglaublich nah“. Da gab’s diese Szene mit Sandra Bullock und ihrem Sohn, ein Streitgespräch, das hat mich extrem berührt. Aber ich versuche, das dann nicht zu zeigen und ziehe immer ganz leise die Nase hoch. Und zuhause auf der Couch habe ich letztens bei „Mamma Mia“ geweint. Ich könnte jetzt sagen: Weil die Musik so wehgetan hat, stimmt aber nicht. (Lacht.)

Die Idee, mit Musik zu quälen, kommt aus dem Musical-Film über Abba?

Nein, das wäre eine gute Legende, ist aber nicht so. Meine Frau wollte den Film unbedingt anschauen und irgendwann, an einem regnerischen Sonntag, hab’ ich gesagt: Gut, dann schauen wir ihn halt. Dann fing die Olle im Film schon nach zwei Minuten an zu singen, und ich dachte: O Gott, das steh’ ich nicht durch! Aber eine Stunde später hab’ ich auf der Couch gehockt und mir kamen die Tränen. Wenn ein Film das schafft, dass man mit dieser Einstellung rangeht und dann doch berührt wird, ziehe ich echt meinen Hut.

Sie haben mal gesagt, es gibt eine Schublade mit Zetteln auf die Sie Ihre Ideen für Filme schreiben. Verraten Sie uns, was da zurzeit drauf steht?

Nein, ich bin ja nicht irre! (Lacht.)

Wie entscheiden Sie, welchen Film Sie als nächsten drehen?

Das ist immer ein Bauchgefühl. Es hängt sicher auch ein bisschen davon ab, wie „Buddy“ läuft. Wenn das Publikum sich drauf einlässt und Gefallen daran findet, dass ein Bullyfilm auch mal anders sein darf, wäre das motivierend, das Genre-Spektrum noch ein bisschen auszudehnen.

Ein richtig ernster Bullyfilm?

Richtig ernst wird der nächste Film sicher nicht. Ich bin jetzt 45, ich mache andere Filme als mit 20, und mit 60 werde ich andere Filme machen als heute. Ich bin ein großer Bewunderer von Clint Eastwood, der aus einer ähnlichen Schublade kam wie ich und heute mit über 70 seine besten Filme macht. Ich bin sehr neugierig, was noch passieren wird.

Das Gespräch führte Philipp Vetter

Darum geht es bei „Buddy“

 Eddie (Alexander Fehling) führt ein Luxusleben. Als es ihm zu entgleiten droht, taucht Schutzengel Buddy (Michael „Bully“ Herbig) auf, doch der ist anfangs nicht gerade hilfreich. Buddy stellt sich als absoluter Anfänger im Schutzengel-Geschäft ziemlich ungeschickt an. Aber er hat eine Mission: Buddy will Eddie mit Lisa (Mina Tander) verkuppeln.

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