Mount Everest-Erstbezwinger Hillary tot - weltweite Trauer

Wellington - Einer der größten Abenteurer des 20. Jahrhunderts ist tot: Sir Edmund Hillary, der zusammen mit dem nepalesischen Bergführer Tenzing Norgay vor fast 55 Jahren als erster Mensch den Gipfel des höchsten Berges der Welt bezwang, starb am Freitag in seiner Heimat Neuseeland im Alter von 88 Jahren.

Die beiden hatten am 29. Mai 1953 rund 15 Minuten auf dem 8848 Meter hohen Mount Everest gestanden und damit Weltgeschichte geschrieben. Zum letzten Mal war Hillary im April 2007 nach Nepal gereist, wobei er schwer stürzte. Von diesem Sturz hatte er sich nie richtig erholt.

In Neuseeland, wo Hillary als Nationalheld verehrt wurde, zeigten viele Menschen auf der Straße mit tränenerstickter Stimme vor laufenden Fernsehkameras ihre Trauer. "Er war ein Koloss, eine heroische Figur, die nicht nur den Everest packte, sondern ihr Leben mit Entschlossenheit, Bescheidenheit und Großzügigkeit lebte", sagte Premierministerin Helen Clark. Sein Tod sei ein schwerer Verlust für das Land. "Aber er wird Generationen von Neuseeländern inspirieren." Im ganzen Land wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt, auch auf der Scott-Forschungsstation in der Antarktis, die Hillary 1957 mit eingerichtet hatte. Die Stimmung sei gedrückt, sagte der Forschungsleiter Lou Sanson.

Die Menschen im Bergkönigreich Nepal trauerten um ihren Ehrenbürger. Hillary hatte mit seiner Stiftung in der abgelegenen Region der Sherpa 26 Schulen, zwei Krankenhäuser sowie Straßen und Bewässerungsanlagen gebaut. Hillary sei "für die Menschen der Sherpa-Gemeinschaft wie ein zweiter Vater" gewesen, sagte der amtierende Präsident der Bergsteigervereinigung, Jimba Zamhu Sherpa. "Ich bin zu dem geworden, was ich heute bin, weil ich in einer Schule ausgebildet wurde, die er eröffnete, und weil ich mir den Besuch einer Hochschule wegen des Stipendienprogramms leisten konnte, das er eingeführt hat." Zum 50. Jahrestag der Erstbesteigung war Hillary 2003 in Nepal zum Ehrenbürger ernannt worden.

Hillary selbst meinte vor einigen Jahren mit seiner von den Landsleuten so geschätzten Bodenständigkeit: "Wenn ich mal ins Gras beiße, sollten von allem, was ich so gemacht habe, ohne Frage die Sherpaschulen und so weiter als bleibende Leistung in Erinnerung bleiben." Hillary weigerte sich lange zu sagen, wer als erster den Fuß auf den Gipfel gesetzt hatte - bis Tenzing bestätigte, dass er einige Schritte hinter Hillary oben ankam. Für beide spielte das keine Rolle.Sie verband bis zumTod Tenzings 1986 eine enge Freundschaft.

Hillary wurde am 20. Juli 1919 in Tuakau bei Auckland geboren. Er wurde erst Bienenzüchter, ehe er die Liebe zum Bergsteigen entdeckte. Er bezwang im Himalaya nach der Everest-Besteigung zehn weitere Gipfel und leitete 1958 eine Expedition, die fast ein halbes Jahrhundert nach dem legendären Wettlauf zwischen Amundsen und Scott den Südpol erreichte. 1977 erkundete er den Ganges in Indien von der Mündung bis zur Quelle. Im Januar vergangenen Jahres kehrte Hillary noch einmal an den Südpol zurück. Dort nahm er an der Feier zum 50. Geburtstag der Scott-Basis teil, die er selbst mit eingerichtet hatte.

Der Bergsteiger und Extremsportler erhielt in seinem ereignisreichen Leben zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem schlug ihn die britische Königin Elizabeth II. zum Ritter. Die Nachricht von der Gipfelbezwingung erreichte England am Vorabend ihrer Krönung. Hillary war mit einer britischenExpedition unterwegs. Die Queen sprach der Familie Hillarys ihr Beileid aus. Die Nachricht habe die Königin "sehr traurig" gemacht, hieß es am Freitag im Buckingham-Palast. Premierminister Gordon Brown sagte, Sir Edmund sei "ein wirklich großer Held gewesen, der die Vorstellungskraft der ganzen Welt beflügelte".

Extrem-Alpinist Reinhold Messner würdigte Hillary als Schlüsselfigur des Bergsteigens. "Jetzt gilt es, seinen Geist lebendig zu halten", sagte Messner am Freitag in einem Telefonat mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er selbst werde in seinem eigenen Museum in Bozen alles tun, die Erinnerung an Hillary zu erhalten. Messner hatte 1978 als erster Mensch den Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff bezwungen.

Zuletzt hatte sich Hillary sehr kritisch über die Kommerzialisierung der Himalaya-Kletterei geäußert. Voll Abscheu sprach er von einem Landsmann, der im Mai 2006 einen halberfrorenen Engländer kurz vor dem Everest-Gipfel liegen ließ, um selbst den Berg zu besteigen statt zu helfen. Der Engländer starb. Tugenden wie Kameradschaft seien dem Ehrgeiz der Ich-Menschen gewichen, kritisierte er.

Indiens Präsidentin Pratibha Patil sagte, mit dem Tod Hillarys habe die Welt einen der größten Abenteurer des 20. Jahrhunderts verloren. Er habe darüber hinaus aber auch die Sorgen und Nöte der Menschen im Himalaya erkannt und sich ein Leben lang für deren Wohl eingesetzt.

"Mit dem Tod von Edmund Hillary wurde das erfolgreichste Bergsteigerleben abgeschlossen", sagte die Vorsitzende der Sir Edmund Hillary Stiftung in Deutschland, Ingrid Versen, am Freitag in Bad Wiessee (Bayern). Sie hatte 1990 die Hilfsprojekte des Abenteurers in Nepal kennen gelernt. Im selben Jahr gründete sie den deutschen Ableger der weltweit tätigen Hillary-Stiftungen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mark Zuckerberg erhält Ehrendoktorwürde
Einst verließ er vorzeitig die renommierte Harvard-Universität, jetzt wird er dort geehrt: Mark Zuckerberg.
Mark Zuckerberg erhält Ehrendoktorwürde
Ein Detail auf diesem Instagram-Foto von Ronaldo lässt die Fans rätseln
Cristiano Ronaldo posiert gerne. Seinen Instagram-Account füttert er regelmäßig mit neuen Bildern seiner Wenigkeit. Jetzt durfte auch Freundin Georgina mit aufs Foto. …
Ein Detail auf diesem Instagram-Foto von Ronaldo lässt die Fans rätseln
„Dreht doch gleich einen Porno“: Fans wüten gegen dieses Bibi-Foto
Nach ihrem Song-Flop „How it is“ folgt nun der nächste Shitstorm gegen Bibi: Grund ist ein pikantes Pool-Foto mit ihrem Freund.
„Dreht doch gleich einen Porno“: Fans wüten gegen dieses Bibi-Foto
Nacktbild-Skandal auf Snapchat: Playmate wegen Sauna-Foto verurteilt
In einem Fitnessstudion in Los Angeles hatte das amerikanische Playmate Dani Mathers eine nackte 70-jährige Frau fotografiert und sie öffentlich bloßgestellt. Jetzt …
Nacktbild-Skandal auf Snapchat: Playmate wegen Sauna-Foto verurteilt

Kommentare