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Vom Suchen und Finden der Satire: Helmut Dietl.

Zum 65. Geburtstag von Helmut Dietl

Der Meister der Gesellschaftskritik

Helmut Dietl begeistert mit einigen der kultigsten bayerischen Kinostreifen und Fernsehreihen wie „Kir Royal“, „Monaco Franze“, „Schtonk“ oder „Rossini“. Am Montag wird der oberbayerische Regisseur 65.

Er hat der Münchner Schickeria den Spiegel vorgehalten, sich über die gefälschten Hitler-Tagebücher lustig gemacht und über das „Suchen und Finden der Liebe“ sinniert. „Ich mache meine Filme allein über das, was mich beschäftigt“, sagt Regisseur Helmut Dietl. Und: „Wenn wir in Deutschland rein privatwirtschaftlich finanzierte Filme machen müssten, dann wäre Scheiße Trumpf.“ Am Montag feiert der geistige Vater der Kultfilme „Schtonk“ (1992) und „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997) seinen 65. Geburtstag.

Schon Ende der 70er wurde er von Filmkritikern als „deutsche Antwort auf Woody Allen“ gefeiert. Ebenso wie Allen deckt der im oberbayerischen Wiessee geborene Dietl mit Vorliebe und Ironie menschliche Schwächen auf und beleuchtet gesellschaftliche Kuriositäten. Als „Meister der pointierten Satire und Gesellschaftskritik“ hat ihn Kulturstaatsminister Bernd Neumann ( CDU ) nun gewürdigt. Seine Filme seien – bei aller Komik – genau beobachtete und stilsicher inszenierte Blicke auf die Wirklichkeit.

Berühmt wurde Dietl mit den Serien „Monaco Franze“ (1983) und „Kir Royal“ (1986). Zu letzterer sei Dietl vom Papst inspiriert worden, sagte WDR-Redakteur Jörn Klamroth einmal. 1984 hätten Dietl und er ein Foto betrachtet, auf dem der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, Franz-Josef Strauß und ein in München bekannter Gauner abgebildet waren. „Wir beschlossen daher: Das ist Stoff für eine neue Gesellschaftssatire“, erinnert sich Klamroth. Dietl will die erfolgreiche Fernsehserie im kommenden Jahr mit Michael „Bully“ Herbig in der Hauptrolle neu verfilmen.

Doch es sind nicht nur die anderen, die Dietl in seinen Filmen beschäftigen. 2005 kam mit „Vom Suchen und Finden der Liebe“, einer modernen Adaption des Stoffes von Orpheus und Eurydike, eine sehr persönliche Komödie in die Kinos. Das Drehbuch dazu schrieb „Das Parfum“-Autor Patrick Süskind, der mit Dietl befreundet ist.

Dietl selbst war viermal verheiratet und hat drei Kinder mit verschiedenen Frauen. „Man darf nicht den Glauben an die große Liebe verlieren, selbst wenn die Erfahrung das Gegenteil lehrt“, sagt der Regisseur, der zehn Jahre an der Seite von „Superweib“ Veronica Ferres verbrachte. „Oder man kann sich gleich hinsetzen und auf den Tod warten.“

Dietl kam nach dem Abitur an einem Schwabinger Gymnasium, einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und einem Abstecher in die Münchner Kammerspiele zu Film und Fernsehen. 1973 debütierte er mit den nun legendären „Münchner Geschichten“ im Vorabendprogramm. 1979 kam sein Film „Der Durchdreher“ in die Kinos und wurde mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Beflügelt von diesem Erfolg versuchte Dietl Anfang der 80er sein Glück in Hollywood. Er kam aber schnell wieder zurück – und wurde in Deutschland zu einem der erfolgreichsten und populärsten Film- und Fernsehmacher. Seine Leidenschaft fürs Filmemachen beschrieb Dietl 2005 im Männermagazin „GQ“ so: „Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht.“

Britta Schultejans

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