Michel Friedmans TV-Comeback

- Berlin - Der Mann ist in seinem Element. Auch als das rote "On Air"-Lämpchen längst erloschen und die Aufzeichnung der Sendung vorbei ist, redet er mit seinen Gästen weiter, gestikuliert, argumentiert.

<P>Dann schreitet Michel Friedman aus dem Studio, verteilt Küsschen, herzt die Crew und schüttelt Hände, wie ein Boxer, der nach einem Sieg aus dem Ring steigt. "Grüß zu Haus", ruft er Bayerns Innenminister Günther Beckstein hinterher. Jeder Schritt, jedes Wort sagt: Seht her - ich, Michel Friedman, bin wieder da. Mit einer Talkshow beim Bezahlsender 13th Street versucht er sein Fernsehcomeback; am 15. März wird die erste Folge ausgestrahlt.</P><P>Michel Friedman, früher Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und erfolgreicher Moderator, ist tief gefallen im vergangenen Jahr. Nach der Affäre um Kokain und Prostituierte legte er im Sommer seine Ämter nieder, akzeptierte einen Strafbefehl wegen Drogenbesitzes und entschuldigte sich öffentlich. Dann kamen die ersten Schritte zurück ins Rampenlicht: Er wurde Herausgeber politischer Bücher beim Aufbau-Verlag und trat bei "Sabine Christiansen" auf.</P><P>Auch ein Dreivierteljahr nach dem Skandal sitzt der Schmerz noch tief, die Erinnerung an die Peinlichkeit bleibt. Das ist zu ahnen, wenn Friedman an seiner Zigarette zieht und sorgfältig die Worte abwägt. "Der Mensch besteht aus vielen Erfahrungen, im Guten wie im Schlechten", sagt er. "Das Leben besteht aus unterschiedlichen Kapiteln, die das Leben schreibt und die man selber schreibt. Auf dieses Kapitel bin ich weiß Gott nicht stolz."</P><P>Die "zweite Chance", um die er öffentlich gebeten hat, hat er schon bekommen. Seine Freundin, die Fernsehmoderatorin Bärbel Schäfer, hielt zu ihm. Bei der Aufzeichnung in Berlin wartet sie im Studio auf ihn, ebenso wie eine Riege von Bodyguards. Auf dem Weg zum Gespräch ins Hotel Adlon drückt jemand Friedman noch schnell ein Geburtstagsgeschenk in die Hand. 48 Jahre alt ist er gerade geworden. Wer in seinem gebräunten Gesicht nach Spuren der Anstrengung oder Aufregung sucht, wird sie nicht finden.</P><P>Und doch: "Ich habe Herzklopfen und Lampenfieber", sagt er und rutscht auf dem Sessel in der Hotellobby nach vorn. Seine neue Sendung heißt "Im Zweifel für...Friedmans Talk" und läuft alle zwei Wochen montags um 21.45 Uhr begleitend zur US-Krimiserie "Law & Order". Für ihn sei das rechtspolitische Format "eine wundervolle Chance". "Ich arbeite gerne als Fernsehjournalist." 22 Folgen sind fest geplant.</P><P>Auf der Gästeliste stehen Peter Scholl-Latour, Volker Beck, John Kornblum und Gunther von Hagens, die mit dem Juristen Friedman über Rechtsthemen diskutieren. Die Sendung wird von Sabine Christiansens Firma TV21 produziert und erreicht zwischen 100 000 und 180 000 Zuschauer. Früher war der Moderator für seine aggressive, körperbetonte Gesprächsführung bekannt, seine Sendung beim Hessischen Rundfunk hieß "Vorsicht! Friedman". Was wird jetzt anders? "Das Format hilft mir, nachdenklicher und ein Stück in der Form ruhiger zu werden."</P><P>Angst vor Öffentlichkeit scheint er nicht zu haben, auch nicht davor, immer wieder auf die Affäre angesprochen zu werden. "Es gehört nun leider, aber doch zu meiner Biografie. Aber das ist nicht der ganze Michel Friedman." Es auszublenden, wäre für ihn "unreif", aber er möchte nicht auf diesen Skandal reduziert werden. "Ich bin mehr als ein Ausschnitt. Das war ein Ausschnitt, der in meiner Biografie ein Tiefpunkt war." Und was ist mit einem Comeback als Politiker? "Kommt Zeit, kommt Rat. Momentan ist das nicht auf der Tagesordnung." Dann wiederholt er den letzten Satz noch einmal, vorsichtshalber.</P>

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