Musik und Alkohol - Der einsame Tod des Ex-Schlagzeugers von Abba

Madrid/Palma de Mallorca - Bei Welthits wie "Waterloo", "Dancing Queen" oder "Money, Money, Money" gab er den Takt vor. Jahrelang saß Ola Brunkert bei der legendären schwedischen Popband Abba am Schlagzeug. Am Wochenende starb der einst so erfolgreiche Musiker in Einsamkeit und dem Alkohol verfallen auf Mallorca.

Der 61-Jährige war in seinem Wohnhaus auf der spanischen Ferieninsel - möglicherweise in betrunkenem Zustand - durch eine Glastür gestürzt, hatte sich an einer Scherbe den Hals aufgeschlitzt und war in seinem Garten verblutet. Brunkert hatte den Erkenntnissen zufolge noch versucht, die Blutung zu stillen und sich ein Handtuch um den Hals gewickelt. Er wankte hinaus ins Freie, um Hilfe zu holen, kam aber nur 15 Meter weit. Dann brach er zusammen und starb. Ein Nachbar entdeckte die Leiche erst zwölf Stunden später.

Brunkerts Haus bot ein Bild der Verwahrlosung. Die Ermittler fanden nach Angaben der mallorquinischen Lokalpresse in der Küche nichts Essbares, dafür aber große Mengen von ausgetrunkenen Billigwein-Pappkartons. Nur die Sammlung von alten Abba-Platten und Büchern sei tadellos in Ordnung gewesen, hieß es. Das Haus in der Siedlung Betlem bei Artà im Osten Mallorcas sei heruntergekommen. Es werde seit einiger Zeit zum Verkauf angeboten, berichtete die Presse. Der Strom war abgestellt, da der Musiker die Rechnungen nicht bezahlt hatte.

"Sein Tod kam für uns nicht überraschend, es war nur eine Frage der Zeit", berichtete Glenn Johnston, ein amerikanischer Nachbar, der Zeitung "Diario de Mallorca". "Brunkert trank schon seit vielen Jahren große Mengen Alkohol. In letzter Zeit war er fast immer angetrunken, wenn man ihm auf der Straße begegnete." Nach dem Tod seiner Frau im vergangenen Jahr habe der Musiker dem Alkohol vorübergehend entsagt, dann aber wieder angefangen zu trinken.

Mitglieder der vor 25 Jahren aufgelösten Gruppe Abba äußerten sich bestürzt über den Tod des Schlagzeugers. "Es ist tragisch", sagte der Sänger und Keyboarder Benny Andersson. Der Gitarrist und Sänger Björn Ulvaeus meinte: "Brunkert war einer der Besten. Er war nicht nur ein hervorragender Musiker und ein guter Freund, sondern auch ein liebenswerter, bescheidener und kreativer Mensch."

Dabei hatte der Schlagzeuger eigentlich nicht zur festen Besetzung von Abba gehört. Brunkert hatte sich in schwedischen Jazz- und Blues-Gruppen einen Namen gemacht und war in den 70er Jahren einer der begehrtesten Session-Musiker in Schweden. Bei Abba wirkte er an praktisch allen Plattenaufnahmen mit und ging mit der Gruppe auch mehrmals auf Tournee. Er soll zudem versucht haben zu vermitteln, als es in den Ehen von Andersson und Ulvaeus mit den Sängerinnen Agnetha Fältskog und Anni-Frid Lyngstad kriselte.

Seit Anfang der 80er Jahre verbrachte Brunkert einen großen Teil seiner Zeit auf Mallorca. Dort trat er zuweilen mit einer Jazzband auf. "Trotz seines Hangs zum Alkohol wurde er nie aggressiv", berichtet Johnston. "Es kam vor, dass er in einer Kneipe einschlief. Aber er legte sich nie mit jemandem an."

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