''Naddel'' lügt in ''Ungelogen'' - Einstweilige Verfügung

- Frankfurt/Main - Rund eine Stunde lang musste Nadja Abd El Farrag in einem Nebenzimmer des Frankfurter Landgerichts warten, dann wurde sie als Zeugin in eigener Sache vorgelassen. "Momentan Autorin" gibt die überschlanke, dunkle Frau mit rauchiger Stimme als Beruf an, schließlich geht es um ihre Autobiografie "Ungelogen". Darin hat nicht etwa der viel geschmähte Ex-Freund, Musikproduzent Dieter Bohlen, sondern ihr früherer Manager Graf Gerd Bernadotte eine Passage entdeckt, gegen die er eine einstweilige Verfügung erreichen will.

<P>Auf Seite 311 ihres Erstlings hat "Naddel" ihren Ex-Manager bezichtigt, ihr den Vorschuss für einen Auftritt in einem Oldenburger Autohaus verheimlicht und unterschlagen zu haben. "Ich fühlte mich auch finanziell betrogen", schreibt die Jung-Autorin, die angeblich auf einen Ghost-Writer verzichtet hat. Diesen Vorwurf - es geht um 3000 Mark (rund 1500 Euro) - hält sie auch unter Eid aufrecht, den ihr das Gericht auf Antrag der Gegenseite abverlangt. Es nützt ihr nichts, die 3. Zivilkammer erlässt die von Bernadotte verlangte Verfügung, weil der Verlag die Behauptung nicht beweisen kann.</P><P>Schon um diese Passage herum bröckelte der Wahrheitsgehalt von "Ungelogen" bedenklich: Autorin Farrag hat im fraglichen Absatz D-Mark-Beträge zu Euros gemacht und ein Gespräch mit dem Autohausbesitzer erfunden, bei dem die fragliche Vorschusszahlung in die Tasche ihres Managers ans Licht gekommen sei. Dieses Gespräch habe nach dem Auftritt stattgefunden, heißt es im Buch. Vor Gericht sagt sie, dass sie von dem Vorschuss in der Zeitung gelesen habe, weil der Veranstalter ihn zurückverlangte. Denn den Auftritt gab es nie: Naddel hatte ihn abgesagt. "Ich wollte das alles verkürzen, ich fand es auch nicht so wichtig", gesteht "Naddel" den Richtern. "Das bewegt sich alles im Rahmen der künstlerischen Freiheit", findet der Anwalt des Verlages.</P><P>Dass es auch Farrags Kontrahent Graf Gerd Bernadotte mit der Wahrheit wohl nicht immer so genau genommen hat, zeigt die Anwesenheit eines Gerichtsvollziehers im Saal 122 B. Er habe mehrere Titel und einen Haftbefehl gegen Bernadotte dabei, sagt der vergeblich wartende Mann. Der Kläger ist gesundheitlich verhindert, sagt sein Anwalt, das Attest liegt vor. Überhaupt habe sein Mandant Frau Farrag hervorragend gemanagt: "Über 400 Fernsehauftritte hat er ihr verschafft, allein für das bekannte Busenwiegen gab es 30 000 Mark." Dass sein Schützling vor 10 Jahren im selben Gericht wegen vielfachen Betruges verurteilt worden ist, sagt der Anwalt nicht.</P><P>Die im eleganten schwarzen Hosenanzug mit rosa Schal gekleidete öffentliche Person "Naddel" will von ihren früheren Auftritten ohnehin nichts wissen und zeigt sich selbst vor den TV-Kameras ungewohnt zugeknöpft. Sie wird bald wieder im Frankfurter Landgericht erscheinen, denn Bernadotte hat nicht nur ihren Verlag, sondern auch sie persönlich verklagt. An der Pforte verteilt sie noch schnell ein paar Autogramm-Karten an die Wachleute - zum Wiedererkennen.</P>

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