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Mike Tyson hat dem Alkohol und den Drogen abgeschworen.

Interview mit dem Boxer

Tyson über Plastik-Penis, Abstinenz, Allah

Los Angeles - Mike Tyson war mal als Bösewicht verschrien. Der ohrenebeißende ehemalige Box-Weltmeister mit dem Gesichts-Tattoo hat aber eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

Er hatte sich einst den Ruf verdient, der "baddest man in the world " zu sein. Aber heutzutage ist Mike Tyson alles andere als ein Bösewicht. Er laechelt höflich, spricht seinen Gesprächspartner bei jedem Satz mit "Sir" an und entschuldigt sich oft für die Fehler der Vergangenheit. Nur eines passt nicht ins Bild: Zum Interview ist er (bis auf die schneeweißen Sportschuhe) ganz in Schwarz erschienen. Gibt es etwa einen traurigen Anlass? Ganz im Gegenteil. "Ich feier heute ein Jubiläum", strahlt der zum Sonnyboy konvertierte Bad Boy. Es ist der 100. Tag, an dem er weder Alkohol noch Drogen konsumiert hat.

In der Vergangenheit hatten Sie immer wieder Rückfälle.

Mike Tyson: Ich hoffe, diesmal nicht. Aber ich bin nun mal nur ein Mensch und alles ist möglich. Ich bin der Typ, der nach fünf, sechs, sieben Jahren wieder schwach werden kann. Diese Krankheit in mir ist sehr stark und wischt mir immer wieder eins aus.

Wie halten Sie Ihren inneren Dämon im Schach?

MT: Ich gehe zu den Anonymen Alkoholikern. Was genauso viel hilft ist, beschäftigt zu bleiben. So wie ich gerade mit meiner Buch-Tour, meiner Frau und meinen Kindern. Mein vollgepacktes Leben ist eine große Hilfe und ich bin dafür sehr dankbar. Ich bin glücklicher denn je.

Also gäbe es keinen Grund dafür, wieder zur Flasche oder zu Drogen zu greifen.

MT: Die Depressionen, die ich in der Vergangenheit hatte, kamen auch ohne Grund. Das liegt daran, dass ich psychisch krank bin.

Gibt es eine bestimmte Diagnose?

MT: Nein. Aber ich bin mir sicher, dass ich krank bin. Normale Menschen würden niemals so denken wie ich. Und sie würden sich niemals selbst in die Drogenhölle stürzen. Zum Glück habe ich mich gerade auch mental gut im Griff.

Wieviel Verdienst Ihre Frau daran?

MT: Sehr viel. Lakiha hat mir gezeigt, was Liebe bedeutet. Ich konnte mir das früher nie erklaeren, was Liebe ist. Erst seitdem sie in meinem Leben ist, habe ich es am eigenen Leib erfahren. Deshalb hat sie meine unendliche Loyalität bis zum letzten Atemzug.

Hand auf Herz, vermissen Sie nicht manchmal die alten Zeiten als der Bad Boy schlechthin?

MT: Überhaupt nicht. Es war ein anderes Leben. Dieser Typ existiert nicht mehr.

Sie haben grade mit Evander Holyfield einen Werbespot gedreht, in dem Sie ihm als Gag sein Ohr zurückbringen. Sind Sie inzwischen Freunde?

MT: Ich würde nicht sagen Freunde, aber wir gehen freundlich miteinander um.

Wie hat das Ohr damals eigentlich geschmeckt? Wie Hähnchen?

MT: Oh nein, es schmeckte schlimm. Überhaupt nicht gut. Ich kann es nicht empfehlen (grinst).

Eine andere Anekdote aus Ihren Boxzeiten besagt, dass sie immer einen künstlichen Penis dabei hatten.

MT: Ja, fuer Dopingkontrollen. Ich habe damals Marihuana geraucht und das blieb bis zu 40 Tage im Körper. Weil ich nicht erwischt werden wollte, habe ich mir einen künstlichen Penis besorgt, den ich Whizzo genannt habe. Wenn Doping-Kontrolle war, habe ich den aus der Hose gezogen. Er hatte ein kleines Depot mit dem Urin meiner Frau. Ich habe immer gebetet, dass sie nicht schwanger ist. Sonst wäre es aufgefallen.

Nach ihrer Boxkarriere wurden Sie von Hollywood entdeckt. Wie schwer ist Ihnen das Schauspielern gefallen?

MT: Gar nicht. Ich war schon immer der geborene Showman und mochte die Aufmerksamkeit. Das hab ich von meinem Vater. Ich liebe es, Leute zu unterhalten.

Nehmen Sie die Schauspielerei wirklich ernst? 

MT: Ja, sehr. Ich arbeite sehr hart daran. Nichts ist einfach für mich. Es ist für mich Teil meines neuen Lebens. Viele Kids kennen mich heute nur noch als den Typ aus „Hangover“ – vom Boxer Mike Tyson haben sie nie gehört. Ich bin sehr glücklich darüber!

Haben Sie eine Filmrolle in Aussicht?

MT: Ja, aber ich mag noch nicht darüber reden. Nur soviel: Es ist ein Film von Regisseur Werner Herzog. Ich bewundere ihn sehr.

Haben Sie aus alten Fehlern gelernt?

MT: Aus manchen. Beim Geld zum Beispiel werde ich nie schlau werden. Sobald ich etwas davon in der Hand habe, gebe ich es sofort aus.

Was machen Sie denn dagegen?

MT: Ich überlasse alles Finanzielle meiner Frau. Deshalb habe ich nicht mehr die selben Probleme wie früher (lacht).

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie viele Ihrer schlechten Eigenschaften von Ihrer Mutter mit auf den Weg bekommen haben.

MT: Das stimmt. Sie hatte Probleme, mit dem Leben umzugehen und das hat sie an mich weitergegeben. Ob es mein schlechter Umgang mit Geld ist oder die vulgären Dinge, die aus meinem Mund sprudeln. Ich konnte es ihr nie recht machen und das war hart. Und dennoch: Ich habe sie geliebt und tu es bis heute.

Haben Sie überhaupt eine glückliche Erinnerung an Ihre Kindheit?

MT: Nein. Nicht wie man glücklich definieren sollte. Ich kann mich nur an ein Glücksgefühl erinnern, als ich nach einem Diebstahl weggerannt bin. Der Typ, der mich verfolgt hat, war mir dicht auf den Fersen - bis er von einem Auto umgefahren wurde. Ich war damals sehr happy und erinnere mich sehr gut daran.

Gibt es etwas, wovor sich ein Mike Tyson fürchtet?

MT: Davor, als Vater und guter Ehemann zu versagen. Ich will nicht wieder Ehe und Beziehung zu meinen Kindern zerstören, wie ich es schon einmal zuvor getan habe.

Bereuen Sie das?

MT: Ich fühle keine Reue. Alles was ich getan habe, hat mir geholfen, die Person zu werden, die ich heute bin.

Es gibt die Story, wonach sie einst Ihre Ex-Frau Robin Givens mit Brad Pitt erwischt habe. Stimmt die?

MT: Ja. Und ich habe damals echt geglaubt, meine Ex würde mit einer Frau rummachen. Brad sah so perfekt gut aus und hatte lange Haare, da konnte man das auf die Entfernung verwechseln. (lacht) Was nicht stimmt ist, dass er vor Angst in die Hose gemacht hat. Wir haben nur „Hi“ zueinander gesagt. Er schien "high" zu sein.

Seit Sie im Knast waren, sind Sie ein bekennendes Mitglied der schwarzen Muslimgemeinde.

MT: Korrektur, ich bin ein bekennender Muslim, der schwarz ist. Das ist nicht das selbe. Ich bin nicht politisch. Für mich ist jeder Muslim, der an Allah glaubt, gleich. Und ich respektiere ihn, egal welche Hautfarbe. Ich respektiere alle Menschen, Christen, Juden. Religion ist für mich eine persönliche Sache zwischen dem Herrn und mir.

D. Sindermann

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