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Marius Müller-Westernhagen bei der Verleihung des deutschen Filmpreises 2013.

Rocker bei uns Interview 

Müller-Westernhagen: Diese besondere Bedeutung hat das Lied „Freiheit“

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Er zählt zu den deutschen Musik-Rock-Legenden: Marius Müller-Westernhagen. Der Sänger hat sich mit seinem neuen Album neu erfunden. Wir sprachen mit ihm.

München - Marius Müller-Westernhagen (68) kennt die Musikbranche seit einem halben Jahrhundert. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Künstler überhaupt, hat sich immer wieder neu erfunden. Nun ist er mit seinem “MTV Unplugged” Best of-Album auf Tour. Vor seinem Konzert in München am 26. Oktober sprachen wir mit über die Herausforderung “MTV Unplugged”, die Bedeutung von “Freiheit” und was es heißt, ein Künstler zu sein.

Marius, Sie veröffentlichten 2016 ein Best-of-Album in der Akustikreihe „MTV Unplugged“ und gehen damit auf Tour. Zu Beginn der Neunziger wurden Sie als erster deutscher Musiker schon einmal von MTV gefragt, lehnten aber ab. Weshalb? 

Marius Müller-Westernhagen: Ich habe MTV Unplugged immer als große künstlerische Herausforderung angesehen, die mit der gebotenen Ernsthaftigkeit anzugehen ist. Für mich bedeutete das, mir all die Songs, die ich über Jahrzehnte geschrieben und zum Teil wirklich fast vergessen hatte, mit jungfräulichen Ohren neu anzuhören. Daraus wollte ich eine Auswahl treffen, die sich zu einer Retrospektive zusammenfügt. Ich wollte mich auch freimachen von den ursprünglichen Arrangements und das vorhandene Material vollkommen neu erarbeiten. Es hätte mir nicht gereicht, einfach nur akustische Gitarren statt elektrischer umzuhängen. Und ich wollte auf keinen Fall hinterher im Studio nachbessern müssen, wie das heute gang und gäbe ist. Ich sah mich damals, als ich das erste Mal gefragt wurde, noch nicht bereit, diesem Anspruch gerecht zu werden. Einige internationale Künstler hatten die Latte damals sehr hoch gelegt. Diese zu überspringen, traute ich mir zu der Zeit noch nicht zu.

Warum ist nun der richtige Zeitpunkt?

Müller-Westernhagen: Ich habe während meiner gesamten Karriere versucht, immer Neues zu lernen, mich weiterzuentwickeln. Ich wollte mit den besten Musikern arbeiten, um an ihnen zu wachsen, um die Qualität zu erreichen, die ich mir vorstellte. Als Künstler, dem es zuallererst um seine Arbeit geht, musst du Erfahrungen sammeln und bereit sein, dich und deine Arbeit ständig zu reflektieren. Mit zunehmendem Alter wird man so immer reifer und auch selbstbewusster.

Auch „Freiheit“ ist auf dem Album - der Song, den Ihre Fans lieben. Für Sie war das Lied zu Beginn nicht so bedeutend. Weshalb? Wie war die Entstehungsgeschichte?

Müller-Westernhagen: Über die Bedeutung habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Ich hatte beim Schreiben nicht den Fall der Mauer oder die Wiedervereinigung im Kopf. „Freiheit“ zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut.

Und welche Bedeutung hat der Song heute für Sie?

Müller-Westernhagen: Da er für so viele Menschen eine Bedeutung erlangt hat, will ich ihn nicht inflationär einsetzen. Sie glauben gar nicht, für wie viele Wiedervereinigungsfeiern ich angefragt wurde, „Freiheit“ zu singen. Ich habe alles abgesagt. Ich habe den Song auch viele Jahre nicht auf Tourneen gesungen. Bei einer Retrospektive wie MTV Unplugged gehört er aber natürlich auf die Set-Liste. Außerdem finde ich, dass er bei der augenblicklichen politischen Weltlage aktuell ist.

Ihre Songs sind zum Teil sehr politisch und werfen Debatten auf. In verschiedenen Interviews sagten Sie: „Ich bin der Meinung, dass Kunst auch dazu da ist, zu stören.“ Was bedeutet dieser Ansatz für Ihre Musik und Ihre Arbeit daran? 

Müller-Westernhagen: Es bedeutet in erster Linie Verantwortung. Für mich ist ein Künstler nicht dazu da, Erwartungen zu erfüllen, sondern er soll wahrhaftig sein. Natürlich ist auch mir Erfolg lieber als Misserfolg, aber den Menschen zu gefallen, darf niemals das Motiv sein, etwas zu schreiben oder zu komponieren. Wer das tut, kann nicht den Anspruch erheben, Künstler zu sein.

Marius Müller-Westernhagen on Tour 

Wann: 26. Oktober, 20 Uhr

Wo: Olympiahalle 

Tickets: ab 65 Euro an, erhältlich allen bekannten Vorverkaufsstellen 

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