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Hat schon viel erlebt: Schauspielerin Michaela May wird am Samstag 65 Jahre alt.

Schauspielerin wird Samstag 65 Jahre alt

Michaela May im tz-Interview: „In München fühle ich mich zu Hause“

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München - Am Samstag feiert Michaela May ihren 65. Geburtstag. Vorher verrät sie im tz-Interview, was ihr München, Afrika oder Glück bedeuten.

Sie drehte Krimis und Komödien, stand auf der Bühne und vor der Filmkamera - wohl kaum eine Schauspielerin ihrer Generation hat sich so in die Herzen ihres Publikums gespielt wie Michaela May. Schon mit zwölf Jahren verzauberte sie in „Onkel Toms Hütte“ die Kinogänger, doch erst der Filmemacher Helmut Dietl überzeugte sie endgültig davon, „dass die Schauspielerei das Richtige für mich ist“. An diesem Samstag wird May 65 Jahre alt. Zeit für eine erste Lebensbilanz in Schlagworten.

Über München

„Hier bin ich geboren, die Familien meiner Eltern kommen seit Generationen aus dieser Stadt. Mit dem ,Schickimicki‘-Klischee kann ich nichts anfangen. Arrogante Pinsel gibt’s auch in Berlin, Hamburg, Köln oder Frankfurt. Wie sehr man einen Ort mag, hat damit zu tun, wie tief man eintaucht, wie lange man bleibt. Dass ich mich in München zu Hause fühle, hat natürlich mit der Stadt selbst zu tun, mit der Umgebung, den Seen, den Bergen, aber vor allem mit den Menschen, zu denen ich eine Beziehung habe, mit der Familie, mit Freunden.“

Über das Leben als Kinderstar

„Den Begriff ,Kinderstar‘ mag ich nicht, ich habe mich auch nie so empfunden. Klar bin ich durch die Filmerei sehr früh rausgekommen. Weil ich schon mit zehn oder elf ohne meine Eltern unterwegs war, habe ich Selbstständigkeit gelernt und Lust bekommen, die Welt kennenzulernen. Auf der anderen Seite habe ich daheim auch viel versäumt. Als meine Freundinnen schon von ihren Freunden abgeholt wurden, war ich noch eine Art konserviertes Kind. Deswegen bin ich auch wieder in die Schule gegangen, die ich nach der 10. Klasse verlassen hatte. Ich wollte das ganz normale Leben wiederhaben. Deswegen habe ich die Fachschule für Sozialpädagogik absolviert.“

Über Afrika

„Diese Reise hat meinen Blick vor allem darauf gerichtet, was der Mensch ist und was er braucht. Wir haben Gegenden bereist, in denen die Menschen noch kaum Weiße gesehen haben. Wir haben miteinander kommuniziert, ohne die Sprache des anderen zu können, und es hat trotzdem funktioniert. Ich habe gesehen, wie wenig man haben muss, um glücklich zu sein. Ich habe später auch versucht, meinen Töchtern das Reisen nahezubringen - mit Erfolg. Aber in 30 Jahren hat sich viel verändert, solche unberührten Flecken, wie wir sie gefunden haben, gibt es heute nicht mehr.“

Über Helmut Dietl

„Der hat damals mit dem Drehen der ,Münchner Geschichten‘ gewartet, bis ich aus Afrika zurück war. Dafür bin ich ihm ewig dankbar. Helmut Dietl hat die Seele des jungen München ins Fernsehen gebracht, so etwas gab es vorher nicht. Nicht das Krachlederne, sondern das Rebellische, auch das Melancholische. Es gibt keinen aus der Generation, der das so gut getroffen hat, vor allem in seinen Serien. Der Dietl ist für mich der Karl Valentin meiner Zeit. Ein ganz großer Poet.

Über den „Polizeiruf 110“

„Damit verbinde ich eine tolle Zusammenarbeit mit Edgar Selge, der vom Theater kam, außerdem interessante Stoffe von Jugendkriminalität bis zu den Ängsten eines Polizisten, gute Bücher. Das waren 17 tolle Filme, einige davon preisgekrönt. Mit dem ,Polizeiruf‘ verbinde ich auch hervorragende Regisseure - Dominik Graf, Andreas Kleinert, Eoin Moore. Und natürlich habe ich dadurch meinen Mann kennengelernt (Bernd Schadewald, Red.).

Über den Begriff „Volksschauspielerin“

„Ich glaube, dass dieses Attribut auf mich nicht zutrifft. Natürlich spiele ich gerne bayerische Sachen, das sind meine tiefsten Wurzeln. Ich glaube auch, dass ich, wenn ich im Dialekt spiele, eine andere Schauspielerin bin. Aber ich habe immer versucht, dem rein Bayerischen zu entfliehen, ich habe in Hamburg Theater gespielt und in Paris gedreht. Es war mir immer wichtig, nicht in einer Schublade zu landen, nicht auf eine Stadt oder ein Genre reduziert zu werden. Darauf führe ich zurück, dass ich bis heute in meinem Beruf arbeiten und alles spielen darf.“

Über unerfüllte Wünsche

„Ich habe gerade das sechste Hörbuch gemacht mit einem Alpenkrimi von Nicola Förg. Die Kommissarin, die ich da lese, die Irmi Mangold, ist eine Figur, die ich wahnsinnig gerne auch im Fernsehen spielen würde. Das ist ein Projekt, das ich gerade zu realisieren versuche. Ansonsten bin ich für alles offen, für Perlen wie ,Familienfest‘, für Filme, die nichts mit Krimi zu tun haben, sondern tiefe menschliche Konflikte zeigen. Das sind die Rollen, die mich interessieren.“

Über Glück

(Überlegt lange) „Glück ist, dass ich da bin.“

Interview: Rudolf Ogiermann

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