"Nacktes Barcelona"

- Barcelona - Sie müssen um 4.00 Uhr morgens antreten, sie lassen sich nackt fotografieren und bekommen nicht einen Cent dafür. Dennoch haben mehr als 12 000 Menschen sich in Barcelona bereit erklärt, unbekleidet vor der Kamera des amerikanischen Fotografen Spencer Tunick zu posieren. Die Metropole im Nordosten Spaniens könnte an diesem Sonntag (8. Juni) die größte kollektive Akt-Aufnahme der Geschichte erleben. "US-Künstler zieht Barcelona aus", titelt die Lokalpresse.

<P>Eine Zahl von 12 000 Teilnehmern ist selbst für einen Tunick ungewöhnlich. Der 36-jährige hat sich darauf spezialisiert, große Massen von nackten Menschen zu fotografieren. Er platziert seine "Models" auf Marktplätze, in städtische Parks oder auf das kühle Straßenpflaster. In Melbourne hatte er 4500 Nackedeis vor der Kamera, in Santiago de Chile waren es 4000 und in Helsinki 2000.</P><P>"Wie viele es in Barcelona sein werden, ist schwer vorherzusagen", erläutert Tunicks Mitarbeiter Segismundo de Vajay. "Vielleicht bleiben viele Freiwillige im letzten Augenblick daheim, vielleicht kommen aber auch mehr, als sich angemeldet haben." Tunicks Aufnahmen waren lange Zeit belächelt und als Unsinn oder Pornografie abgetan worden. In New York wurde der Künstler fünf Mal wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen.</P><P>Mittlerweile finden seine Werke jedoch immer mehr Anerkennung. In Barcelona unterstützt die Stadt Tunicks Vorhaben mit 100 000 Euro und kommandiert Polizisten dazu ab, neugierige Gaffer vom Ort der Massenentblößung fern zu halten. Tunick selbst will seine Werke nicht als Fotografien verstanden wissen, sondern als "lebende Skulpturen" oder "Körperlandschaften". "Mich reizt der Kontrast zwischen der Verletzlichkeit des nackten Körpers und der kalten Anonymität öffentlicher Plätze", sagt der Künstler.</P><P>Der Künstler arbeitet nicht mit bezahlten Models, sondern verlässt sich ganz auf Freiwillige. Wer in Barcelona in der Menge der Nackten posieren möchte, braucht sich nur über Internet anzumelden. "Lasst alle Wertsachen daheim und kommt mit möglichst wenig Kleidung!" rät der Fotograf den Teilnehmern. Für die Aufnahmen müssen auch Uhren, Schmuck und Brillen abgelegt werden. Tunick hat die Entwürfe längst ausgearbeitet, nach denen er die nackten Leiber arrangieren wird. Per Lautsprecher wird er die Menge genau einweisen. Mit Sonnenaufgang um 6.17 Uhr schießt er seine ersten Bilder.</P><P>Für Tunick wollen nicht nur Freiwillige aus ganz Spanien, sondern auch Fans aus den USA, Deutschland und anderen Ländern die Hüllen fallen lassen. "Tunick ist mein Idol", schwärmt der in Bonn lebende Kanadier Albert. "Ich werde die Reise nach Barcelona nicht bereuen." Ein 28-jähriger Architekt begründet seine Teilnahme so: "Ich finde es spannend, auf einem Platz nackt zu sein, über den sonst bekleidete Leute gehen und Autos fahren."</P><P>Der Designer Aitor macht sich andere Gedanken: "Das Schlimmste wäre, bei den Aufnahmen eine Erektion zu bekommen. Ich denke, ich sollte vorher gewisse Vorkehrungen treffen." Bei den Enthüllungen in Santiago de Chile oder Helsinki stellte sich so ein Problem nicht. Dort herrschte bittere Kälte.</P>

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