Vom Milchbubi zum Melancholiker

Musik: - Hamburg - Der Kuscheltier-Hagel ist vorüber, und kreischende Mädchen sammeln sich auch nicht mehr um ihn. Das Haar zur Seite gescheitelt, im weißen Hemd und schwarzen Sakko wartet Kim Frank auf sein Konzert an einer Hamburger Bühne. Nach fast fünf Jahren auf Tauchstation hat der frühere Sänger der Teenager-Popband Echt mit dem Album "Hellblau" sein Solodebüt absolviert. Aus dem Milchbubi und Mädchenschwarm ist ein ausgewachsener Melancholiker geworden.

"Als ich geboren wurde, sah es zuerst nicht gut für mich aus. Klein, krank und blau kam ich zur Welt", schreibt der 24 Jahre alte Flensburger auf seiner Internetseite. 1998, als Kim 16 war, folgte dann mit der Schulband Echt die steile Karriere als Teenager-Star. Hits wie "Du trägst keine Liebe in dir" und das Rio-Reiser-Cover "Junimond" dudelten die Charts rauf und runter.

Mit dem letzten gemeinsamen Echt-Album "Recorder" ging es dann bergab. "Wir haben vor der Platte schon gewusst, dass wir uns trennen und haben das dann nur noch durchgezogen. Das haben die Leute wohl gemerkt", sagt Kim Frank heute. Was dann kam, beschreiben die einen als "Absturz" oder "Depression". Kim Frank nennt es die "Phase der Verarbeitung". Nach der Auflösung der Band im Jahr 2002 kam die Trennung von seiner damaligen Freundin.

Es sei "schrecklich" gewesen, aber "ich fiel nicht in ein tiefes Loch. Und ich war auch nicht drogensüchtig - nicht mal annähernd", sagt er mit Blick auf Berichte, er sei tagelang zugedröhnt gewesen. Er zog schließlich von Hamburg in ein Bauernhaus an der Ostsee und bastelte jahrelang an dem Soloalbum.

Zwar klingt der Titel "Hellblau" leicht und fröhlich, doch durchziehen das neue Album vor allem Schmerz, Liebe, Trennung und Einsamkeit. Die erste Single "Lara" taugt somit auch gleich als Ohrwurm für Liebesgeplagte: "Vorbei, vorbei, die Zeit zu zweit, ich fühl' mich bereit für die Traurigkeit." "Sehnsucht und Melancholie sind die Essenz von Popmusik", erklärt Kim Frank. Und manche Frauen keine schlechte Inspiration dafür. "Es gibt Frauen, da kommst du auf die besten Ideen, nur weil sie dasitzen. Die inspirieren dich in den schnödesten Momenten."

Das Leid ist für ihn, der derzeit auch privat solo ist, nicht nur stetiger Quell neuer Ideen, sondern auch Koketterie. "Killer der Kreativität ist Gleichströmigkeit. Wenn alles ganz gut ist, wie es ist, dann bist du nicht kreativ. Dann muss man das Leiden irgendwie selbst provozieren." Wenig erbaulich klingt dann auch sein persönliches Lieblingslied der neuen Platte, "Für schlechte Zeiten": "Ich kann und will nicht mehr, mein Leben gibt nichts her. Ob's jemals anders war, ist nicht mehr klar."

Trotz der frustigen Zeilen will Kim Frank mit seinem soften und eingängigen Gitarren-Pop wieder Deutschland erobern. "Live spielen ist wie Sex. Das hat mir sehr gefehlt." Am 21. Mai beginnt voraussichtlich seine Tour in Flensburg. Konzerte sind auch in Hamburg, Berlin, München, Köln und Dresden geplant. Und kommendes Jahr will er dann eine neue Platte herausbringen.

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