Neue Beweise zu Dianas Tod?

- London - Das Literatur-Festival von Hay-on-Wye an der Grenze von England und Wales ist normalerweise nicht der Ort, an dem man Schlagzeilen macht. Aber der frühere Scotland-Yard-Chef John Stevens schaffte es am Mittwoch aus der 1500-Seelen-Gemeinde in der Provinz doch bis nach London auf die Seite eins.

Der Chef-Ermittler zum Tod von Prinzessin Diana gab überraschend bekannt, dass es neue Beweise geben soll. Und sofort wird wieder spekuliert, dass das Unglück im August 1997 in Paris möglicherweise doch kein gewöhnlicher Unfall war.

Stevens, der sich schon seit zweieinhalb Jahren mit den Ermittlungen befasst, kam bei einem Bücher-Plausch ins Reden. Auf dem Podium wurde er gefragt, ob er das Buch "The Hidden Evidence" von Jon King und John Beveridge gelesen haben, die hinter dem Unfall einen Geheimdienst-Komplott von CIA und britischem MI6 vermuten. "Wir gehen jeder einzelnen Verschwörungstheorie nach", versicherte der frühere Scotland-Yard-Boss. Und fügte hinzu: "Wir haben neue Zeugenaussagen, und wir haben neue gerichtsmedizinische Beweise."

Dann bemerkte Stevens wohl, dass er zu viel gesagt hatte. Auf alle Nachfragen gab er keine genaueren Antworten mehr. Die wenigen Andeutungen reichten den Zeitungen in London aber, um das Thema bis auf den Titel zu heben. Das Boulevardblatt "Daily Mirror" fragte gleich bei Mohammed Al Fayed nach, dessen Sohn Dodi in jener letzten Augustnacht 1997 an der Seite von Diana starb, und bekam die erwartete Antwort: "Ich weiß, dass es Mord war."

Der Eigentümer des Londoner Luxuskaufhauses "Harrods" und des Pariser "Ritz"-Hotels ist der Mann, der die Verschwörungstheorien am Kochen hält. Der 77-jährige Ägypter behauptet bei jeder Gelegenheit, dass der Unfall auf Anordnung des Queen-Gatten Prinz Philip vom Geheimdienst organisiert worden sei - angeblich, weil das Königshaus mit der Verbindung zwischen seinem muslimischen Sohn und der Ex-Frau von Thronfolger Prinz Charles nicht einverstanden war. Zudem soll Diana, damals 36, von Dodi schwanger gewesen sein.

Nach allen bisherigen offiziellen Untersuchungen gibt es keine Belege dafür. Vielmehr kamen die Behörden zum Schluss, dass der ebenfalls getötete Fahrer der Luxus-Limousine, Henri Paul, unter dem Einfluss von Alkohol und Medikamenten stand. Außerdem soll er viel zu schnell in den Alma-Straßentunnel gerast sein, wo die Fahrt an einem Betonpfeiler endete. Das brachte die Mordtheoretiker aber keineswegs zum Verstummen. Zu ihren beliebtesten Theorien gehört, dass Paul selbst Geheimdienstler war und seine Blutproben vertauscht wurden.

Stevens' Aufgabe ist nun nicht weniger, als die "ganze Wahrheit" herauszufinden, wie es zu Beginn der Untersuchung hieß. Dazu hat der erfahrene Ermittler Gespräche mit fast allen Beteiligten geführt - von Prinz Charles bis hin zu Mohammed El Fayed. Zwischenzeitlich gab er schon bekannt, dass die Ermittlungen "viel komplexer" seien als gedacht. Aber ansonsten drang noch nicht viel nach außen. Der Abschlussbericht, dessen Veröffentlichung schon mehrfach verschoben wurde, soll nun in diesem Sommer vorliegen.

Das Thema wird also noch einige Monate aktuell bleiben. Was vor allem die britischen Boulevardblätter freut: Auch fast neun Jahre nach ihrem Tod ist die "Prinzessin der Herzen" immer noch für Auflage gut. Der "Daily Express" zum Beispiel, so haben Medienwissenschaftler ausgezählt, hat über Diana inzwischen mehr Titelgeschichten nach ihrem Tod gemacht als zu ihren Lebenszeiten. In der Branche heißt das Blatt nun "Diana Express".

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