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Eva Herman im Hamburger Landesarbeitsgericht.

Eva Herman scheitert mit Klage

Rund anderthalb Jahre nach ihren umstrittenen Äußerungen über die Nazi-Zeit hat Eva Herman den Kampf um ihren Job als “Tagesschau“-Sprecherin verloren.

Das Hamburger Landesarbeitsgericht wies am Mittwoch ihre Klage gegen den Norddeutschen Rundfunk (NDR) in der Berufungsinstanz zurück. Die Richter hielten der 50-Jährigen aber nicht ihre damaligen Äußerungen vor, sondern entschieden, dass ihre Tätigkeit für den Sender nicht dem Kündigungsschutz unterliege. “Es ist kein Arbeitsverhältnis gewesen, sondern eine freie Mitarbeit“, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Schaude in der Urteilsbegründung. Damit sei die Kündigung rechtens.

Das Gericht ließ keine Revision zu. Die Moderatorin muss die Kosten für das Verfahren tragen.

Ihr Anwalt kündigte an, weitere rechtliche Schritte zu prüfen. Er könne jetzt nur noch eine Nicht-Zulassungsbeschwerde prüfen, um vor das Bundesarbeitsgericht ziehen zu können.

Die Ex-“Tagesschau“-Sprecherin, die persönlich erschienen war, wollte sich nach dem Urteil nicht äußern. Auch ihr Buchungsagent wollte auf die Frage der AP nach Hermans derzeitiger Beschäftigung keine Angaben machen. Herman war 2007 wegen umstrittener Äußerungen über die Nazi-Zeit in die Schlagzeilen geraten. Der NDR, für den sie 20 Jahre gearbeitet und neben der “Tagesschau“ auch die Talk-Sendung “Herman und Tietjen“ moderiert hatte, kündigte ihr.

Hermans Klage gegen die Kündigung wies das Hamburger Arbeitsgericht im April 2008 mit der Begründung ab, es habe kein Arbeitsverhältnis gegeben. Dagegen legte sie Berufung ein.

Äußerungen zur Nazi-Zeit spielten keine Rolle

Das Landesarbeitsgericht musste nun darüber befinden, ob ein Arbeitsverhältnis bestanden hat. Es betonte am Mittwoch, die nun getroffene Entscheidung habe nichts mit Hermans Äußerungen zu tun: “Die Kammer hatte den Parteien von Anfang an mitgeteilt, dass die von Frau Herman gemachten Äußerungen im Wesentlichen zur Rolle der Mutter in der NS-Zeit als Kündigungsgrund nicht reichen würden, denn sie verherrlichten nicht das NS-Regime“, hieß es in einer Erklärung.

Fotostrecke: Naziaussagen von Promis

Die Nazi-Aussagen der Promis

Laut Gericht war ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Entscheidung, ob der Sender vollständig über die Arbeitskraft disponieren konnte oder ob die Einsätze im Wesentlichen abgestimmt wurden.

Herman hatte stets behauptet, fest in die betrieblichen Abläufe eingebunden gewesen zu sein. Der NDR betonte hingegen, es habe ein “Absprachesystem“ für die Sprecher gegeben. Das Gericht folgte dieser Ansicht unter Berufung auf die Zeugenaussagen anderer “Tagesschau“-Sprecher, wie Jan Hofer, Jens Riewa und Ex-Chefsprecher Jo Brauner, der am Mittwoch als Zeuge aussagte.

Der Vorsitzende Richter betonte, es sei davon auszugehen, “dass Sprecher und Sprecherinnen beim NDR in einer Art Selbstorganisation ihre Einsätze abgesprochen und im Einsatzplan des Chefsprechers eingetragen haben“.

“Wechselspiel“ von Vorgaben

Eva Herman sagte aus, zwar zuletzt einen erheblichen Teil ihrer Dienste abgegeben zu haben. Dies sei jedoch auf eine Erkrankung ihres Sohnes zurückzuführen gewesen und einvernehmlich mit den Kollegen geschehen. Zudem hätte sie Nebentätigkeiten vom NDR genehmigen lassen müssen.

Diese Frage sah das Gericht jedoch als unwesentlich an. Es betonte vielmehr, die Sprecher hätten “ein Team mit gleichgelagertem Interesse“ gebildet, bei dem jeder daran interessiert gewesen sei, dass das System funktioniere. Die Einteilung der Dienste sei “ein Wechselspiel“ zwischen den Vorgaben der Sprecher und den Maßgaben des Senders gewesen.

Dieser “Ablauf von Angebot und Annahme“ ebenso wie die starke Berücksichtigung von Wünschen der Sprecher seien “untypisch für ein Arbeitsverhältnis.“ Das Urteil kam ziemlich überraschend, nachdem das Gericht bei früheren Verhandlungsterminen den Eindruck erweckt hatte, als sähe es ein Arbeitsverhältnis als gegeben.  (AP)

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