Der Motor stottert noch

- Hamburg - Sie galt als großer Hoffnungsträger der ARD, sie sollte neue Publikumsschichten erschließen - die Erwartungen waren hoch: Mit Sandra Maischberger, der 37-jährigen Polit-Talkerin, wollte die ARD nach dem Abtritt von Altmeister Alfred Biolek eine neue Ära einläuten. Zwei Monate nach dem Start stottert der Motor aber noch. Das Publikum hat sich - gemessen an den Einschaltquoten - noch nicht auf das neue Gesicht eingestellt. Die ARD hofft weiter auf den großen Durchbruch der Talkshow "Menschen bei Maischberger" am Dienstagabend.

<P>Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Die erste Sendung erzielte einen Marktanteil von 20,4 Prozent. Doch der wurde auch nicht annähernd wieder erreicht. "Nach dem Neugiereffekt bei der ersten Folge kehrte der Alltag ein", sagt Redaktionsleiter Michael Spreng. "Eine neue Sendung braucht Zeit, um sich zu entwickeln." Spreng, der im Wahlkampf als Berater für den Unionskandidaten Edmund Stoiber tätig war, ergänzt, dass auch Christiansen und Kerner schon als gescheitert gegolten hätten und dann zum Erfolg geworden seien.</P><P>Einen Grund kennt Spreng, warum die Zuschauer in der ARD erst langsam mit der TV-Dame von n-tv warm werden. "Die Zuschauer kennen Sandra Maischberger als politische Interviewerin - jetzt befragt sie auch andere Gäste", sagt der Redaktionsleiter. Aber dieses Konzept, zwischen bunt und ernst hin- und herzuspringen, ist auch schon bei anderen Talkern aufgegangen. "Daran müssen sich viele Zuschauer erst gewöhnen", sagt er. Auch der Wechsel von Biolek auf Maischberger sei noch nicht reibungslos vollzogen. "Die Biolek-Gemeinde hat einen neuen Pfarrer, der andere Predigten hält und einen eigenen Stil hat."</P><P>Maischberger hat sehr unterschiedliche Sendungen präsentiert, was Biolek-Anhängern in der Tat fremd ist: Die Journalistin biss sich an Gästen wie dem Verschwörungstheoretiker Andreas von Bülow fest, in der monothematischen Sendung mit Manfred Krug konnte sie andererseits ihre Bewunderung für den Schauspieler nicht verhehlen. Und beim Auftakt wurde ihr angekreidet, dass sie den so genannten "Florida- Rolf" nicht hart genug angepackt habe.</P><P>Ein Trost: Auch andere Talker haben sich, wie Spreng sagt, nach schwierigem Start durchbeißen müssen. Johannes B. Kerner hatte es im ZDF nicht leicht, seinen Stil zu finden, Sabine Christiansens Quotenaufschwung gelang auch erst zu einem Zeitpunkt, als es ARD- intern ruhiger um die umstrittene Talklady wurde. Ungewissheit schwingt jedoch mit, wenn Maischberger wie Anfang Oktober in einem Interview der "Bild"-Zeitung sagt: "Ende des Jahres müssen wir eine gewisse Flughöhe haben. Wenn wir die nicht erreichen, fangen wir an, nervös zu werden."</P><P>Maischbergers ARD-Vertrag läuft bis Ende 2004 - was danach passiert, ist gegenwärtig offen. "Unser Ziel ist die Vorgabe von Programmdirektor Günter Struve, einen Marktanteil von zehn Prozent plus X zu erreichen", sagt Redaktionsleiter Spreng. Am Dienstag probiert es Maischberger wieder mit einer bunten Mischung: Der Sänger und Zirkusakrobat Freddy Quinn, Schauspielerin Felicitas Woll aus der ARD-Serie "Berlin, Berlin" und Feministin Alice Schwarzer werden erwartet.</P>

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