+
Es muss nicht immer Rot sein: Geigers Skulptur "Gerundetes Blau" vor dem Münchner Kulturzentrum Gasteig.

Münchner Maler Rupprecht Geiger gestorben

München - Mehr als 70 Jahre lang faszinierte einer der wichtigsten abstrakten Malern der deutschen Nachkriegsavantgarde die Kunstwelt mit der Leuchtkraft seiner Farben.

Die Farbe Rot war das Manifest des Münchner Malers Rupprecht Geiger. Die gesamte Skala der roten Farbe vom hellsten Gelb bis ins tiefste Violett, zieht sich in einzigartiger Konsequenz und Klarheit durch sein Lebenswerk, ohne jemals der Monotonie zu verfallen. Im Alter von 101 Jahren starb der am 26. Januar 1908 geborene Künstler am vergangenen Sonntag in seiner Heimatstadt.

Bis ins hohe Alter hatte er in seinem Atelier in München gearbeitet - zuletzt an Collagen. Zum 100. Geburtstag hatte das Münchner Lenbachhaus dem Maler, der es in der München nie leicht hatte, 2008 eine große Retrospektive gewidmet. An der Konzeption der Ausstellung hatte Geiger noch selbst mitgewirkt.

Geiger wuchs in einer Künstlerfamilie auf. Sein Vater Willi Geiger war Schüler von Franz Stuck und ein angesehener Kunstmaler in München. Mit ihm bereiste Rupprecht schon als 15-Jähriger ein Jahr Spanien und Marokko - das Licht und die intensive Farbigkeit des Mediterranen waren bleibende Eindrücke für den Jungen.

In der Nazi-Zeit wurde Vater Willi Geiger als “entartet“ verfemt, Sohn Rupprecht schloss 1935 sein Architektur-Studium ab und wurde 1940 als “Kriegsmaler“ an die Ostfront und nach Griechenland eingezogen. Der unendliche Himmel über Russland war ein einschneidendes Erlebnis für ihn. Nicht etwa Schlachtszenen malte er, sondern den weiten Himmel, unter dem die Menschen nur noch Miniaturen waren.

Als Maler war Geiger Autodidakt. Bei Kriegsende war er 37 Jahre alt und begann seine eigentliche Künstlerlaufbahn. Der Anfang der Beschäftigung mit der Farbe Rot, so erzählte Geiger in einem Interview, war bei ihm ein Care-Paket. Darin befand sich ein Lippenstift, mit dem er eine Leuchtspur in ein abstraktes Bild malte.

Geiger war Mitbegründer der abstrakten deutschen Malergruppe “ZEN 49“. Als einer der ersten Maler schuf Geiger 1948 Bilder in nicht rechteckigem Format, noch vor US-amerikanischen Künstlern. Seine Malflächen bearbeitete er nicht an der Staffelei, sondern auf Tischen oder am Boden.

Ab 1965 arbeitete Geiger mit fluoreszierendem Acrylfarben und trug Farben mit der Spritzpistole auf, wodurch ihre Wirkung noch intensiver und strahlender wurde. Seine abgeflachte Kreise oder Rechtecke aus leuchtendem Rot, Gelb oder Magenta ziehen den Betrachter förmlich in die Bilder hinein. Seine Kunst scheint der Zeit entrückt. Geiger ist keiner Kunstrichtung zuzuordnen.

An die Münchner Akademie wurde Geiger nie berufen. Doch lehrte er von 1965 bis 1975 als Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Kollegen waren Joseph Beuys und Gerhard Richter. In München war es in den 1970er-Jahren dagegen fast ein Skandal gewesen, als der damalige Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, Armin Zweite, gegen Widerstände im Stadtrat ein Gemälde Geigers erworben hatte.

Werken Geigers begegnet man in München dennoch auf Schritt und Tritt: So schuf er 1951 das Plattenmosaik an der Fassade des Hauptbahnhofs. Das große blaue Rad vor dem Gasteig (“Gerundetes Blau“, 1987) stammt ebenfalls von ihm. 2002 vertrat Geiger Deutschland auf der Biennale von São Paulo in Brasilien. Das 2003 erschienene Werksverzeichnis des Künstlers musste bereits um eine Broschüre der jüngsten Arbeiten erweitert werden.

Farbe war für Geiger eine Kraftquelle. “Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high“, sagte er. “Ein Leben ohne Farbe kann ich mir nicht vorstellen.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mode in Mailand zwischen Politik und Prunk
Wie reagieren Designer auf diese verwirrenden Zeiten? Die ersten Antworten aus Mailand lauten: mit Ironie, mit Rebellion – oder mit Flucht aus der Realität.
Mode in Mailand zwischen Politik und Prunk
Mode in Mailand zwischen Politik und Prunk
Wie reagieren Designer auf diese verwirrenden Zeiten? Die ersten Antworten aus Mailand lauten: mit Ironie, mit Rebellion – oder mit Flucht aus der Realität.
Mode in Mailand zwischen Politik und Prunk
Nanu! Barbara Schöneberger nur mit Handtuch bekleidet auf der Straße
München - Die Moderatorin Barbara Schöneberger ist für freizügige Outfits bekannt - doch dieses Foto, das die 42-Jährige kürzlich auf Instagram postete, ist wirklich …
Nanu! Barbara Schöneberger nur mit Handtuch bekleidet auf der Straße
„Golden Girl“ ist frisch verliebt - mit 95 Jahren
Los Angeles - Noch hat er weder Namen oder Gesicht, doch Freunde der 95-Jährigen haben verraten, dass Betty White 36 Jahre nach dem Tod ihres geliebten Mannes eine neue …
„Golden Girl“ ist frisch verliebt - mit 95 Jahren

Kommentare