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Monika Gruber zu Gast in der Glasmanufaktur von Poschinger in Frauenau.

Teil 4 der großen Serie

Monika Gruber ganz privat: „Dürfen derf i ois“

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Am 2. November startete Monika Gruber ihr sechstes Soloprogramm. Doch Bühnenfigur und die private Gruberin sind zwei Geschichten. Redakteurin Ulli Schmidt begleitete den Kabarettstar für eine tz-Serie ganz privat.

Die Gruberin. Praktisch ­jeder kennt sie – vom ­Kabarett, aus Film und Fernsehen oder von der Kaas-Reklame. Immer a große Goschn! Nur daheim, da hält sie auch gern mal den Mund. Die Bühnenfigur und die private Monika Gruber (46) – das sind zwei Geschichten. Und die bringt die tz jetzt zusammen. Anlässlich des Starts ihres neuen und sechsten Soloprogramms Wahnsinn am 2. November in Traunstein ging die Moni mit der tz-Ulli auf eine ganz private Tour durch den Bayerischen Wald... Weil sie sich seit 15 Jahren kennen, weil sie befreundet sind und den Woid lieben. Die Gruberin fährt gern mit ihren Eltern dahin, die Schmidtin war dort mal daheim. Auf diesem Trip erzählt die Moni alles – über den Wahnsinn der Zeit, über ihr Programm und über sich selbst... Eine Roadstory! Auf Bairisch und auf Hochdeutsch – je nach ­Gefühlslage und Thema.

Der Wahnsinn unserer Zeit, das ist bei der Gruberin jetzt für eineinhalb Jahre Programm. Ein zweistündiger Hochgeschwindigkeitsmonolog über einen Irrsinn, wo der Thermomix fast schon ein vollwertiges Familienmitglied ist... Völlig weg ist dieser ganze Wahnsinn in der Glasmanufaktur Poschinger in Frauenau, wo sich seit 450 Jahren so gut wie nichts verändert hat. Die weltweit älteste Glashütte in Familienbesitz wird jetzt in der 15. Generation geführt. Heute heißt der Glasbaron ­Benedikt Freiherr von Poschinger (46) – und die Baronin ist seine Frau Alexandra (43). Übrigens, früher galten Frauen in der Glashütte als großes Unglück, heut’ sehen das die Glasmacher ein bisserl großzügiger...

Moni, Du wärst als Hex’ bei 1000 Grad in den Ofen geschoben worden, des sag’ ich Dir!

Monika Gruber: Wahrscheinlich.

Was denkst Du, wo kommt der Wahnsinn unserer Zeit her? Von der Digitalisierung?

Gruber: Globalisierung, Digitalisierung, soziale Netzwerke – es ist die Geschwindigkeit, in der die Leut’ heut’ leben. Dass sie sich selber zunehmend entfremden, dass die Familien auseinanderbrechen. Beim Essen glotzt jeder nur noch auf sei Handy. Und schau dir doch an, wie die jungen Leut’ heut ausschauen, am ganzen Körper tätowiert und gepierct. Manchmal hat ma das Gefühl, die Leut’ sind so verzweifelt, dass der Schmerz hermuss, um etwas anderes zu betäuben.

Vielleicht geht’s da ja auch um Individualisierung in der Globalisierung...

Gruber: Ja, aber um des kann’s ja net gehen, wenn jeder tätowiert ist. Ich glaub’, dass ein Großteil der Pro­bleme daraus resultiert, dass die Leut’ nicht mehr miteinander reden. Es läuft heut alles nur noch über Snapchat, Instagram oder Facebook. Die Leut’ gehn ja teilweise scho gar nicht mehr ans Telefon, weil da müssten sie ja eine Entscheidung treffen.

Du bist ja auch auf Facebook – mit über einer halben Million Followern. Und wenn Du irgendwas postest, reagieren stante pede ­Tausende. Du bist da scho große Nummer!

Gruber: Nimmer lang!

Warum?

Gruber: Weil mi des nervt. Eben diese ganze Empörungskultur. Da postest a Katzenfoto – dann schreibns, jetzt benutzt sie für ihre Karriere aa scho Tiere. Wo i sag: Kinder, beruhigt’s euch! Zehn, 20 Prozent der Facebook-Freunde sind nur mit dir verlinkt, weil sie dich diskreditieren wollen.

Trifft Dich das?

Gruber: Na, überhaupt net. Manchmal nervt’s nur. Ham die koane anderen Probleme? Auch die Beschwerdebriefe beim Fernsehen: Da forderns eine Entschuldigung, weil irgendwer irgendwas g’sagt hat. Ja, schalt’s halt einfach um! Grundsätzlich derf i mi über alles lustig machen, dürfen derf i ois.

Du machst Dich auch lustig über 59 geschlechtliche Zuordnungen, die Forscher neben Mann und Frau ausgemacht haben...Dein Zwei-Stunden-Solo, das sind 80 von Dir geschriebene ­Seiten, wie geht das?

Gruber: Zwei Nummern hab ich schon an Silvester in Salzburg ausprobiert, dazu habe ich das ganze Jahr über gesammelt. Richtig exzessiv zum Schreiben angefangen hab’ ich erst vor vier Monaten. Da schreibst dann kontinuierlich dahin und änderst ständig was. Die Schwierigkeit war, einen roten Faden, eine Reihenfolge, hinzukriegen. Da hab ich den Thomas Lienenlüke, den Singspiel-Autor vom Nockherberg, als Korrektiv.

Und dann studierst Du das Programm ein...

Gruber: Den Text lerne ich laut im Gehen. Und zum Schluss probe ich – das muss sich dann der Thomas drei, vier Tage lang anhören, wobei sich das letztendliche Timing doch erst vor Publikum ergibt; das schleift sich erst in den ersten zehn Vorstellungen so richtig ein. Auch immer wieder noch über die ganzen eineinhalb Jahre, wo ich das Programm spiele. Zum Schluss hat der Text mit dem am Anfang meist nur noch rudimentär etwas zu tun.

Kannst Du auch spontan während der Vorstellung reagieren?

Gruber: Am Anfang nicht, weil ich da mein Programm selber noch nicht so gut kenne und das Timing noch nicht intus hab’. Das geht erst so nach 30 Vorstellungen. Dann kann ich unmittelbar reagieren – auch auf einen Zuruf.

Was ist Dir denn schon alles passiert?

Gruber: Viel. Ich hab auch schon einen totalen Blackout gehabt, wo ich nicht mehr gewusst hab’, in welchem Programm ich bin.

Was hast dann gemacht?

Gruber: Da bin ich rausgegangen, hab in der Garderobe eine Runde gedreht und versucht, mich zu sammeln und wieder den Faden zu finden.

Und die Leut?

Gruber: Die meinen ja immer, das ist Absicht. Mich hat’s einmal richtig g’schmissen auf der Bühne: Da hab’ ich auf der letzten Treppenstufe eingefädelt und hab’ mir a Eck vom Zahn weggebrochen und des Kinn aufgeschlagen – da hab’ ich erst einmal ein paar Sekunden gar nicht aufstehen können. Die Leut’ haben gelacht und applaudiert. – Mei, krieg i no a ­Stückerl Brezn von Dir?

Was war denn mal richtig ­lustig bei einer Vorstellung?

Gruber: Da sollten mir die Leut’ in der Pause eine Frage auf einen Zettel schreiben. Ein Sepp und ein Toni haben geschrieben: „Mia dadn Di gern zu zwoat heirat’n, weil für oan redst zvui.“ Des hab i dann glei ins Programm eingebaut.

Des is süß. Und wann schmeißt’s einen?

Gruber: Wenn du unkonzen­triert bist, und des is ma, wenn ma des Programm sehr gut kann. Dann schweift der Geist ab und du musterst die Leut. Aber wenn’s einem mal nicht so gut geht, dann sind des meistens die besten Vorstellungen, als würden die Leute spüren, dass du sie heute mehr brauchst als sie dich.

Dein Publikum ein ­Tröster...?

Gruber: Ja, schon. Was man da an Energie und Zuneigung zurückkriegt, das erfüllt mich – mit – ja vielleicht a bissl Stolz, aber auch Demut und Dankbarkeit.

Lesen Sie hier:

Teil 1 der Serie: Monika Gruber ganz privat: „Nur auf der Bühne bin i so goschert“

Teil 2 der Serie: Monika Gruber ganz privat: Was Männern Angst macht

Teil 3 der Serie:

Monika Gruber ganz privat: Ein g‘scheits Brot muss mit!

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