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Sven Regener bei einem Auftritt von Element of Crime

Interview zum neuen Roman

Sven Regener lässt alten Bekannten aufleben

Berlin - Sven Regener hat einen neuen Roman geschrieben. Die Hauptfigur Karl Schmidt haben seine Leser noch aus früheren Büchern in guter Erinnerung. In ihr steckt auch viel vom Autor.

Sven Regener macht Musik bei Element of Crime, schreibt aber auch Romane. Der jüngste heißt „Magical Mystery“. Regener lässt darin einen alten Bekannten wieder auftauchen, der seinen Lesern schon in „Herr Lehmann“ und „Der kleine Bruder“ ans Herz gewachsen ist: Karl Schmidt, der nach Jahren in der Psychiatrie und einer WG für Ex-Drogenabhängige zurück ist im wirklichen Leben und den Job als Fahrer bei einer Raver-Tournee übernimmt. Er habe Karl Schmidt immer geliebt, sagt Regener im dpa-Interview. Und in der Figur stecke mindestens so viel von ihm wie in Frank Lehmann.

Wie viel von Ihnen steckt denn in Karl Schmidt ist - mehr als in Herrn Lehmann?

Regener: Ich glaube, dass die alle was von mir haben. Man gibt jeder Figur etwas mit. Aber natürlich bekommen die Figuren auch noch ganz andere Sachen mit, von denen man glaubt, man habe sie sich ausgedacht. Es kommt ja darauf an, dass neue Individuen entstehen. Es ist ja kein Schlüsselroman, das hätte mich auch nicht interessiert. Aber ich hab das auch damals schon gesagt, weil die Frage immer kam „Wie viel von Ihnen steckt in Herrn Lehmann oder wie viel von Herrn Lehmann steckt in Ihnen?“ Ich bin sicher, dass genauso viel von mir in Karl Schmidt steckt.

Ist Karl Schmidt der Typ sympathischer Loser?

Regener: Er hat einen Sprung in der Schüssel, aber ist er deshalb ein Loser? Er ist ein sehr zupackender Typ, hat eine eigene Art von Pragmatismus. Er ist sehr schlagfertig, auch wenn er für alle offensichtlich ein psychischer Wackelkandidat ist, ein Ex-Irrer, der gerade die Pillen abgesetzt hat. Aber er schafft es, in diesem Hühnerstall von Ravern der Ruhepol zu sein.

Ist „Magical Mystery“ der Versuch, die Geschichte aus den früheren Romanen weiter zu schreiben?

Regener: Ja, das wuchert jetzt. Das Buch könnte jetzt so weitergehen, muss es aber nicht, und ich weiß das auch noch nicht. Ich mag das gerne, auch als Leser, wenn man einer Figur hinterherläuft, wie sie verschiedene Dinge erlebt. Ich war deswegen nie ein großer Freund von Kurzgeschichten mit ständig neuen Figuren.

Deswegen spielt auch Frank Lehmann wieder eine Rolle?

Regener: Ja, klar, die sind ja auch aus derselben Welt. Wobei Karl Schmidt zumindest in dieser Zeit, in der „Herr Lehmann“ spielt, in zwei verschiedenen Peergroups unterwegs ist, Kneipenbusiness und dann noch an was anderes, das Frank nicht kennt und nicht versteht, Clubs, in denen die Rave- und Technogeschichte begann.

War Techno eigentlich auch Ihre Musik?

Regener: Nein, weil ich ja Rockmusiker bin, aber das heißt ja nicht, dass man das nicht verstehen und mögen kann. Und das Buch ist ja kein Rave-Roman, sondern erzählt, was mit einem passiert, der aus seinem betreuten Leben ausbricht.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Haben Sie das Drogentherapie-Thema eigentlich recherchiert und sind mal in eine Therapiegruppe gegangen?

Regener: Nein, ich bin jetzt 52, ich habe viel gesehen. Und ich bin im zielgerichteten Recherchieren gar nicht so gut. So was traue ich mir nur zu, zu machen, wenn ich so viel Lebenserfahrung gesammelt habe, dass ich mir das im Detail alles ausdenken kann.

Spielt bei dem Musikthema Ihre eigene Tournee-Erfahrung rein?

Regener: Naja, ich denke schon, dass das eine Rolle spielt. Was Hotels angeht und so. Aber ich kenne nur Rocktourneen, die sehen ein wenig anders aus. DJs sind ja meistens sehr einsam unterwegs, fliegen alleine nach San Francisco und wieder zurück mit Jetlag und allem drum und dran. Es gibt zwar DJ-Teams, aber viele sind doch alleine. Insofern ist das Tourneeding für die Leute in diesem Roman ein Sonderfall.

Sind die Tourorte eine Anspielung auf Städte, die Ihnen wichtig sind und Bremen ein Gruß an die alte Heimat?

Regener: Ja, klar, ich lass' gerne Dinge in Bremen spielen, weil ich mich da auskenne und mir das Spaß macht. Schrankenhusen-Borstel ist ja mal ein erfundener Ort, stellvertretend für alle diese Orte. Ich hab mal 'ne Fahrt ins Schullandheim gemacht, als ich sieben war, nach Clüversborstel. Daher vielleicht der komische Name. Ansonsten sind das große, wichtige Städte in Deutschland, die bei so einer Tournee naheliegen.

dpa

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