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Viele Menschen leiden tatsächlich unter Sexsucht (Symbolfoto)

Sexsucht: Was hinter der neuen Promi-Krankheit steckt

Frankfurt/Main - Unter unseren Promis grassiert eine ominöse Krankheit, die die Stars reihenweise und scheinbar willenlos in die Betten unzähliger Frauen treibt: Sexsucht.

Klingt nach einer bequemen Ausrede für zahlreiche Seitensprünge. Oder verbirgt sich hinter so manchem notorischen Fremdgänger tatsächlich ein Suchtopfer?

Wir wollten wissen, ob Sex wirklich zur Droge werden kann und haben uns mit der Frankfurter Sexualtherapeutin Bettina von Schorlemer über das Thema ­unterhalten.

Frau von Schorlemer, gibt es wirklich die Krankheit ­Sexsucht oder ist das nur eine faule Ausrede?

Von Schorlemer: Ja, die gibt es, auch wenn der Ausdruck Sexsucht eher umgangssprachlich ist. In der Fachsprache nennt man das Hypersexualität. Die gehört zu den sogenannten Verhaltenssüchten wie beispielsweise auch die Kaufsucht.

Wie äußert sich die Krankheit?

Von Schorlemer: Darin, dass der Sex wichtiger ist als alle anderen Bereiche im Leben, das ganze Leben dominiert. Liebe, Freunde, Job, der normale Alltag – das alles rückt in den Hintergrund und ist nicht mehr wichtig.

Welche Menschen neigen denn zur Sexsucht?

Von Schorlemer: Die jeweils entwickelte Sucht richtet sich nach den ­individuellen Vorlieben und Möglichkeiten. Eine Frau, die gerne einkauft, wird in einer Krisensituation vielleicht eine Kaufsucht entwickeln, ein Sportfan eher eine Sportsucht. Die Sexsucht hat natürlich ganz viel mit Gelegenheiten zu tun. Prominente kriegen ja pausenlos Angebote. Hier in Frankfurt gibt es ja auch einige B- und C-Promis, das ist unglaublich, wie sich denen schon die Leute anpreisen. Damit muss die Psyche erst mal klarkommen.

Hat das auch etwas mit dem Alter zu tun?

Von Schorlemer: Natürlich. Nehmen wir nur mal diesen Twilight-Star, Robert ­Pattinson. Der ist über Nacht zu Weltruhm gelangt und kann jetzt kein Käsebrot mehr kaufen, ohne belagert zu werden. Da kommt es dann sehr darauf an, wie man verwurzelt ist und auf welche Werte man sich zurückziehen kann. Und gerade der Anfang einer Sexsucht kann ja noch ganz nett und witzig sein, man fühlt sich beliebt und anerkannt ...

Prominente sind also anfälliger?

Von Schorlemer: Ja, sehr viel anfälliger. Wenn ich mir alleine vorstelle, ich müsste immer gut aussehen beim Aus-dem Haus-Gehen, würde pausenlos angesprochen werden ... Das muss man erst mal aushalten! Daran kann man zerbrechen oder man sucht sich einen Anker, wie zum Beispiel eine Drogen- oder Sexsucht. Denn Süchte sind ja immer Versuche, in einer Krise zurechtzukommen, die man sonst nicht bewältigen kann.

Abgesehen von den Stars: Wie viel Prozent der Bevölkerung sind denn sexsüchtig?

Von Schorlemer: Leider gibt es dazu fast keine Zahlen, Deutschland hinkt den USA da hinterher. Dort geht man von vier Prozent aus, und ich sehe keinen Grund, weshalb das bei uns weniger sein sollte. Denn das Angebot ist ja gleich: Heimlich-Treffs, Internet, Swingerclubs ...

Wie sieht denn eine Behandlung gegen Sexsucht aus?

Von Schorlemer: Auch da liegen die USA vorne, denn da gibt es spezielle Kliniken. Aber auch hier ist die erste Frage: Wie erklärt sich der Betroffene selbst seine Sucht? Das nimmt der Sache oft schon die Schärfe und Peinlichkeit. Dann muss das Gehirn umprogrammiert werden, das auf ein bestimmtes Belohnungssystem eingestellt ist, was schon sehr viel schwerer ist. Weil da zum Beispiel gespeichert ist: Die beste Belohnung ist ein Besuch im Swingerclub. Da muss man sich ein ganz neues Verhalten angewöhnen.

Was ist denn ein geeigneter Ersatz für einen Abend im Swingerclub?

Von Schorlemer: Man muss sich überlegen: Was hat mir früher gut getan? Denn diese Dinge sind im Laufe der Sucht alle weggebrochen. Aber die Umstellung ist sehr schwer, und die Rückfallquote ziemlich hoch.

Sind von Sexsucht vor allem Männer betroffen?

Von Schorlemer: Nein, das betrifft beide Geschlechter. Die Sucht zuzugeben oder voll auszuleben bedeutet für Frauen nur die größere gesellschaftliche Katastrophe. Schauen Sie sich doch mal Casanova oder Don Juan an: So schlecht war deren Ruf nicht.

Ann-Catherin Karg

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