"Mona Lisa war krank" - Mediziner untersucht Gemälde

- Brüssel/Löwen (dpa) - Eine erbliche Stoffwechselkrankheit hat wahrscheinlich den frühen Tod der Mona Lisa bewirkt. Zu diesem Ergebnis kommt der Medizin-Professor Jan Dequeker von der Universität Löwen nach einer eingehenden Untersuchung des berühmten Gemäldes von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1507.

Die Mona Lisa war damals zwischen 25 und 30 Jahre alt - sehr jung für hohe Blutfettwerte, die der Rheumatologe anhand des mehrerer Hinweise diagnostizierte. Der Mediziner tippt deshalb auf eine vererbte Hyperlipidemie, die auch den Tod des Modells im Alter von nur 37 Jahren erklären würde.

"Wenn man das Gesicht dieser schönen jungen Frau anschaut, kann man einen gelben Fleck in ihrem linken Augenwinkel erkennen", erklärte Dequeker nach Angaben der Zeitung "Het Laatste Nieuws" vom Mittwoch. "Das ist eine Anhäufung von Cholesterin unter der Haut - Xanthelasma." Auch eine Schwellung an der rechten Hand deute auf diese Krankheit hin. "Diese Erkrankung, bei der das Blut zuviel Fett enthält, ist ein ernster Risikofaktor für eine Herzkrankheit und einen frühen Tod", erläuterte der Mediziner.

Die Befund zur Mona Lisa findet sich in Dequekers neuem Buch "De kunstenaar en de dokter. Anders kijken naar schilderijen" (Der Künstler und der Arzt. Ein anderer Bild auf Gemälde), in dem der Professor nach 30-jähriger Spurensuche mehr als 220 überraschende Diagnosen stellt. Während Kunsthistoriker und Museumsbesucher über Stil, Farbwahl oder die benutzten Pinsel diskutierten, hat der 72 Jahre alte Mediziner laut "Het Laatste Nieuws" die Suche nach abgebildeten Krankheiten zu seinem Lebenswerk gemacht. "Erst schien nur der Beruf aufs Privatleben abzufärben, später wurde es ein Hobby und inzwischen ist es ein wenig aus dem Ruder gelaufen", sagte Dequeker der Zeitung.

Weiterhin fand der Wissenschaftler heraus, dass Marinus van Reymerswaele Gattin, die auf seinem Bild "Der Geldwechsler und seine Frau" von 1539 dargestell sei, aller Wahrscheinlichkeit nach an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war: Am Hals der müde und blass aussehenden Frau seien die geschwollenen Lymphknoten erkennbar.

Rheuma und Arthritis diagnostizierte der Fachmann außerdem bei dem päpstlichen Diplomaten Joris van der Paele, der auf Jan van Eycks Gemälde der Heiligen Jungfrau mit einem Kanoniker von 1436 abgebildet ist: "Er ist der ältere Mann mit auffallenden Schlagadern an den Schläfen, Haarverlust vor dem linken Ohr und an der linken Augenbraue, geschwollenen Händen und einem tumorartigen Ohrläppchen." Der Geistliche, der zudem noch schielte, habe erkennbar an den Entzündungskrankheiten Rheuma und Arthritis gelitten.

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