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Regisseur Christoph Schlingensief mit seiner Freundin Aino Laberenz.

Schlingensief: Fieber, Hochzeit und Bayreuth-Attacken

Berlin - Der an Krebs erkrankte Theaterregisseur Christoph Schlingensief plant die Hochzeit mit seiner Verlobten Aino und stürzt sich in neue Theaterprojekte.

Das verkündete er bei Beckmann in der ARD-Talkshow am Montagabend. Aber schon Stunden später holte ihn die Wirklichkeit mit hohem Fieber wieder ein, so dass er am nächsten Morgen im Prater der Berliner Volksbühne in Prenzlauer Berg an der Vorstellung seines “Tagebuchs einer Krebserkrankung“ als “Hauptdarsteller“ nicht teilnehmen konnte. 

Nach der Rückkehr von der TV-Aufzeichnung in Hamburg “in entspannter Stimmung“ habe der 48 Jahre alte Regisseur einen Rückfall erlitten und hohes Fieber bekommen, teilte sein Verleger Helge Malchow sichtlich betroffen mit. “Das ist keine Provokation oder Aggression, sondern einfach seinem gesundheitlichen Umstand geschuldet. Seine Grundstimmung ist aber eigentlich positiv und optimistisch.“

In der Tat ist Schlingensiefs Devise jetzt erst recht “arbeiten, rausgehen, nicht depressiv werden“, wie er bei Beckmann betonte, wo die Autorin Elke Heidenreich ihm auf besondere Weise Mut machte - auch sie habe wie Schlingensief nur noch eine halbe Lunge, “und zwar seit 1966 mit 23 Jahren, und es geht doch prima wie man sieht“.

Aber mit Rückschlägen muss Schlingensief leben, er unterzieht sich einer Behandlung mit einem speziellen Krebsmedikament, das die Metastasen zum Verschwinden gebracht habe, wie sein Verleger in Berlin mitteilte. Das erlaube “einen optimistischen Blick nach vorn“, aber es gebe unliebsame Nebeneffekte.

Dennoch hat der Theater- und Filmregisseur (“Das deutsche Kettensägenmassaker“) Ende vergangenen Jahres begonnen, Abschiedsbriefe zu schreiben und da ist auch ständig die “wahnsinnige Angst, irgendwann alleine in diesen dunklen Tunnel gehen zu müssen“. Aber es sei auch “völliger Schwachsinn, sich zu überlegen, ob man nach seinem Tod im Himmel schwebt oder in der Hölle schmort“.

Und bevor es soweit sein sollte (“Ich will noch 35 Mal Weihnachten feiern“) gibt es noch eine “Rechnung“ mit Bayreuth zu begleichen, dem Ort seines vielleicht größten Triumphes mit seiner “Parsifal“- Inszenierung von 2004 bis 2007. “Das ist ja ein Abschiedswerk von Wagner, wo das Christentum in eine Kaugummifabrik überführt wird“, wie er bei Beckmann sagte. ““Zum letzten Liebesmahle, gerüstet Tag für Tag.“ Wer da nicht bekloppt wird...Ich glaube, dass die Leute Bayreuth missverstehen.“ Dennoch hätte er dort noch gerne den “Tristan“ inszeniert, “aber den hat mir Katharina (Wagner) leider weggeschnappt“.

Nach den letzten Diagnosen scheine festzustehen, dass sein Krebs tatsächlich im ersten Jahr von Bayreuth 2004 begonnen hat. “Bayreuth ist ein Regiment von Leuten, ich bezeichne die mal als eine kleine faschistische Armee, man wird überwacht und abgehört und so weiter.“ Schlingensief würde gerne sein eigenes Festspielhaus errichten, und zwar in Afrika. Deswegen fährt er in Kürze auch wieder nach Burkina Faso.

Unterstützung für sein Projekt erhält er nach eigenen Angaben jetzt auch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), dem der Kontinent am Herzen liege. Vielleicht wird vorher noch geheiratet, “und sei es für drei Stunden oder nur 30 Sekunden, das ist dann ein Leben“, wie Schlingensief bei Beckmann sagte.

dpa

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