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Die wohl kürzeste Versuchung der Welt: der Minirock.

Mini-Erfinderin wird 75: Die knappsten Röcke in Bildern

London - Sie verpasste dem Beinkleid der Frau eine radikale Schrumpfkur und stellte die Gesellschaft der 1960er Jahre gehörig auf den Kopf - die Erfinderin des Minirocks, Mary Quant, wird 75 Jahre alt. Rebellisch ist sie heute noch.

Die zierliche Frau mit der markanten Helmfrisur wirkt auch heute noch keck. So keck, dass sie auch im Alter nicht davor zurückschreckt, über Schamhaarfrisuren zu sprechen. "Ich hatte sie in Herzform. Und irgendwann folgten alle, auch John Lennon", verriet sie kürzlich einer englischen Reporterin. Nicht anders stellt man sich die Frau vor, die vor fast 50 Jahren ein nicht minder keckes Kleidungsstück entwarf.

Kurz und sexy: Die schönsten Minis

Mini-Erfinderin wird 75: Die knappsten Röcke

Alles begann 1955, als Quant ihre eigene Modeboutique "Bazaar" im schicken Londoner Viertel Chelsea öffnete. Damals war die Lehrertochter erst 21 Jahre alt. Unterstützt von ihrem inzwischen verstorbenen Mann und Geschäftspartner Alexander Plunkett Greene setzte sie die Schere an den Saum und entwarf die erste Mini-Kollektion. Denn die altbackene Mode jener Zeit hielt sie schlicht für "unmöglich" - und ungeeignet, um hinter einem Bus her zu hetzen.

Mary Quant in den 60ern.

Es dauerte nicht lange, bis der Minirock weltweit für Furore sorgte. Was Moralapostel als obszönen Fummel verpönten, versetzte Heerscharen von Frauen - und Männern - in Verzückung. Mehr Freiheit am Bein und im Kopf, das war es, wonach sich Frauen sehnten. Das hatte auch Quant im Sinn, als der Saum weit über die kritische Kniemarke wanderte. "Es machte die Menschen irgendwie glücklich", erklärte sie später. "Es war ein Durchbruch. Es war das Gefühl der Zeit." Zwar wurde zur gleichen Zeit auch anderswo der Rock gekappt. Doch schließlich setzte sich Quant gegen den Franzosen André Courrèges durch und ging als Erfinderin des Minirocks in die Geschichte ein.

Die Schneiderei lag ihr im Blut: Schon in frühen Jahren schnippelte die kleine Mary an ihren eigenen Kleidern. Später studierte Quant am Londoner Goldsmiths College, der angesehenen Hochschule für Bildende Künste. Doch Quant wollte immer eher Spaß haben, als provozieren. "Ich wollte keinen Skandal", betonte sie. Und damit der Mini richtig salonfähig wurde und nicht zu viel nackte Haut enthüllte, packte Quant Frauenbeine auch gleich in die ersten Feinstrumpfhosen ein. Selbst die Queen - eher bekannt für ihre Vorliebe für Handtaschen als für Miniröcke - erkannte Quants Verdienste an und verlieh ihr 1966 einen Orden.

Die Beatles steckten ihre Freundinnen in Quant-Mode

Nachdem die Beatles ihre Freundinnen in Quant-Mode gesteckt hatten, selbst die feinen Damen dem Hauch von Stoff verfallen waren und der Minirock zum Symbol der "Swinging Sixties" geworden war, stellte Quant 1969 ihre Kleiderproduktion ein und führte unter ihrem Namen eine knallbunte Accessoires-, Wäsche- und Kosmetik-Linie weiter. Das Label mit dem stilisierten Gänseblümchen ist heute vor allem in Japan ein Renner. 2000 zog sich Quant aus der Firma zurück, angeblich wurde sie dazu von den japanischen Lizenzhaltern mehr oder weniger gedrängt.

Heute lebt das ehemalige "City-Girl" auf dem Land und widmet sich mit Vorliebe der Gartenarbeit. Den Minirock holt sie wohl nur noch zu besonderen Anlässen hervor. So sagte Quant schon vor Jahren: "Ich trage normalerweise Hosen, T-Shirts und Jacket."

Annette Reuther

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