Michael Jackson "abgestempelt"

- Santa Maria/New York - Vier Mal drückte eine blonde Mittfünfzigerin den Amtsstempel auf die schriftliche Anklage wegen Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson. Die Amtshandlung hatte Symbolkraft: Popstar "abgestempelt". Vor den Kameras unzähliger Fernsehstationen begann damit im schlichten Gerichtsgebäude von Santa Maria (Kalifornien) die neue Runde in einem der spektakulärsten Verfahren des Medienzeitalters.

<P>Staatsanwalt Thomas Sneddon wirft Jackson vor, einen zwölfjährigen krebskranken Jungen sieben Mal sexuell missbraucht zu haben.</P><P>Nach der am Donnerstag (Ortszeit) vorgelegten Anklageschrift soll der "King of Pop" das Kind dafür auf seiner Neverland-Ranch in Kalifornien in zwei Fällen gar unter den "Einfluss von Rauschmitteln" gesetzt haben. Rotwein sei es gewesen, wollten US-Medien erfahren haben. Jacksons Mutter wies alle Vorwürfe ebenso kategorisch zurück wie sein Hauptverteidiger Mark Geragos. "Michael ist unschuldig", erklärte Katherine Jackson im Namen der Familie. Die Vorwürfe seien "bösartige Lügen". "Wir beten für Gerechtigkeit und wir danken den Millionen von Fans, die fest zu Michael stehen."</P><P>Geragos warf der Mutter des angeblich missbrauchten Jungen Geldgier und dem Staatsanwalt Rachsucht vor. Sneddon war bereits vor zehn Jahren Missbrauchsvorwürfen gegen den Popstar nachgegangen, musste aber klein beigeben. Jackson erreichte damals mit einer Millionenabfindung, dass die Familie des betroffenen Kindes alle Anschuldigungen zurücknahm.</P><P>Die ohnehin schon bizarre Note des jetzigen Falls wurde am Tag der Anklage durch Meldungen verstärkt, Jackson sei zum moslemischen Glauben übergetreten. Vor dem Büro seiner Anwälte in Los Angeles fanden sich Mitglieder der von Louis Farrakhan geführten "Nation of Islam", der vor allem Afro-Amerikaner angehören, zu Mahnwachen ein.</P><P>"Der Fall bekommt damit einen Rassen- und Religionsaspekt", kommentierte der Fernsehsender Fox. Für diesen Samstag plane Farrakhan eine Solidaritätsbekundung von Mitgliedern der "Nation of Islam", zu denen auch Jacksons Bruder Jermaine gehöre, bei einem Treffen von Angehörigen auf der Neverland-Ranch.</P><P>In der Anklageschrift wird Jackson vorgehalten, er habe sich an dem Kind vergangen "in der Absicht, sich zu erregen, seine Sinneslust, Leidenschaft und sexuellen Bedürfnisse anzustacheln und zu befriedigen". Die Anklage stützt sich in weiten Teilen auf Aussagen des Kindes.</P><P>Der Popstar muss am 16. Januar vor Gericht erklären, ob er sich schuldig oder unschuldig bekennt. Bei einer Verurteilung in allen neun Fällen droht ihm eine Haftstrafe von mehr als 20 Jahren. Für die Fernsehsender sei der Fall ein Riesengeschäft, schrieb das Magazin "Entertainment Weekly". Die Einschaltquoten und damit die Werbeeinnahmen bei Jackson-Sendungen seien überdurchschnittlich.</P><P>Jackson will sich von der Aufregung bei einem Weihnachtsurlaub in Großbritannien erholen - dem einzigen Land, in dem sein neues Album "Number Ones" mit 17 alten Hits kurzzeitig den ersten Platz der Charts erreichte. Nach Angaben Sneddons könnten die Behörden die Kaution von drei Millionen Dollar und Teile des Vermögens von Jackson beschlagnahmen, wenn er nicht bis zum 6. Januar zurückkehrt. Ein neues Gerücht in diesem an Spekulationen reichen Fall streute der Sender Fox: "Will Michael sich von England nach Frankreich absetzen?"</P><BR>

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